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Telekomausrüster Alcatel stürzt tiefer als erwartet

 ·  Frankreichs Telekomausrüster kündigt massiven Stellenabbau an und will Ende des Jahres doch noch schwarze Zahlen schreiben.

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Tiefer hätte der Sturz kaum sein können. Dramatischer auch nicht. Im Mai versuchte Frankreichs Telekomausrüster Alcatel noch, den US-amerikanischen Konkurrenten Lucent zu übernehmen und sich so zur weltweiten Nummer eins seiner Branche aufzuschwingen. Jetzt reiht sich das hoch verschuldete Unternehmen ein in den scheinbar nicht enden wollenden Abschwung des gesamten Telekomsektors.

Der Gewinn sei im zweiten Quartal um 77 Prozent zurückgegangen, meldete das Unternehmen gestern. So schlimm hatte es keiner der Analysten kommen sehen.

Rigoroser Sparkurs

Bis zum Jahresende sollen über 14.000 Stellen abgebaut werden. Insgesamt plant Alcatel, 18 Prozent der Belegschaft von 110.00 Mitarbeitern weltweit zu entlassen. Dadurch will der Konzern Kosten sparen und am Ende des Jahres vielleicht doch noch mit einem operativen Gewinn dastehen. Im Juni hatte der Konzern angekündigt, 90 Prozent von insgesamt 120 Fabriken abstoßen zu wollen. Alcatel-Chef Serge Tchuruk sagte, Alcatel wolle eine Firma ohne Fabriken werden. Alcatels große Abhängigkeit vom amerikanischen Markt kommt dem Unternehmen nun teuer zu stehen. In den vergangenen zwei Jahren, während des Hypes des Sektors, hatte Tchuruk insgesamt sieben amerikanische und High-Tech-Firmen aufgekauft. Verantwortlich dafür war sein in Dallas sitzender Stellvertreter, Krish Prabhu.

Schlechte Nachrichten in Serie

Der Inder, der Tchuruk ursprünglich nachfolgen sollte, erklärte gestern in einem Interview, just an dem Tag, als Alcatel einen Rekordverlust von drei Milliarden Euro bekannt gab, sich fortan seiner Familie widmen zu wollen. Obwohl Nortel und Lucent nach einem Chef suchten, wolle er nicht zu einem der Konkurrenten wechseln. Prabhu werde Mitglied des Aufsichtsrats. Der 63-jährige Alcatel-Chef Tchuruk, der in Frankreich voriges Jahr noch zum "besten Manager des Jahres" gewählt worden war, verliert damit trotz des Debakels einen seiner besten Mitarbeiter. Betrüblicher als der gestrige Tag war in der Karriere Tchuruks wohl nur der 17. September 1998. Damals legte Alcatel ebenfalls enttäuschende Zahlen vor, woraufhin der Börsenkurs binnen Stunden um 38 Prozent einbrach und das Unternehmen zwei Drittel seines Werts verlor. Gestern kletterte der Kurs sogar etwas.

Ende des Abschwungs nicht zu abzusehen

Doch trotz des mutigen Umbaus des Unternehmens in den weltweit viertgrößten Telekomausrüster, die Nummer eins bei Hochgeschwindigkeits-Anschlüssen fürs Internet (ADSL) und Unterwasserkabeln sowie zur Nummer zwei bei der Glasfasertechnik verlor Alcatels Kurs über das vergangene Jahr hinweg um 70 Prozent seines Wertes. Eine Kehrtwende sieht Tchuruk erst im Laufe des nächsten Jahres kommen.

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