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Symbole der Krise Die Zukunft des Investmentbankings

Der Investmentbanker ist schuld an der Wirtschafts- und Finanzkrise. Dazu noch skrupellos, egozentrisch, maßlos und vermutlich überflüssig - jedenfalls in weiten Teilen der öffentlichen Meinung. Das Image ist ruiniert. Doch der Beruf wird gebraucht.

© ddp Vergrößern Schlechtes Image, aber sie werden gebraucht: Banker

Sie sind gehätschelt worden und umworben, von vielen beneidet und von manchem kritisch beäugt, haben gutbezahlte Sonderstellungen genossen. Jetzt sind sie abgestürzt mit der Wirtschafts- und Finanzkrise, sind gar zum Symbol derselben geworden. Der Investmentbanker ist schuld an dem Debakel, dazu noch skrupellos, egozentrisch, maßlos – und vermutlich überflüssig, jedenfalls in weiten Teilen der öffentlichen Meinung. Doch, wie fast immer im Leben, ist nicht alles schwarz oder weiß.

Frank-Holger  Appel Folgen:  

Ihr schlechtes Image hat die Zunft der Investmentbanker einigen Kollegen aus ihren Reihen zu verdanken, die sich zu Beschleunigern einer Spekulationswelle gemacht haben, die ihren Ursprung nicht in den Handelssälen der Banken hatte, sondern in einem amerikanischen Schulterschluss von Politik und Notenbank, der aus den Vereinigten Staaten ein Land der Hausbesitzer machen sollte. Die dadurch entstehenden Kreditpyramiden hätte man wohl sehen können. Sie wollte aber niemand sehen, keine Regierung, keine Finanzaufsicht, kein Wirtschaftsprüfer, kein Anleger und schon gar kein Investmentbanker. Sie verdanken ihr schlechtes Image denjenigen Kollegen, die sich zu Söldnertruppen zusammengeschlossen haben, die eben noch schnell den neuen Jaguar aus dem Bonus bestellen und dann zum nächsten – noch besser bezahlenden – Arbeitgeber wechseln, um auch dort auf der Suche nach der Gehaltsmaximierung nur zwei Jahre zu bleiben.

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Schon vor fünfzehn Jahren undurchsichtige Finanzprodukte

Wer so denkt, lebt gut in einem System, in dem für die vermeintlichen Stars der Szene je nach Geschäftslage Antrittsboni, Erfolgsboni oder Halteboni zur Normalität geworden sind. In dem die Kunst der Kredit- und Risikohebel ebenso perfektioniert wurde wie die, Finanzinstrumente so undurchsichtig wie möglich zu konstruieren, auf dass der Kunde nicht merke, welch großzügige Marge für die Bank abfällt. In der Citigroup etwa wurden schon vor fünfzehn Jahren Chemiker, Mathematiker und Physiker mit der Entwicklung von Finanzprodukten beauftragt, die so kompliziert waren, dass außerhalb dieser mathematisch besonders geschulten Berufsgruppen kaum jemand die Wirkungsketten verstand. In zweiten Adressen wie der Dresdner Bank wurden den Händlern stets die Gewinne der Deutschen Bank oder der UBS als Ziel vorgehalten. Dabei ist das Risiko aus den Augen verloren worden. Letztlich hat dies dazu geführt, dass nicht nur die meisten Kunden die Finanzprodukte in ihren Depots nicht mehr verstanden, sondern auch viele Investmentbanker den Überblick verloren haben. Bis heute sind sie nicht in der Lage, die von ihnen produzierten Risiken ordentlich zu beziffern. Das hätte ihnen niemals passieren dürfen.

Nun schaufeln einige Unverbesserliche weiter an ihrem Imagegrab. Wer jetzt noch Bonus einfordert, obwohl die Abteilung Verlust gemacht hat oder gar die ganze Bank vom Staat am Leben erhalten wird, der hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt und wird zu Recht angegriffen. Das löst nicht nur in der Öffentlichkeit Unverständnis aus, sondern auch intern. Immer werde man benachteiligt, klagen etwa Mitarbeiter aus dem Verbund Dresdner-Commerzbank. Machten die Investmentbanker großen Gewinn, strichen sie hohe Boni ein – und die bonusberechtigten Mitarbeiter in der übrigen Bank nur kleine. Machten die Investmentbanker Verlust, werde der Bonus für alle gestrichen.

Der „normale“ Mitarbeiter wird gebraucht

Der Blick auf die aus dem Rahmen fallenden Saläre und das Benehmen weniger verkennt die Situation vieler „normaler“ Mitarbeiter im Investmentbanking. Sie sind gut entlohnt, jedoch nicht exorbitant. Sie erhalten einige tausend oder auch mal ein paar zehntausend Euro Bonus, aber nicht Millionen. Sie üben ihren anspruchsvollen Beruf anständig und gewissenhaft aus, sind an fairen und langfristigen Kundenbeziehungen interessiert. Sie sind keine Lotto-Spieler, sondern stützen ihre Entscheidungen auf Marktanalysen volkswirtschaftlicher Abteilungen. Ihr Verlust-Spielraum, auch in dem kritisierten Eigenhandel, also dem Einsatz des Geldes der Bank ohne Kundenauftrag, ist gewöhnlich durch tägliche Grenzen und Aufsicht beschränkt. Und vor allem: Ihre Tätigkeit wird gebraucht.

In einer global vernetzten Wirtschaft fließen Devisen, Zinsen, Edelmetalle, Wertpapiere. Konzerne wie Mittelständler sind darauf angewiesen, dass beispielsweise aus einem in drei Monaten erwarteten Zahlungseingang in Dollar sofort eine Zahlung in Euro entsteht. Oder dass sie durch den Tausch einer variabel verzinsten Forderung in eine festverzinsliche eine unsichere Kalkulation in eine sichere wandeln können. Auch vermögende Privatkunden, die sich an einer Firma beteiligen möchten oder eine Finanzanlage jenseits des Festgelds suchen, bauen auf die Expertise der Kapitalmarktspezialisten. Selbst der kleine Mann kommt indirekt mit dem Investmentbanking in Berührung, wenn er einen Zinssatz für seine Baufinanzierung aushandelt, ein Zertifikat kauft, eine Lebensversicherung abschließt oder eine Goldmünze ersteht. Man sollte das Geschäft nicht pauschal verteufeln. Die Exzesse haben (hoffentlich) keine Zukunft. Ein solides Investmentbanking aber schon.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 04.03.2009, 17:52 Uhr

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