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Technik-Trends Erntezeit auf der Cebit

09.03.2005 ·  Die Cebit wird keine Messe der aufregenden Neuheiten. Doch die digitalen Technologien sind jetzt reif für den Massenmarkt: Telefonieren übers Internet, große Bildschirme fürs „digitale Heim“, Handys als Schminkspiegel.

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Aufregende Neuheiten muß man auf der Cebit lange suchen. Die digitalen Technologien sind ausgereift - jetzt geht es darum, die Ernte einzufahren. Kaum einer der 6.270 Aussteller auf der am Donnerstag in Hannover beginnenden größten Computermesse der Welt spricht noch von Visionen oder revolutionären Neuerungen. Eher geht es darum, die Leistung der Technik auszuweiten: Schneller, größer, weiter. Die Cebit ist im Alltag angekommen.

So gibt es etwa die grundlegende Technik für das Telefonieren übers Internet schon seit Jahren. Jedoch war die Qualität lange Zeit so schlecht, daß sich dies nur wenige Technik-Freaks antun mochten. Erst jetzt ist „Voice over IP“ (VoIP) reif für den Massenmarkt (Deutschland geht "voipen"). „Wir haben im Februar 20 Millionen Gesprächsminuten abgewickelt“, freut sich Michael Frenzel vom Internet-Anbieter 1&1.

DSL: 6.000 Kilobit sind Luxus

Innerhalb des eigenen Netzes sind die Internet-Gespräche kostenlos. Erst wenn Kunden anderer Unternehmen oder Telefonnummern im Festnetz angerufen werden, tickt der Gebührenzähler - aber wesentlich langsamer als im Festnetz. Auch die Deutsche Telekom sieht sich als Branchenführer genötigt, VoIP anzubieten. Die mehr als 3,2 Millionen DSL-Kunden der Deutschen Telekom können kostenlos miteinander telefonieren. Anrufe ins deutsche Festnetz sollen 2,9 Cent pro Minute kosten - was noch deutlich teurer ist als bei der Konkurrenz ().

Wenn die bisherige Telefonrechnung zusammen mit den Kosten für den Internet-Datenverkehr abgewickelt werden kann, wird DSL auch für Haushalte erschwinglich, die bisher die höhere Grundgebühr scheuen. DSL mit Geschwindigkeiten von 1.000 oder 2.000 Kilobit in der Sekunde wird wohl bald zum Standard für die Internet-Verbindung der privaten Haushalte. Der Luxus beginnt dann bei den neuen DSL-Geschwindigkeiten von 6.000 Kilobit, in Planung sind schon 25.000 Kilobit ().

TV: „Trend zu immer größeren Geräten“

Wenn auch das für 2008 zu erwartende hochauflösende Fernsehen (HDTV) übers Internet übertragen wird und das „digitale Heim“ () seine Bewohner mit Wohlfühltechnik umgibt, kann es nicht Bandbreite genug geben. Auch die Bildschirmtechnik zur Darstellung der bunten Medienwelten schreitet voran. Sharp, Samsung, LG und Benq wetteifern um das immer größere und besonders kontrastreiche Bild. Bis zu 65 Zoll (1,65 Metern) in der Diagonalen gibt es LCD-Flachbildschirme, die Plasma-Technik ist bereits bei 102 Zoll (2,59 Meter) angekommen. „Der Trend geht zu immer größeren Geräten“, sagt der deutsche Sharp-Geschäftsführer Frank Bolten ().

Weil es auch bei der Speicherkapazität immer noch etwas mehr sein darf, stellen Sony, Panasonic und Philips auf der Cebit die DVD-Nachfolgetechnik Blu-Ray vor, die in der doppelseitigen Ausführung 50 Gigabyte an Daten aufnehmen kann. Damit eröffnen sich neue Dimensionen für Aufzeichnungsgeräte zum Anschluß an den Fernseher ().

Wettrennen um den schnellsten Chip

Bei PC-Prozessoren setzen Intel und AMD einen technologischen Wettbewerb fort, der die meisten Anwender kaum noch interessiert, weil ihr Bedarf an Leistung längst gedeckt ist. Nachdem das Rennen um die höchste Taktrate bei 3,8 Gigahertz angekommen ist, verlagert sich das Duell jetzt auf „Dual Core“, die Entwicklung von Chips mit zwei Prozessorkernen. Diese versprechen doppelte Leistung ohne eine weitere Steigerung des Stromverbrauchs.

Gegen die „Extreme Edition“ von Intels Pentium bietet AMD einen „Dual-Core AMD Athlon 64“ auf und macht dem Marktführer auch Konkurrenz bei Notebook-Chipsätzen für den drahtlosen Internet-Zugang mit Wireless LAN: Nach den Intel-Erfolgen mit Centrino führt AMD unter dem Namen Turion eine ähnliche Technik ein ().

Kameras und Handys können immer mehr

Die mobile Digitaltechnik für unterwegs führt immer mehr Funktionen zusammen. „Sie werden auf der Cebit viele Produkte sehen, die die ehemals getrennten Welten zusammenführen“, sagt der Präsident des Branchenverbands Bitkom, Will Berchtold. Kaum wurde das erste Handy mit einer Ein-Megapixel-Kamera gefeiert, gibt es von Samsung bereits ein Mobiltelefon, das Aufnahmen mit einer Auflösung von fünf Megapixel ermöglicht.

Die Hersteller von Digitalkameras verlegen sich derweil auf immer ausgefeiltere Funktionen vor allem bei Spiegelreflexkameras. Motorola will Handys mit der VoIP-Software Skype und der Musiksoftware iTunes anbieten. Und die Mobilfunkanbieter werben mit Musik-Downloads, Video-Telefonie und E-Mail-Funktionen für ihre Angebote ().

Digitalfernsehen mit dem Mobiltelefon

Den Prototyp einer Verbindung von Fernsehgerät und Mobiltelefon zeigt Siemens (). Das Gerät, etwa so groß wie ein Taschenkalender, empfängt digitales Fernsehen nach dem neuen Übertragungsstandard DVB-H (Digital Video Broadcast Handheld).

Über einen Rückkanal kann der Zuschauer dem Sender eine SMS mit persönlichen Wünschen schicken. Das Multimediagerät hat zudem eine Digitalkamera mit 1,3 Megapixel und beherrscht ansonsten sämtliche Funktionen eines Handys.

Quelle: FAZ.NET mit Material von AP
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