16.03.2010 · Die ausufernde Staatsverschuldung hat an den Finanzmärkten ein neues Marktsegment geschaffen. Investoren fragen verstärkt Kreditausfallversicherungen auf Industrieländer nach.
Von Markus FrühaufDie ausufernde Staatsverschuldung hat an den Finanzmärkten ein neues Marktsegment geschaffen. Wie die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in ihrem jüngsten Quartalsbericht feststellt, haben die Investoren begonnen, ihre Risiken gegenüber Industrieländern neu zu adjustieren. Dies hat zur Folge, dass der Handel mit Kreditausfallversicherungen auf etablierte Wirtschaftsnationen, zu denen auch die finanzschwachen Euro-Staaten wie Griechenland oder Portugal gezählt werden, sprunghaft gestiegen ist.
Vor Jahren hatten die Investoren ihre Positionen in Staatsanleihen nur gegenüber Schwellenländern abgesichert. Doch nach oben schießende Haushaltsdefizite, die eine Folge der Bankenrettungs- und Konjunkturpakete sind, haben den Absicherungsbedarf von Banken, Versicherern und Fonds inzwischen auch gegenüber reifen Volkswirtschaften deutlich erhöht.
Das Volumen an Credit Default Swaps (CDS), die das Risiko eines staatlichen Zahlungsausfalls absichern, ist in den vergangenen zwölf Monaten deutlich gestiegen. Nach Angaben des amerikanischen Abwicklungshauses Deposit Trust & Clearing Corp. (DTCC), die als zentrale Datensammelstelle für den CDS-Markt dient, hat das Volumen an CDS-Kontrakten auf Staaten inzwischen 2,2 Billionen Dollar erreicht. Binnen Jahresfrist ist dies ein Anstieg von 30 Prozent. Dafür gibt es eine einfache Erklärung: Das Bedürfnis der Investoren nach einem Ausfallschutz gegenüber verschuldeten Staaten hat deutlich zugenommen.
Die stärkere Nachfrage nach Kreditausfallversicherungen gegenüber Industrieländern zeigt, dass sie in den Augen der Investoren nicht mehr als absolut ausfallsicher gelten. Besonders fällt diese Entwicklung bei den finanzschwachen Euro-Ländern auf: Das Volumen an Kreditausfallderivaten auf Griechenland hat sich gegenüber dem Vorjahreszeitpunkt auf 80 Milliarden Dollar verdoppelt. Ähnlich hoch fällt der Anstieg für Portugal aus. Im Umlauf befinden sich CDS über 56 Milliarden Dollar. Doch diese Bruttovolumina überzeichnen die über CDS versicherten Schadensummen und sind eher als Indikator für die Handelsaktivitäten geeignet. Viele CDS-Händler verkaufen und kaufen gleichzeitig Versicherungsschutz, so dass sich eine Vielzahl der Positionen gegenseitig kompensieren. Im Falle Griechenlands sind Forderungen über 9 Milliarden Dollar mit Hilfe von CDS versichert. Das sind 2 Prozent der im Umlauf befindlichen Staatsanleihen.
Nach Daten von JP Morgan, die amerikanische Bank dominiert neben Goldman Sachs, Deutscher Bank, Morgan Stanley und Barclays den CDS-Handel, ist Italien der staatliche Schuldner, von dem mit 26 Milliarden Dollar die höchste Schadensumme abgesichert ist. Dahinter folgt Spanien mit 15,6 Milliarden Dollar. Im Verhältnis zu ihren ausstehenden Schuldtiteln liegen beide Länder unter den 2 Prozent, auf die Griechenland kommt. In dieser Kennziffer liegen Portugal und Irland vorn, aber auch sie erreichen nicht mehr als 5 Prozent.
Angesichts dieser Größenverhältnisse erscheint der Vorwurf, Spekulanten trieben am CDS-Markt Staaten in die Zahlungsunfähigkeit, etwas überzogen. Gewiss nutzen Hedge-Fonds, wie im Fall von Griechenland geschehen, den CDS-Markt aus, um auf Entwicklungen zu wetten. Diese Wette ist in der griechischen Schuldenkrise aufgegangen: Kostete der CDS im Oktober 2009 noch rund 120 Basispunkte, waren es im Februar in der Spitze schon mehr als 420 Basispunkte. Die Absicherung einer Forderung von 1 Million Euro gegenüber Griechenland erforderte damals eine jährliche Prämie von 42000 Euro. Der Einsatz hatte sich mehr als verdreifacht. Doch der Anstieg der Risikoprämie auf Griechenland erfolgte in einem Zeitraum, in dem die Schuldenkrise des Landes eskalierte. Entsprechend waren die Kursverluste bei den Staatsanleihen. Allerdings kann am CDS-Markt auf Zahlungsschwierigkeiten eines Landes mit einem deutlich geringeren Kapitaleinsatz spekuliert werden. Für entsprechende Positionen am Anleihemarkt müsste erheblich mehr Kapital aufgebracht werden.
Ein weiteres Problem ist die Intransparenz des Marktes. Die CDS-Kontrakte werden im unregulierten Bereich unter Marktteilnehmern gehandelt. So bleibt unklar, wer Versicherungsschutz kauft und wer ihn verkauft. Ein Handel über regulierte Börsenplätze würde hier sicherlich mehr Transparenz schaffen. Trotzdem liegt die wesentliche Ursache für den Anstieg der Kreditausfallversicherungen in der kritischeren Bewertung der Forderungen gegenüber Industrieländern. Würden diese solide und tragfähige Haushaltszahlen aufweisen, wäre der Absicherungsbedarf der Investoren deutlich geringer.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3233 | −0,04% |
| Rohöl Brent Crude | 118,21 $ | +0,26% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |