15.06.2005 · Aussagen von Vorstandschef Kleisterlee über das schwache Konsumgeschäft schockieren die Börse: Die Warnung vor einem schlechten zweiten Quartal hat die Aktie des niederländischen Konzerns Royal Philips Electronics NV auf Talfahrt gebracht.
Die Warnung vor einem schlechten zweiten Quartal hat die Aktie des niederländischen Konzerns Royal Philips Electronics NV am Mittwoch auf Talfahrt gebracht. Die Titel verloren bis zu 6 Prozent und waren im Eurostoxx 50 eindeutiger Tagesverlierer, nachdem Vorstandschef Gerard Kleisterlee auf einer Analystenkonferenz auf schwächere Geschäfte in den wichtigen Konzernbereichen Konsumelektronik und Haushaltsgeräte hingewiesen und die Analysten auf ein enttäuschendes zweites Quartal eingestimmt hat, deren Zahlen am 18. Juli veröffentlicht werden.
"Die wirtschaftlichen Indikatoren deuten weltweit auf geringere Wachstumsraten hin", sagte Kleisterlee. "Besonders Europa leidet im zweiten Quartal unter einer schwachen Entwicklung im Konsum, was das Erreichen unsere kurzfristigen Wachstumsziele erschwert", fügte er hinzu und löste damit den größten Kursverlust seit rund zwei Jahren aus. Schon das erste Quartal war enttäuschend verlaufen. Der Umsatz stagnierte, wobei der Konzern einen empfindlichen Einbruch im Nettogewinn von fast 80 Prozent auf 117 Millionen Euro erlitten hatte. Traditionell verläuft das erste Halbjahr für Philips immer schwächer. Dagegen ist das vierte Quartal wegen des Weihnachtsgeschäftes das mit Abstand stärkste. Ein Unternehmenssprecher betonte ergänzend, daß aus heutiger Sicht eine Korrektur der mittelfristigen Wachstumsziele für Umsatz und Ergebnis nicht notwendig sei. Anläßlich der Bekanntgabe der Zahlen für das erste Quartal hatte der mittlerweile in Ruhestand getretene Finanzchef Jan Hommen gegenüber dieser Zeitung das Ziel eines Umsatzwachstums in diesem Jahr von 5 bis 6 Prozent bestätigt, nachdem es 2004 ein Plus von 4,5 Prozent auf 30,3 Milliarden Euro gegeben hatte. Und bis zum Ende des Jahres 2006 werde nach wie vor eine operative Rendite von 7 bis 10 Prozent (2004: 5,2 Prozent) angestrebt, sagte Hommen damals.
Vor allem konsumnahe Bereiche
Kleisterlee konzentrierte sich mit seiner Warnung am Mittwoch vor allem auf die konsumnahen Bereiche Haushalts- und Körperpflegegeräte (DAP - Domestic Appliances) sowie Unterhaltungselektronik (CE - Consumer Electronics). Zugleich gab er aber zu verstehen, daß er auch für andere Geschäfte eine sich verschlechternde Entwicklung erwarte. Philips ist nicht nur der größte Hersteller von Unterhaltungselektronik, sondern auch der drittgrößte Halbleiterproduzent in Europa. Darüber hinaus sind die Niederländer in der Medizin- sowie in der Lichttechnik tätig. Um der abgeschwächten Geschäftslage entgegenzusteuern, will Kleisterlee die "Maßnahmen zur Verbesserung der Produktivität in den Kerngeschäften" fortführen. Damit deutet der Philips-Chef weitere Kostensenkungen im Konzern an. So wird derzeit das schwankungsanfällige Halbleitergeschäft umstrukturiert.
Von der gegenwärtigen Konsumschwäche sind vor allem DAP und CE betroffen. Vor allem die Haushaltsgeräte dürften angesichts des Wettbewerbs und des Margendrucks unter den rückläufigen Umsätzen auch im Ergebnis in Mitleidenschaft gezogen werden. Von den Auswirkungen sei diese Sparte wesentlich stärker betroffen, hieß es gestern in Amsterdam. DAP hat im vergangenen Jahr mit 2,04 Milliarden Umsatz die höchste operative Rendite im Konzern von 15,8 Prozent erzielt.
Mehr Engagement in der Medizintechnik
In der Sparte Konsumelektronik solle sich der rückläufige Umsatz hingegen weniger stark auf die Profitabilität auswirken. Mit knapp 10 Milliarden Euro hatte dieses Segment 2004 eine Marge von 3,6 Prozent eingebracht. Sie ist im ersten Quartal bereits auf 2,1 Prozent gesunken. Philips betonte gestern, daß das Unternehmen an dem Ziel von 2 bis 2,5 Prozent festhalte. Einschließlich der Lizenzen würde sie bei 4 bis 4,5 Prozent liegen.
Ungeachtet der schwachen Entwicklung im zweiten Quartal will Philips seine Aktivitäten in der Medizintechnik mit knapp 6 Milliarden Euro Jahresumsatz durch Zukäufe stärken. Auf der Analystenkonferenz wiederholte Jouko Karvinnen, Chef der Philips Medical Systems, die Absicht, Akquisitionen vorzunehmen und Allianzen mit Partnern einzugehen. Dabei will Philips auch in neue Bereiche der Medizintechnik vordringen. Karvinnen betrachtet die Integration der Neueinkäufe als weitgehend abgeschlossen. In den vergangenen Jahren hatte Philips im Volumen von rund 5 Milliarden Euro unter anderem die britische Marconi und die amerikanische Agilent eingekauft.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.368,84 | −1,82% |
| Dow Jones | 12.419,90 | −1,28% |
| EUR/USD | 1,2363 | −0,05% |
| Rohöl Brent Crude | 103,25 $ | −3,37% |
| Gold | 1.540,00 $ | −2,50% |
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