In einer Allianz wollen T-Mobile, die Telecom Italia Mobile (Tim) und Telefónica Móviles aus Spanien ihre internationalen Datendienste für Geschäftskunden im Mobilfunk künftig besser aufeinander abstimmen. Diese Dienste sollen dadurch von Kunden der Partner in den Netzen der Kooperationspartner einfacher, schneller und unter Umständen auch preiswerter genutzt werden können. Dies verlautet aus verhandlungsnahen Kreisen, soll aber zu Beginn der kommenden Woche offiziell bekannt gegeben werden.
Die Kooperation richtet sich nach Einschätzung von Branchenexperten vor allem gegen den europäischen Marktführer Vodafone. Dieser kann seinen Kunden mobile Datendienste schon heute in nahezu allen Ländern Europas in eigenen Netzen anbieten.
Orange könnte dazustoßen
Die neue Allianz wäre ebenfalls in allen Ländern Europas - außer Frankreich - mit eigenen Netzen präsent. Da sich das neue Trio eine Lücke in Frankreich aber auf Dauer nicht leisten kann, gehen Beobachter der Branche davon aus, daß auch Orange - die Mobilfunktochtergesellschaft der France Télécom - in Kürze zu der Allianz stoßen könnte. Entsprechend wird in den Kreisen schon kommuniziert, daß die Allianz auch für andere Unternehmen offen stehen soll.
Fachleute bemerken zudem, daß der Charme der Zusammenstellung vor allem darin liegt, daß es keine geographischen Überschneidungen der Netze zwischen den Anbietern gibt. So gewinnen alle Beteiligten durch die internationalen Angebote für den mobilen Datenverkehr einen Marketingvorteil gegenüber anderen Betreibern auf ihrem Heimatmarkt. Vor allem aber können sie auf der Basis der geplanten Kooperation mit dem Konkurrenten Vodafone gleichziehen.
Diese veränderte Konkurrenzsituation auf dem Heimatmarkt für die drei Kooperationsteilnehmer wird allerdings auch dazu führen, daß sich die Offenheit dieser Koalition für andere Mobilfunkanbieter in sehr engen Grenzen halten wird. So wäre zum Beispiel der Vorteil von T-Mobile auf dem deutschen Markt und in den Niederlanden durch einen Beitritt von KPN zu der Allianz verloren. E-Plus könnte sofort ähnlich Datendienste an seine deutschen Geschäftskunden liefern, wie es auch T-Mobile könnte. Gleiches gilt für die britische MMO2 mit der T-Mobile auf dem deutschen und dem britischen Markt konkurriert. So ist nicht davon auszugehen, daß sich die Allianz für KNP oder MMO2 öffnen wird.
Kippt der Wettbewerb?
Dies jedoch könnte dazu führen, daß sich die Europäische Union und dort speziell die Wettbewerbsaufsicht etwas genauer mit der Kooperation der Mobilfunkunternehmen auseinandersetzen muß. Dieser Behörde sind vermutete Preisabsprachen und Wettbewerbsverzerrungen im europäischen Mobilfunk schon lange ein Dorn im Auge. Aus Kreisen der EU-Kommission war am Donnerstag zu hören, daß man von der geplanten Allianz aus Medienberichten erfahren habe.
Sollten sich diese Berichte bestätigen, werde man bei den entsprechenden Regierungen nachfragen, ob eine solche Zusammenarbeit der Mobilfunkanbieter angemeldet werden müsse. Kenner des EU-Rechts gehen jetzt davon aus, daß zumindest Kontakte mit der EU-Kommission alsbald hergestellt werden müssen. Dabei sei zu prüfen, ob die Kooperation die Regeln der europäischen Fusionskontrolle erfüllt oder das Kartellverbot des europäischen Wettbewerbsrechtes verletzt.
Schon im Juli 2001 hatte die EU-Kommission während Durchsuchungen bei den Mobilfunkanbietern Material beschlagnahmt, daß überhöhte Preise bei grenzüberschreitenden Mobilfunkgesprächen (Roaming) belegen sollte. Im Dezember 2002 wurde angekündigt, daß im Frühjahr 2003 mit einem Ergebnis dieser Auswertung zu rechnen sei. Danach könnten die Unternehmen gezwungen werden, ihre Roaming-Preise zu senken oder müßten sogar mit Bußgeldern rechnen. Eine Entscheidung steht hier aber bisher noch aus.