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Tablet-Computer : Vernichtende Kritik an Amazons Kindle Fire

Der Kindle Fire ist mit einem 7-Zoll-Bildschirm zwar deutlich kleiner als das iPad (knapp 10 Zoll), kostet aber auch nur 199 Dollar - 300 Euro weniger als die billigste Version des iPad. Bild: Reuters

Der Preis des Kindle Fire ist heiß, viele Käufer aber zornig: Sie machen ihrem Ärger über Schwächen des Geräts auf der Internetseite von Amazon Luft. Das Unternehmen verspricht Verbesserungen.

          Der Online-Händler Amazon.com hat Anlaufschwierigkeiten in seiner Offensive auf dem Markt für Tabletcomputer: Das Mitte November in Amerika auf den Markt gekommene Tablet „Kindle Fire“ verkauft sich zwar offenbar gut. Viele Kunden sind mit dem Gerät aber unzufrieden und machen ihrem Ärger mit vernichtenden Rezensionen auf der Internetseite von Amazon Luft. Auch von professionellen Warentestern kommen schlechte Kritiken. Amazon will innerhalb der kommenden Wochen Software-Updates herausbringen, die für ein besseres Nutzererlebnis sorgen sollen.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Mit dem Kindle Fire will Amazon dem erfolgreichen iPad von Apple Konkurrenz machen. Amazon-Vorstandsvorsitzender Jeff Bezos hat das Gerät im September auf einer Pressekonferenz in New York vorgestellt und pries es als „Premium-Produkt zu einem Nicht-Premium-Preis“ an. Amazon hat den Preis für den Kindle Fire, der mit einem 7-Zoll-Bildschirm deutlich kleiner ist als das iPad (knapp 10 Zoll), auf 199 Dollar gesetzt. Die billigste Version des iPad kostet 499 Dollar. Bei der Vorstellung im September betrieb Amazon noch viel Geheimhaltung um den Kindle Fire: Das Gerät wurde zwar zur Schau gestellt, aber die Gäste durften es nicht in die Hand nehmen.

          Bislang nur in Amerika erhältlich

          Angesichts des niedrigen Verkaufspreises sahen Analysten den Kindle Fire als einen der ersten wirklich ernst zu nehmenden Herausforderer für das iPad von Apple. Viele andere Konkurrenzprodukte von Unternehmen wie Research in Motion oder Hewlett-Packard waren zuvor erfolglos geblieben. Analysten trauten Amazon zu, noch bis Ende des Jahres 3 bis 5 Millionen Fire-Tablets abzusetzen. Apple hat in seinem jüngsten Quartal 11 Millionen iPads verkauft. Anders als das iPad ist der Kindle Fire bislang nur in Amerika erhältlich.

          Amazon selbst berichtete von Anfang an von einem sehr guten Geschäft mit dem Kindle Fire, ohne dabei aber konkret zu werden. Im Oktober teilte das Unternehmen mit, angesichts des Volumens an Vorbestellungen die geplante Produktion um mehrere Millionen aufzustocken. Kurz nach dem offiziellen Verkaufsstart im November ließ Amazon verlauten, der Kindle Fire sei das meistverkaufte Produkt auf seiner Seite.

          „Furchtbare Erfahrung“

          Viele Käufer eines Kindle Fire sind aber offenbar nicht allzu glücklich: Von den mehr als 4700 Kundenrezensionen, die am Montag auf der Amazon-Seite zu finden waren, hatten rund 600 die niedrigstmögliche Bewertung, also einen von fünf Sternen. Rund 1000 weitere Einträge lagen bei zwei oder drei Sternen. Viele unzufriedenen Nutzer schrieben, sie wollten ihr Fire-Tablet zurückgeben. In einem Eintrag war zu lesen: „Dieses Gerät würde cool herüberkommen, wenn wir im Jahr 2004 wären, aber das sind wir nicht.“ In einer anderen Rezension heißt es: „Meine Erfahrung mit dem Kindle Fire war derart furchtbar, dass ich es für notwendig halte, das mitzuteilen.“

          Zu den häufigsten Kritikpunkten in den Rezensionen gehört die Internetnutzung. Viele Nutzer beschwerten sich darüber, dass es sehr lange dauere, bis Internetseiten geladen würden. Ein oft genannter Schwachpunkt ist auch der berührungsempfindliche Bildschirm, der nach Auffassung einiger Nutzer nicht akkurat sei. Oft ist auch die Rede von einer allgemeinen umständlichen Navigation auf dem Kindle Fire. Beklagt wurde auch, dass das Gerät keinen externen Lautstärkeregler hat. Einige Kunden meinten, dass die Buchlesefunktion beim Kindle Fire nicht so gut sei wie beim spezialisierten digitalen Lesegerät Kindle von Amazon.

          „Eine enttäuschend schlechte Nutzererfahrung“

          Diese Klagen auf der Internetseite von Amazon bestätigte vor wenigen Tagen auch Jakob Nielsen vom Technologieberatungsunternehmen Nielsen Norman Group, das Verbrauchertests mit dem Kindle Fire durchgeführt hat. „Der Kindle Fire bietet eine enttäuschend schlechte Nutzererfahrung“, schrieb er. Auch Nielsen führte als einen der Hauptkritikpunkte an, dass es bei der Nutzung des Geräts leicht zu Eingabefehlern komme.

          Die lautstark geäußerte Unzufriedenheit der Nutzer muss den Verkaufserfolg des Kindle Fire nicht zwangsläufig beeinträchtigen, zumal das Gerät im Preis derart weit unter dem iPad liegt. Nach einem Bericht der „New York Times“ will Amazon in spätestens zwei Wochen ein Software-Update für den Kindle Fire zur Verfügung stellen, mit dem unter anderem die Navigation auf dem Bildschirm verbessert werden soll.

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