Die Gewerkschaften wollen im Tarifstreit mit der Deutschen Bahn am Donnerstag mit Streiks vor allem den Verkehr in Berlin treffen. Neben dem bundesweiten Ausstand der Lokführer morgens von sechs bis 6.45 Uhr sollen es vor allem in Berlin weitere Warnstreiks geben.
„Warnstreiks gibt es schwerpunktmäßig in Berlin", teilten die Eisenbahner-Vertretungen Transnet und GDBA am Mittwoch mit. Sie kündigten zudem an, bei einem Scheitern der Tarifrunde am Donnerstag würden die Aktionen noch massiv ausgeweitet. Am Donnerstag soll in der Hauptstadt die dritte Verhandlungsrunde zwischen den Tarifparteien stattfinden.
Die Lokführergewerkschaft (GDL) hatte für Donnerstag bundesweite Warnstreiks zwischen 06.00 und 06.45 Uhr angekündigt, die vor allem den Berufsverkehr lahm legen sollen. In dieser Zeit soll der GDL zufolge kein Zug der Bahn AG fahren. Die Verspätungen würden sich bis weit in den Vormittag hinziehen. Betroffen sein werde damit auch der Fernverkehr sowie der Güterverkehr.
Bahn hält mit Managern und Kaffee gegen Gewerkschaftsmacht
Wegen der für Donnerstagmorgen angekündigten flächendeckenden Warnstreiks im Zugverkehr will die Deutsche Bahn ihre Führungskräfte als Aushilfen auf die Bahnhöfe schicken. Die Manager sollten bei Auskünften unterstützen und den Kunden für Informationsgespräche zur Verfügung stehen, teilte das Unternehmen am Mittwoch in Berlin mit. Auch werde es an einigen großen Bahnhöfen kostenlos Kaffee geben, heißt es.
Gewerkschaften zerstritten
Am Mittwoch behinderten die Streiks den Verkehr vor allem in Hamburg und Hannover. Transnet und GDBA haben ihre Streiks bislang jeweils auf bestimmte Regionen beschränkt. Damit soll die Forderung nach fünf Prozent mehr Lohn und die Angleichung der Ost-Gehälter an das Westniveau bekräftigt werden.
Die GDL ist mit den anderen Gewerkschaften zerstritten und fordert drei Prozent mehr Lohn und Verbesserungen bei den Arbeitszeiten. Die GDL vertritt nach eigenen Angaben rund 15.000 Lokführer.
Bahn kritisiert Streiks als unverhältnismäßig
Die Bahn AG will am Donnerstag erstmals ein konkretes Angebot vorlegen. Bahnchef Hartmut Mehdorn bezeichnete die Streiks als unverhältnismäßig und überzogen. Der Tarifstreit werde in einer frühen Phase auf dem Rücken der Kunden ausgetragen. Er sei zudem Folge des Streits zwischen den Gewerkschaften.
Transnet und GDBA warfen Mehdorn daraufhin eine Eskalation der Auseinandersetzung vor. Er versuche zudem von seiner eigenen Untätigkeit abzulenken. Wenn es am Donnerstag in diesem Stil weitergehe, sei ein Scheitern der Verhandlungen nicht ausgeschlossen, hieß es. Die Gewerkschaften würden ihre Aktionen dann „massiv ausweiten.“
Fernverkehr von Warnstreiks beeinträchtigt
Die am Samstag begonnenen Warnstreiks von Transnet und GDBA, die rund 160.000 Bahner vertreten, wurden am Mittwoch in Hamburg und Hannover fortgesetzt. In Hamburg hätten etwa 15 IC-Züge das Betriebswerk Langenfelde nicht verlassen können, sagte ein Sprecher der Bahn-Gewerkschaft Transnet. Dadurch seien unter anderem Verbindungen von Hamburg nach Berlin und nach Köln gestört. Keine Einschränkungen habe es im Verkehr der Hochgeschwindigkeitszüge ICE gegeben.