Die Tarifparteien in der Metall- und Elektroindustrie werden an diesem Mittwoch in Pforzheim in der sechsten Runde den entscheidenden Versuch zu einer friedlichen Beilegung des Tarifkonflikts unternehmen. Wie zu hören ist, wird die IG Metall einen Lösungsvorschlag unterbreiten. Die Arbeitgeber signalisierten ihrerseits Bereitschaft, über eine Konditionierung der Tariföffnung zu verhandeln, und verwiesen darauf, daß der von ihnen geforderte Tarifvertrag die "Förderung von Wettbewerbsfähigkeit, Beschäftigung, Standort und Innovation" zum Ziel habe. Über entsprechende Voraussetzungen für die Tariföffnung könne man reden.
Beide Seiten erwarteten am Dienstag, daß mit einer möglichen Einigung frühestens in der Nacht zum Donnerstag zu rechnen sei. Die IG Metall Baden-Württemberg hat für Donnerstag nachmittag ihre große Tarifkommission nach Leinfelden-Echterdingen geladen, um über den Stand der Verhandlungen zu beraten. Die Gespräche würden zunächst nur von der Stuttgarter Bezirksleitung geführt; ob und wann die Gewerkschaftsspitze dazustoße, hänge vom Stand der Verhandlungen ab, hieß es. Der Gesamtmetall-Vorstand reist schon am Mittwoch nach Pforzheim.
„Kein Spielraum“ beim Wochenarbeitszeit-Korridor
Seit Ende der Friedenspflicht haben sich rund 420.000 Arbeitnehmer an Protestaktionen beteiligt, das sind knapp 3 Prozent aller Beschäftigten. IG-Metall-Chef Jürgen Peters sagte am Dienstag in Frankfurt nach einer Vorstandssitzung, er hoffe, daß die Arbeitgeber den Ernst der Lage begriffen hätten und sich bewegen würden. Zugleich bekräftigte er das Nein der Gewerkschaft zu dem von den Arbeitgebern geforderten Wochenarbeitszeit-Korridor von 35 bis 40 Stunden. Auch an der Basis werde dieser Vorstoß einhellig abgelehnt, hieß es aus Baden-Württemberg. "Da haben wir keinen Spielraum." Für denkbar erachtet wurde aber ein Modell, in dem zunächst nur ein Lohnabschluß ausgehandelt wird, die Gewerkschaft aber Gespräche über eine Arbeitszeit-Flexibilisierung zusichert.
Unterstützung erhielt die IG Metall am Dienstag von den beiden Mitgliedern des Sachverständigenrats, Wolfgang Wiegard und Jürgen Kromphardt. Beide bezweifelten, daß durch eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit neue Arbeitsplätze entstehen könnten. Dadurch nehme nur das Arbeitszeitvolumen zu. "Die Zahl der Erwerbstätigen steigt aber nicht", sagte der Ratsvorsitzende Wiegard der "Berliner Zeitung". Gesamtmetall nahm diese Äußerung mit Verwunderung zur Kenntnis, da Wiegard den konkreten Vorschlag der Arbeitgeber ignoriere und nur undifferenziert von einer Arbeitszeitverlängerung spreche. Insbesondere in der Automobilindustrie gebe es eine Vielzahl von Zulieferern, die unter den Konditionen des Flächentarifvertrages und dem Preisdruck der Finalisten nicht bestehen könnten, wenn keine Kostenentlastung vereinbart würde. Das Beispiel Bosch zeige, daß dann auch neue Investitionen und Arbeitsplätze möglich seien.