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Telekommunikation Bank auf Reisen

08.03.2004 ·  Mit dem Handy haben Verbraucher ihre Finanzen auch unterwegs im Griff. Was bislang kompliziert und teuer war, wird kinderleicht. Aber nur bei wenigen Banken.

Von Ulrich Schmidt und Dyrk Scherff
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Habe ich noch genug Geld auf meinem Konto für den Großeinkauf? Wo ist der nächste Geldautomat? Eine Kurzmitteilung auf das Handy verrät die aktuelle Finanzlage und zeigt, wo es Geld gibt. Und wenn die Aktien im Urlaub endlich steigen? Das Handy gibt Bescheid. Börsianer können dann auch im Urlaub ihre Papiere verkaufen, bevor es wieder bergab geht. So malen sich die Anbieter mobiler Technologie die Zukunft aus. Ganz neu ist das nicht. Schon zu Zeiten des Börsenbooms 1999 und 2000 wurden mobile Geld- und Wertpapiergeschäfte über das Handy beworben. Doch die WAP-Technik, mit der damals gearbeitet wurde, war ein Flop. „Die Übertragung war langsam, die Gebühren hoch, die Bedienung umständlich“, sagt Eric Wolff vom finnischen Softwareunternehmen Meridea. Die Angebote der Banken wurden deshalb kaum wahrgenommen und teilweise wieder eingestellt. Nun könnte eine verbesserte Technik frischen Schwung in das Mobile Banking bringen. Die Nutzung ist billig und die Handhabung einfach. Doch die meisten Banken halten sich noch zurück.

Vorreiterrolle: SMS-Banking in München

Ein paar Klicks genügen, um eine Überweisung auszuführen. Dazu ist auf dem Handy eine eigene Software vorinstalliert. Im Hauptmenü erscheint dann der Punkt „Banking“. Weiter geht es zur „Überweisung“, zur Sicherheit wird schließlich eine PIN-Nummer abgefragt. Dann verschickt das Handy den Auftrag per SMS. Das war's.

So einfach sollen Kunden der Münchner Stadtsparkasse künftig ihre Bankgeschäfte erledigen können. Die Bank ist Vorreiter im SMS-Banking. Im Sommer soll ihr System starten. Es sei billig und sicher, verspricht Stefan Lutz, zuständig für „New Banking“ bei den Münchnern. Im Test mit 200 ausgewählten Kunden sahen 82 Prozent einen Zusatznutzen in dem Dienst. Allerdings läuft die Software bislang zunächst nur in Verbindung mit einem Handy-Vertrag bei O2.

Große Nachfrage, geringes Angebot

Daß die Kunden durchaus an Mobile Banking interessiert sind, bestätigt auch eine Umfrage von Meridea. Die Finnen, die selbst die Software dazu anbieten, befragten 450 Kunden, die ihre Bankgeschäfte derzeit über das Internet erledigen. Zwei Drittel von ihnen gaben an, daß sie mobile Dienstleistungen wie die Abfrage des Kontostands oder die Mitteilung eines Zahlungseingangs auf dem Handy nutzen würden. Und sie wären bereit, zwischen 55 und 80 Cent dafür zu bezahlen. Wertpapiergeschäfte würden 40 Prozent der Befragten mit dem Handy erledigen. Dennoch: Die meisten Banken halten sich mit ihren Angeboten zurück. Zu tief sitzt ihnen der Schock der mißglückten WAP-Angebote. Einige Institute bieten lediglich ergänzende Dienste per SMS an. So können sich Kunden der Hypo-Vereinsbank informieren lassen, wenn ihre Aktien einen bestimmten Kurs erreicht haben. Und die Postbank verschickt auf Wunsch die TAN-Nummer für Telefon- oder Online-Banking per SMS. Andere halten sich ganz raus aus dem Mobile Banking. "Wir bieten nicht eine neue Anwendung, nur weil sie trendy ist", sagt etwa Citibank-Sprecher Matthias Dezes. "Wir schauen, was uns nachhaltig weiterbringt." Mobile Bankdienstleistungen gehören momentan noch nicht dazu.

Die Stadtsparkasse München dagegen glaubt an den Erfolg ihres neuen Systems. Denn 67 Millionen Deutsche besitzen ein Handy. Und die SMS liegt im Trend. Schließlich tippte die zwölf Jahre alte Conny Püschel bei "Wetten daß...?" in 150 Sekunden blind eine Mitteilung von 320 Zeichen in ihr Handy. Eine Kundin für die Zukunft.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 07.03.2004, Nr. 10 / Seite 51
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Jahrgang 1971, Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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