Home
http://www.faz.net/-gqe-15mol
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Technologischer Fortschritt Die digitale Evolution geht weiter

 ·  Dem iPad von Apple zum Trotz: Der Personalcomputer ist nicht tot. Kein Gerät ist in der Lage, eine kraftvolle Entwicklung schon heute zu ihrem krönenden Abschluss zu bringen. So ist die IT: unübersichtlich und wechselhaft wie das Leben. Daran kann selbst ein Steve Jobs zum Glück nichts ändern.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (4)

Dem iPad von Apple zum Trotz: Der Personalcomputer ist nicht tot. Und auch der Fortschritt in der Informationstechnologie geht unaufhaltsam weiter. Kein Gerät, auch kein noch so sehr in den Himmel gehobenes neues Produkt des amerikanischen Computerherstellers Apple, ist in der Lage, eine kraftvolle Entwicklung, die erst vor rund vierzig Jahren begonnen hat, schon heute zu ihrem krönenden Abschluss zu bringen (Apples Computer für alles und jeden).

Das iPad, ein flacher Computer in der Form eines Tabletts mit einem berührungsempfindlichen Bildschirm, ohne Festplatte und mit nur wenigen Anschlüssen, symbolisiert nicht den Abschluss der Evolution von Software und Hardware: Moore’s Law, die Gesetzmäßigkeit, dass sich die Zahl der Transistoren, die auf eine gegebene Fläche Silizium passt, alle 18 bis 24 Monate verdoppelt, ist weiterhin gültig. Und freie sowie festangestellte Programmierer arbeiten jeden Tag an Ideen für neue Software. Dann entsteht zum Beispiel eine Datenbank, die Marktführern wie Oracle Kopfzerbrechen bereitet. Dann entwickelt sich ein Internet-Browser, der das einstige Standartprodukt von Microsoft, den „Explorer“, entbehrlich erscheinen lässt.

So wird es bleiben, auch wenn Steve Jobs, der charismatische Vorstandsvorsitzende und Mitbegründer von Apple, noch lange seine designverliebte, minimalistisch-anziehende Schaffenskraft entfaltet: Wir werden uns nicht allesamt zu faulen Sofa-Internetsurfern entwickeln, die müde die Finger über den Programmen auf einem iPad kreisen lassen und über die neue Übersichtlichkeit im Computeralltag erleichtert sind. In der Geschichte der Entwicklung des Personalcomputers und der immer neuen Geräte, die um ihn herum entstanden sind, gab es immer wieder Menschen (die meisten), die nur die vorhandene Technik eingesetzt haben, und andere (die wenigsten), die sich Gedanken über ihre technische Weiterentwicklung gemacht haben. Und es gibt kein Produkt auf der Welt, für das etwas anderes gälte, gleichgültig, ob es Autos, Küchenmaschinen oder Schuhe sind.

Selbst wenn das iPad von Apple ein geschlossenes System ist, also ein Computer mit einer Software, über deren Zugänge allein Apple wacht, wie schon bei seinem Mobiltelefon iPhone, ändert sich an dieser historischen Wahrheit nichts. Es wird immer genug Computernutzer geben, die einen solchen Computer eben nicht wollen, die neugierig an Lösungen arbeiten, die völlig neue Wege beschreiten.

Nirgends ein solcher Innovationsdruck

Hinzu kommt, dass wohl keine Branche unter einem derartigen Innovationsdruck wie die Informationstechnologie steht. Es handelt sich um die Branche, in der nur die Paranoiden überleben, wie es der frühere Vorstandsvorsitzende des Chipherstellers Intel, Andy Grove, einmal treffend formuliert hat. Das ist gut. Denn damit gehen immer neue Möglichkeiten einher, nicht zuletzt neue Chancen für Unternehmensgründer, manchmal ganz profan in der nächsten Garage. Das war bei Bill Gates von Microsoft so, bei Steve Jobs von Apple, aber auch bei vielen erfolgreichen IT Unternehmen zuvor und, wichtiger noch, danach.

Deshalb ist auch das iPad, das fast noch niemand, der heute darüber schreibt oder redet, in der eigenen Hand gehalten hat, eben nur ein weiteres technisches Gerät von vielen in einem Universum von Elektronik. Das iPad könnte eine interessante Plattform für neue, digitale Formen der Zeitung werden und damit eine echte Konkurrenz für den Fernseher oder andere Unterhaltungsangebote im Kampf um die Zeit auf dem Sofa. Aber auch den Fernseher wird es weiter geben.

Und mehr als das: In nicht wenigen deutschen Familien gibt es heute nicht einen, sondern mehrere Computer, Standgeräte (sogenannte Desktops) und tragbare Computer, die Laptops. Es sind meist auch mehrere Handys in Gebrauch: vielleicht eins mit einem Betriebssystem von Nokia, ein anderes von Apple, künftig eins von Google. Den Garaus wird keiner dem anderen machen, jedenfalls nicht heute oder morgen.

Ein wettbewerbsintensiver Markt

Man muss sich gar keine Sorgen darüber machen, ob Apple auch künftig noch durch Wettbewerber in Schach gehalten wird. Denn dafür sorgt ein so wettbewerbsintensiver Markt wie dieser von ganz allein. So hat sich auch Microsoft längst damit abgefunden, dass es neben Windows auch noch andere Betriebssysteme im Computeralltag gibt, zum Beispiel das lizenzgebührenfreie Linux und natürlich auch OS X von Apple. Selbst das wird in der weit entfernten Zukunft so bleiben. Apples Betriebssystem wird niemals das von Microsoft ablösen – und umgekehrt gilt das ebenfalls.

Online-Suchmaschinen wie Google stehen in der Blüte ihres Lebens, doch muss auch der Riese Google jeden Tag um seine Marktstellung kämpfen. Und selbst Yahoo ist noch nicht tot. Soziale Netzwerke wie Facebook oder StudiVZ wiederum stehen erst am Anfang ihrer Entwicklung, wo andere schon wieder von ihrem Ende reden. Stetig kommen neue Online-Angebote für moderne Menschen hinzu, andere sterben, so wie jüngst AOL in Deutschland. So ist die IT, sie ist so unübersichtlich und wechselhaft wie das Leben. Daran kann selbst ein Steve Jobs zum Glück nichts ändern.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für die Unternehmensberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

Jüngste Beiträge

Wie die Jugend Arbeit findet

Von Dietrich Creutzburg

Projekte zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit, die sich vor allem über Milliardenbeträge und schöne Begriffe definieren, nähren schnell falsche Hoffnungen. Die Bundesarbeitsministerin weiß das - hoffentlich. Mehr 2 4

Umfrage

Gentests machen Aussagen über das Risiko künftiger Krankheiten. Wollen Sie Ihr Risiko kennen?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.

Umfrage

Sollen Ein- und Zwei-Cent-Münzen abgeschafft werden?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.

Wichtigste Werte
Name Wert Änderung
  F.A.Z.-Index --  --
  Dax --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  F.A.Z.-Anleih… --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
  Bund Future --  --
Umfrage

Soll die Selbstanzeige für Steuerhinterzieher abgeschafft werden?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.