Home
http://www.faz.net/-gqe-13r7k
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Suizidserie reißt nicht ab Schon wieder Selbstmord bei France Télécom

29.09.2009 ·  Schon wieder hat sich ein Mitarbeiter des französischen Konzerns France Télécom das Leben genommen. Er stürzte sich von einer Brücke. In einem Abschiedsbrief machte er das Arbeitsklima in dem Konzern verantwortlich. Zuvor hatten schon 23 andere France-Télécom-Mitarbeiter Selbstmord begangen.

Artikel Bilder (1) Video (1) Lesermeinungen (2)

Die Serie von Selbstmorden unter Mitarbeitern des französischen Telekommunikationskonzern France Télécom reißt nicht ab. Ein 51 Jahre alter Beschäftigter in einem Callcenter stürzte sich am Montag bei Annecy von einer Brücke in den Tod. In einem Abschiedsbrief habe der Familienvater das Arbeitsklima in dem Konzern als Motiv für die Tat genannt, berichtete der französische Radiosender France Info.

23 Beschäftigte des Unternehmens nahmen sich in den vergangenen eineinhalb Jahren das Leben. Die Gewerkschaften verurteilen die Konzernführung, weil sie auf der Suche nach Renditemaximierung das Unternehmen ohne Rücksicht auf die Beschäftigten restrukturieren würde. Ein Großteil der französischen Medien nimmt diese Argumentation gerne auf.

In den vergangenen Jahren wurden bei France Télécom zehntausende Stellen gestrichen und tausende Mitarbeiter versetzt. Sogar die Regierung schaltete sich schon ein. Sie forderte die Unternehmensleitung zum Dialog mit den Mitarbeitern auf. Künftig sollen die Betriebsärzte - soweit es die Schweigepflicht erlaubt - psychisch labile Mitarbeiter melden.

Schwerer Konkurrenzdruck

France Télécom steht seit Jahren unter schwerem Konkurrenzdruck. In dem sich rasch wandelnden Telekommunikationsmarkt musste sich der Konzern immer wieder neu erfinden. Der in den neunziger Jahren privatisierte frühere Monopolist hat sich dabei gegenüber den Wettbewerbern gut behauptet. In Frankreich hat France Télécom bei Telefonfestnetzleitungen heute noch einen Marktanteil von 75 Prozent, bei ADSL-Leitungen sind es fast 49 Prozent.

Der notwendige Abbau von rund 60.000 Stellen in Frankreich seit 1996 geschah zum großen Teil unter humanen Bedingungen. 42.000 Mitarbeiter gingen in einen gut dotierten Vorruhestand, wo sie bis zum Rentenalter neben einer Abfindung siebzig Prozent ihres letzten Gehalts und siebzig Prozent der jährlichen Mitarbeiterbeteiligung erhalten. Das ließ sich France Télécom zwischen 1996 und 2006 sieben Milliarden Euro kosten.

Etliche der verbliebenen Mitarbeiter sehnen sich indes nach den Zeiten zurück, als France Télécom keine Wettbewerber hatte. Ein Mitarbeiter in Marseille, der sich im Frühsommer das Leben nahm, war ein Spezialist für die zweite Generation der Mobiltelefone. Doch längst hat die dritte Generation Einzug gehalten. Er sprach in einem Abschiedsbrief vom „Terror der Manager“ und von Arbeitsüberlastung. France Télécom weist darauf hin, dass er wenige Monate zuvor noch eine Gehaltserhöhung erhalten habe.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Die Förderlücke

Von Heike Göbel

Der Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld ist ein Ausweis unbelehrbaren Glaubens an die unbegrenzte Leistungsfähigkeit des Sozialstaates. Dass Eltern ihre Kinder, wie seit Menschengedenken, unbezahlt hüten, ist in Deutschland offenbar nicht mehr denkbar. Mehr 17 37

30.05.2012 14:11 Uhr
  Vortag
Dax 6.321,95 −1,17%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.377,07 −1,23%
Dow Jones 12.580,70 +1,01%
EUR/USD 1,2443 −0,37%
Rohöl Brent Crude 104,94 $ −1,79%
Gold 1.579,50 $ 0,00%
Umfrage

Anonym bewerben? Ist das gut?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.