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Tarifverhandlungen Ärzte fordern mehr Geld für Nachtdienste

 ·  Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund verlangt 6 Prozent mehr Gehalt für Ärzte an kommunalen Krankenhäusern. Außerdem sollen Bereitschaftsdienste besser bezahlt werden. Die Arbeitgeber sagen: „Das wäre nur mit Personalabbau denkbar“.

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© dpa Vergrößern Die Bezahlung von Nachtdiensten sei so niedrig, dass ein Anreiz bestehe, Routinearbeiten in die Nacht zu verlegen, klagt die Ärztegewerkschaft.

Mit der Forderung nach 6 Prozent mehr Gehalt geht die Ärztegewerkschaft Marburger Bund in die Tarifverhandlungen für Ärzte an kommunalen Krankenhäusern. Sie beginnen an diesem Donnerstag in Düsseldorf. Weil der Zuwachs der Krankenhausbudgets auf 2 Prozent gedeckelt ist, bestehe dafür jedoch nicht ausreichend Verteilungsspielraum, betonen die Arbeitgeber. Den wichtigsten Streitpunkt sehen sie allerdings in der Forderung, Bereitschaftsdienste besser zu vergüten, wenn die zulässige Arbeitszeit überschritten ist. „Weil wir zusätzliche Kosten nicht auf die Preise überwälzen können, wäre das nur mit Personalabbau denkbar“, sagte der Verhandlungsführer der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände, Joachim Finklenburg, der F.A.Z. Dieses Ansinnen lasse den gesamten Umfang der Gewerkschaftsforderung auf 13 Prozent ansteigen.

Bislang galt für die Ärzte eine wöchentliche Obergrenze von 48 Stunden, wie sie die EU-Arbeitszeitrichtlinie vorsieht. Allerdings konnten die Arbeitnehmer diese freiwillig auf bis zu 60 Stunden ausweiten, wenn sie regelmäßig Bereitschaftsdienste leisteten. Diese Regelung hat der Marburger Bund zum Jahresende gekündigt. Er ist aber bereit, sie in den neuen Tarifvertrag wieder aufzunehmen, wenn die Höchstarbeitszeit gesenkt wird und die Arbeitgeber den freiwilligen Verzicht der Ärzte pauschal mit 400 Euro brutto im Monat vergüten.

Ziel sei es, Nachtarbeit systematisch unattraktiver zu machen, sagte Rolf Lübke, Verhandlungsführer des Marburger Bunds. Bislang sei die Bezahlung von Nachtdiensten so niedrig, dass ein Anreiz bestehe, Routinearbeiten in die Nacht zu verlegen. „Wir wollen erreichen, dass die Arbeitgeber auf verträglichere Dienstmodelle umstellen“, sagte Lübke. Insofern sei die Addition seiner Forderung auf 13 Prozent eine verzerrte Berechnung. Die Arbeitgeber indes sehen in der bisherigen Regelung eine sinnvolle Umsetzung der Arbeitszeitrichtlinie. „Wir wollen vermeiden, dass wir jedes Jahr die Dienstpläne anpassen müssen“, sagte Finklenburg.

Eine politische Einmischung in die Tarifverhandlungen wies der Marburger Bund zurück. Der CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn hatte vorgeschlagen, ein Sofortprogramm für 15.000 neue Pflegekräfte in Kliniken durch Lohnzurückhaltung der Ärzte zu finanzieren. Die kommunalen Arbeitgeber warnten davor, dass einem hohen Lohnabschluss Stellen für Pflegekräfte zum Opfer fallen würden. „Das ist ein Versuch, beide Berufsgruppen gegeneinander auszuspielen - aber für keine darf es eine nicht sachgerechte Vergütung geben“, erwiderte Lübke.

Mehr als die Hälfte der deutschen Klinikärzte arbeitet in einem kommunalen Krankenhaus. Die Arbeitgebervereinigung führt für Mitglieder der Gewerkschaften Verdi und dbb sowie für den Marburger Bund separate Verhandlungen. In dieser Tarifrunde werden die Gehälter von 51.000 Ärzten ausgehandelt. Der Abschluss hat aber auch Ausstrahlungswirkung auf die Tarife in Krankenhäusern privater und freier Träger. Vor einem Jahr konnten die Ärzte eine Steigerung von 2,9 Prozent und eine einmalige Sonderzahlung von 440 Euro durchsetzen.

„Wir wollen, dass die Arbeitgeber auf verträglichere Dienstmodelle umstellen.“ Rolf Lübke, Marburger Bund

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09.01.2013, 17:50 Uhr

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