Das niederländische Telekommunikationsunternehmen KPN hat im Geschäftsjahr 2003 auf Grund weiterer Kosteneinsparungen die Gewinnerwartungen der Analysten übertroffen und will nach vier Jahren ohne Dividende wieder Geld an die Aktionäre ausschütten. Presseberichten zufolge ist KPN weiterhin an einer feindlichen Übernahme des britischen Mobilfunkanbieters MMO2 interessiert.
KPN, Mutterkonzern des drittgrößten deutschen Mobilfunkanbieter E-Plus, der seine Kundenzahl 2003 auf mehr als 8,2 Millionen steigern konnte, teilte am Montag in Amsterdam mit, der Reingewinn habe im vergangenen Jahr 2,731 Milliarden Euro betragen nach einem Verlust in Höhe von 9,5 Milliarden Euro im Vorjahr. Beim Umsatz blieb KPN unter den Erwartungen.
KPN will mit MMO2 Marktanteile gewinnen
Keine neuen Angaben machte KPN zu seinem jüngsten Übernahmeversuch des britischen Mobilfunkkonzerns MMO2. KPN hatte MMO2 am Freitag ein Kaufangebot unterbreitet, was jedoch von den Briten zurückgewiesen worden war. Bereits in der Vergangenheit konnten sich die Unternehmen nicht über ein Zusammengehen zur Stärkung ihrer Marktmacht einigen, da die Preisvorstellungen differierten.
E-Plus legt bei der Kundenzahl zu
Bei E-Plus wuchs die Zahl der Kunden im vergangenen Jahr auf mehr als 8,2 Millionen, fast 13 Prozent mehr als Ende 2002 und mehr als die angepeilten acht Millionen, erklärte das Unternehmen am Montag in Düsseldorf.
Der Marktanteil stieg im gleichen Zeitraum von 12,3 auf 12,7 Prozent. Dabei sank der Ertrag: Vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) blieben 2003 nur 620 Millionen Euro, 3,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Umsatz stieg dagegen um elf Prozent auf 2,45 Milliarden Euro.
E-Plus und O2 mit gemeinsamem Marktanteil von 20 Prozent
Mit dem Einstieg beim britischen Konkurrenten will KPN auch den Marktanteil seiner deutschen Tochter verbessern: Nur zusammen mit der MMO2-Tochter O2 käme E-Plus nach Einschätzung des Konzern auf den angestrebten Marktanteil von 20 Prozent.
KPN geht es vor allem um die Überlebensfähigkeit von E-Plus, der Perle im Mobilfunkportefeuille des Unternehmens. Finanzchef Maarten Henderson bleibt vage, gibt aber die Richtung vor: „Unser Unternehmen ist finanziell gesund“, sagt er über einen Konzern, der vor wenigen Jahren noch völlig überschuldet war und kurz vor der Pleite stand. KPN habe nicht nur die Wende geschafft, sondern versuche jetzt auch, durch Akquisitionen die Geschäftsbasis zu erweitern.
Eine Fusion von O2 und E-Plus hält Marcus Schmit, Telekom-Analyst der Privatbank Hauck & Auffhäuser, für eine logische Konsequenz. „KPN bleibt über kurz oder lang gar nichts anderes übrig“. Gemeinsam würden E-Plus und O2 auf rund 15 Millionen Kunden kommen.
KPN zahlt erstmals wieder Dividende
Für 2004 rechnet der niederländische Konzern bei unveränderten bis leicht rückläufigen Umsätzen mit einem Gewinn vor Steuern in Höhe von 1,4 bis 1,7 Milliarden Euro. Im abgelaufenen Jahr hatte der Vorsteuergewinn 1,599 Milliarden Euro betragen.
Konzern-Chef Ad Scheepbouwer äußerte sich zufrieden mit dem Geschäftsergebnis. „Trotz des umkämpften Marktumfeldes haben wir einen über den Markterwartungen liegenden Cash-Flow erwirtschaftet und sind nun in einer Position, unsere Anteilseigner mit der Wiederaufnahme von Dividendenzahlungen zu belohnen", erklärte Scheepbouwer.
Für 2004 sollen die Aktionäre nach Unternehmensangaben eine reguläre Dividende von zwölf Cent plus 13 Cent Sonderdividende erhalten. Jährlich sollen mindestens sollen 0,20 Euro pro Aktie ausgeschüttet werden.
Die Dividendenzahlungen waren bei KPN wie bei anderen Telekom-Konzernen im Zuge der im Jahr 2000 einsetzenden schweren Finanzkrise gestrichen worden, um die durch milliardenschwere Zukäufe und Investitionen aufgeblähten Schulden zu senken.
An der Börse wurden die Aktien im frühen Handel bei gut behauptetem Branchentrend mit einem Abschlag von 2,5 Prozent bei 6,68 Euro gehandelt. Die Aktien von MM02 sprangen infolge des jüngsten Kaufangebots von KPN um 13,9 Prozent auf 105,25 Pence.