Die beiden Telekommunikationsausrüster Alcatel aus Frankreich und Lucent haben sich am Sonntag auf eine Fusion geeinigt. Wie beide Unternehmen mitteilten, wird ein Weltmarktführer mit einem Umsatz von 21 Milliarden Euro entstehen. Alcatel und Lucent wollen sich mit der Fusion gegenüber der Konkurrenz und gegenüber den Kunden, den großen Telekommunikationskonzernen, stärken, die ebenfalls immer größer werden.
Die gemeinsamen Einspareffekte beziffern die Unternehmen auf 1,4 Milliarden Euro. Das Ziel soll innerhalb von drei Jahren erreicht werden. Dazu soll auch der Abbau von 10 Prozent der Belegschaft beitragen, also knapp 9000 Stellen. Der französische Alcatel-Chef Serge Tchuruk wird Aufsichtsratsvorsitzender des neuen Unternehmens, die amerikanische Lucent-Chefin Patricia Russo erhält den Posten der Vorstandsvorsitzenden. Beide sollen ihren Sitz in Paris haben. Pat Russo steht der Australier Mike Quigley als Chief Operating Officer zur Seite, der als die Nummer zwei von Alcatel gilt.
„Fusion unter Gleichen“
Der Verwaltungsrat mit seinen 14 Mitgliedern soll gleichgewichtig mit Vertretern beider Unternehmen besetzt werden, teilten Alcatel und Lucent mit, was die angestrebte „Fusion unter Gleichen“ zum Ausdruck bringe. Doch innerhalb des Zusammenschlusses, der keine Prämie für die Aktionäre vorsieht und über einen Aktientausch erfolgt, werden die Anteilseigner von Alcatel aufgrund des höheren Börsenwertes 60 Prozent des neuen Konzerns halten und die Aktionäre von Lucent 40 Prozent.
Der Verteidigungsbereich von Lucent, der vertrauliche Aufträge der amerikanischen Regierung bearbeitet, soll in eine eigene Gesellschaft unter amerikanischer Führung gestellt werden, deren Management die Zustimmung der amerikanischen Regierung erhalten muß. Politiker in den Vereinigten Staaten hatten diesbezüglich Bedenken geäußert. In Frankreich dagegen ist kein politischer Widerstand gegen die Fusion laut geworden. Finanzminister Thierry Breton sagte am Freitag, daß die Fusion Sache der Unternehmen sei. Unklar ist allerdings noch die Zukunft des Satellitengeschäfts von Alcatel, das nach dem Wunsch von Alcatel in den französischen Rüstungskonzern Thales eingebracht werden soll.
Gleichzeitig strebt auch EADS die Einbringung seiner Satellitensparte EADS Astrium bei Thales an. Die Verhandlungen dauern an. Lucent und Alcatel vereinbarten nun, daß der in den Thales-Verwaltungsrat entsandte Vertreter des neuen Konzerns die europäische Staatsbürgerschaft haben müsse. Alcatel ist heute mit gut 9 Prozent Aktionär von Thales.
Enorme Restrukturierung
Sowohl Alcatel als auch Lucent haben seit dem Platzen der Internetblase im Jahr 2000 gewaltige Restrukturierungsmaßnahmen hinter sich. Alcatel hatte in jenem Jahr noch 110.000 Beschäftigte und erzielte einen Umsatz von 31 Milliarden Euro. Alcatel-Chef Serge Tchuruk konzentrierte das weit verzweigte Konglomerat von Alcatel, zu dem einst auch der Industriekonzern Alstom gehörte, konsequent auf die Belieferung von Telekommunikationsanbietern im Fest- und im Mobilfunknetz sowie auf Telekommunikationsdienstleistungen für Unternehmenskunden.
2005 erzielte Alcatel mit 58.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 13,1 Milliarden Euro und einen Gewinn nach Steuern von 930 Millionen Euro. Lucent hat ebenfalls eine heftige Schrumpfkur hinter sich und beschäftigt heute noch 30.200 Mitarbeiter. Finanziell gilt Lucent als der Juniorpartner. Bei einem Umsatz von 9,4 Milliarden Dollar 2004/2005 entstand ein Nettogewinn von 1,2 Milliarden Dollar, 40 Prozent weniger als im Vorjahr.