28.09.2008 · Die Bertelsmann-Stiftung tritt für die Abkehr von der Spezialisierung ein. Um Kompetenzen für berufliche Bildung sinnvoll zu steuern, müssten sie in einer einzigen Institution gebündelt werden.
Die Zuständigkeiten in Deutschland für berufliche Bildung sind auf viele Ministerien und Behörden verteilt. Für eine sinnvolle Steuerung müssen die Kompetenzen in einer einzigen Institution gebündelt werden. Gleichzeitig sollten die starren Berufsbilder durch weiter gefasste Kernberufe ersetzt und den Ausbildern vor Ort mehr Spielraum zugestanden werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung.
Die Qualität des Berufsbildungssystems in der föderalen Bundesrepublik leidet demnach darunter, dass aufgrund unterschiedlicher Rechtsgrundlagen viele Fachministerien von Bund und Ländern zuständig sind. Neben dem Berufsbildungsgesetz spielen die Handwerksordnung, die Ausbildereignungsverordnung und die betriebliche Mitbestimmung eine Rolle.
Die Schweiz als Vorbild
Diese Fragmentierung lässt sich nach Ansicht der Wissenschaftler aufheben durch eine Regelung nach Schweizer Vorbild. Dort bildet ein einziges "schlankes" Berufsbildungsgesetz die Grundlage. Dafür wurde 1999 die Verfassung geändert. Gesteuert wird die berufliche Bildung vom Bundesamt für Berufsbildung und Technologie. Eine entsprechende Institution auf Bundesebene müsste dann auch in Deutschland eingeführt werden, folgern die Autoren.
Zu den Empfehlungen gehört gleichzeitig auch die Abkehr von der Spezialisierung der Berufsbilder. Die Stiftung schlägt vor, sich künftig an "breitbandigen Kernberufen" zu orientieren. Diese seien offen für den technologischen Wandel, die Herausbildung neuer Geschäftsfelder und Branchen sowie die lokale Ausgestaltung in verschiedenen Regionen. Das Konzept sieht vor, dass innerhalb bestimmter Rahmenvorgaben die konkreten Ausbildungspläne von Lehrern und Ausbildern vor Ort gestaltet werden. Dänemark habe mit einer solchen "Lokalisierung" gute Erfahrungen gemacht.
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