07.09.2010 · Filmschaffende wie Hannes Jaenicke, Sky Du Mont und Walter Sittler haben längst Wirtschaft und Politik für sich entdeckt. In Talkshows sind sie gerne gesehen: Sie können gut reden, und ihre Botschaften versteht selbst der Dümmste.
Von Jan HauserWas macht der da bloß? Hellbraunes Hemd, die oberen Knöpfe offen, die Ärmel hochgekrempelt: Hannes Jaenicke sitzt an der Seite Maybrit Illners in ihrer ZDF-Talkshow und legt los. Der Schauspieler spricht davon, dass Politiker die Umwelt schützen und den Klimawandel stoppen wollen, aber dies gar nicht können. Wegen des Lobbyismus! Neben ihm sitzen Umweltminister Norbert Röttgen, der Wirtschaftswissenschaftler Hans-Werner Sinn, der Klimaforscher Mojib Latif und eine Umweltaktivistin. Die Politik habe wahnsinnig wenig Spielraum - gegen die „Pharma-Chemie-Auto-Atom-Lobby“, sagt Jaenicke. „Die sind letztendlich gefangen in einem System von unglaublich mächtigen Lobbyisten.“
Da klingt fast eine kleine Verschwörung durch: Von der These, dass Unternehmen die Welt nach ihrem Gutdünken lenken, fehlt nicht viel, um auch zu sagen, dass die ersten Schritte eines Menschen auf dem Mond sich tatsächlich in einem Fernsehstudio abgespielt haben. Oder dass es die Finanzkrise gar nicht gegeben hat. Halt, auch das denkt Hannes Jaenicke. Als Röttgen davon spricht, dass man in einer Finanzmarktkrise am Abgrund stand, entgegnet der Schauspieler: „Behaupten die Banker“.
Jaenickes Mission: Den Klimawandel bekämpfen
Er hätte gar keine Zeit für andere Krisen. Sein Drängen gilt dem Klimawandel. Jaenicke warnt davor, bekämpft ihn und will die Welt retten. Er hat eine Mission und ist damit nicht allein unter den Schauspielern, die politische Talkshows entern. Mit gut gemeinten Nebenprojekten drängen sie auf die öffentliche Bühne. Wie Walter Sittler, der mal Chefarzt in der RTL-Serie „Nikola“ war und nun gegen „Stuttgart 21“ protestiert. Oder schon länger der Film-Fiesling Sky Du Mont, der sich machtvoll gegen die Schulreform der Stadt Hamburg stemmte.
Fast wirken sie wie einst Karlheinz Böhm, der Vater der karitativen Schauspieler: Der „Sissi“-Kaiser rief 1981 mit einer Wette in der Sendung „Wetten, dass. . .?“ zu Spenden für Hungernde in der Sahelzone auf, sammelte 1,7 Millionen Mark und flog damit nach Äthiopien. Kurz darauf gründete er die Hilfsorganisation „Menschen für Menschen“ und kümmerte sich fortan fast ausschließlich um diese.
Die Konsequenz unterscheidet ihn von den heutigen Talkshow-Darstellern: Böhm ließ die Schauspielerei sein. Auch Iris Berben engagiert sich, sie streitet seit Jahren gegen Antisemitismus und für das Existenzrecht Israels.
Schauspieler erregen Aufmerksamkeit
Ihr aller Einsatz kann sinnvoll sein - nur was hat die Schauspieler dazu gebracht, scheinbar privat in den Ring der Polit-Talkshows zu steigen? Die Fernsehmacher suchen ein bekanntes Gesicht abseits der üblichen politischen Verdächtigen. Das soll den Zuschauer veranlassen, während des Schaltens durch die Fernsehprogramme inne zu halten. Die Schauspieler sollen Authentizität vermitteln und einfache Wahrheiten verbreiten.
Jaenicke, der vor einem Dreivierteljahr schon bei „hart aber fair“ im Ersten war, ist abzunehmen, dass ihm das am Herzen liegt, worüber er spricht. Er fing an, in Dokumentationen über Machenschaften mit Orang-Utans, Eisbären und Haien aufzuklären, um zu bewegen. „Ich bin ja auch erst so schlau, seit ich diese Filme drehe“, sagt er. „Vor drei Jahren wusste ich noch nicht, dass ein Handyladegerät Strom zieht, wenn es nur in der Steckdose steckt.“ Ganze Landstriche hat er in Marokko gesehen, an denen sich Plastikmüll am Strand als Küstenlinie sammelt. Seitdem versucht er in seinem Haushalt ohne Kunststoff auszukommen.
„Eine billige Art, Fernsehen zu machen“
Doch der Kampf gegen den Klimawandel ist komplex: Bei Illner im ZDF sagte Wirtschaftsforscher Sinn, dass nur alle Länder gemeinsam den Klimawandel bekämpfen können, dass es einen globalen Emissionshandel braucht. Denn wenn Deutschland weniger Energie verbraucht, senkt dies den Energiepreis; durch diesen niedrigeren Preis kaufen sich wiederum andere Länder wie China mehr Energie - und es wird wieder genauso viel Öl oder Kohle aus der Erde geholt wie zuvor.
Das ist ein kompliziertes Argument für das Talkshow-Format. Jaenicke begibt sich nicht auf das Niveau. „Das Argument verstehe ich gar nicht, weil dann können wir auch gleich in Deutschland die Todesstrafe einführen und das Foltern“, sagt er im Fernsehen. „Weil was China macht, ist für mich kein Vorbild.“
Das passt besser in eine Talkshow. Dabei ist Jaenicke nicht ohne Selbstkritik: „Also einfach ist gar nichts. Ich persönlich werde auch nicht viel bewegen können“, sagt er. Aber irgendwann muss einer anfangen und vorangehen. Sein Auftritt bei Illner war dennoch ein „völlig überflüssiger Abend“, sagt Jaenicke. „Talkshows sind einfach eine billige Art, Fernsehen zu machen.“ Trotzdem wird er bald wieder in den Ring steigen, um für sein Umweltbuch zu werben.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.788,80 | +0,59% |
| FAZ-INDEX | 1.515,08 | +0,60% |
| TecDAX | 773,23 | −0,05% |
| MDAX | 10.356,30 | +0,39% |
| SDAX | 5.020,58 | +1,11% |
| REX | 421,13 | +0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.522,34 | +0,37% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 81,31 | +0,42% |
| Dow Jones | 12.890,50 | +0,05% |
| Nasdaq 100 | 2.563,93 | +0,72% |
| S&P500 | 1.351,95 | +0,15% |
| Nikkei225 | 9.002,24 | −0,15% |
| EUR/USD | 1,3284 | 0,00% |
| Rohöl Brent Crude | 118,35 $ | −0,29% |
| Gold | 1.748,00 $ | +0,11% |
| Bund Future | 137,23 € | −0,37% |