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Veröffentlicht: 15.02.2016, 11:59 Uhr

Ted Talks Professoren als Popstars

Früher langweilten Vorlesungen. Dann kamen die TED-Konferenzen und haben alles verändert. Wie Wissenschaft wieder populärer wird - und jetzt sogar ins Kino kommt.

von
© Ted Talks Thomas Piketty über Ungleichheit

Auf nahezu jeder Konferenz gibt es irgendwann einen Kronleuchter-Moment, meist zwischen der 60. und 70. Powerpoint-Folie. Dann wandern die Augen auf der Suche nach Ablenkung an die Decke des fensterlosen Konferenzsaals und stoßen dabei häufig auf einen überdimensionierten Lüster mit strahlenden Kristallen in Tropfenform. Fast unweigerlich spielt sich vor dem inneren Auge die Vorstellung ab, wie die Decke plötzlich Risse bekommt und sich der Kronleuchter langsam und ächzend aus der Verankerung löst und schließlich krachend wahlweise auf den Vortragenden oder auf die vor sich hindösende Zuschauerschaft niedergeht. Das könnte bei der TED-Konferenz nie passieren.

Corinna Budras Folgen:

TED steht für Technology, Entertainment und Design, doch darauf ist sie längst nicht mehr beschränkt. Die fünftägige Konferenz steckt voller Kurzvorträge, maximal 18 Minuten lang, von Wissenschaftlern, Designern, Künstlern, Unternehmern und Aktivisten, meist überraschend, immer unterhaltsam. Ein „Ideenfestival“ wird es genannt oder auch ein „intellektueller Teilchenbeschleuniger“. Bill Gates stand schon auf der Bühne, vor dem blauen Vorhang mit dem roten TED-Schriftzug, und sprach über den Kampf gegen Ebola. Der französische Starökonom Thomas Piketty unterhielt das Publikum mit seinen Thesen über Ungleichheit.

© Ted Talks Bill Gates über Ebola

Und Monica Lewinsky, die berühmteste Praktikantin der Welt, sprach in entwaffnender Ehrlichkeit darüber, wie es sich anfühlt, zur Nullnummer der gerade aufkeimenden Netzhysterie, einer modernen Form der Hexenjagd, zu werden. Der Skandal um die Affäre mit dem damaligen amerikanischen Präsidenten Bill Clinton war der erste, der weidlich auch im Internet ausgeschlachtet wurde, zu einer Zeit, als das Cybermobbing und der Shitstorm zwar schon geboren waren, aber noch keinen so klangvollen Namen hatten. Mehr als sieben Millionen Mal wurde ihr Vortrag angesehen.

© Ted Talks Monica Lewinsky über Netzhysterie

Das klingt nach gelungener Unterhaltung. Die Vorträge bei den legendären TED-Konferenzen sind meist vollgestopft mit guten Ideen. Tagträume sind ausgeschlossen, deshalb ist dieses Event wie gemacht für das Kino. Jedenfalls seitdem selbst große Kinoketten wie Cinemaxx und Cinestar nicht mehr nur Filme zeigen, sondern eigentlich alles, was auf eine Großleinwand passt: Sportereignisse, Opern, Konzerte. Es dürfte inzwischen keinen einzigen dieser immer zahlreicher werdenden Senioren-Studenten geben, der noch nicht mit einem Glas Sekt in der Hand im Kinosessel eine Liveübertragung aus der New Yorker Met genossen hat – und dies nicht im Anschluss daran beim nächsten Treffen der Goethe-Gesellschaft kundgetan hätte.

Nun also auch die TED-Eröffnungsveranstaltung, die schon Montagabend Ortszeit im kanadischen Vancouver beginnt, aber wegen der Zeitverschiebung erst am Dienstag in vielen Kinos in Deutschland übertragen wird. Die Veranstaltung dürfte allerdings eine ganz andere Klientel als die sogenannten „Best-Ager“ anziehen, nämlich all jene „digital natives“, die sich schon länger für diese Konferenz im Internet (und dort übrigens kostenlos) begeistern können und sich angstfrei auf Englisch ohne Untertitel Dutzenden Vorträgen zum diesjährigen Motto Traum aussetzen.

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