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Subprime-Hypotheken Börsenaufsicht SEC verklagt Goldman Sachs

17.04.2010 ·  Die amerikanische Börsenaufsicht beschuldigt Goldman Sachs des Betrugs. In Reaktion darauf gerieten die Aktien der Großbank, aber auch die Notierungen an den Weltbörsen unter Druck. Goldman Sachs bezeichnet die Anschuldigungen als „völlig unbegründet“.

Von Norbert Kuls und Gerald Braunberger
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Die amerikanische Börsenaufsicht SEC hat die Bank Goldman Sachs am Freitag wegen Wertpapierbetrugs verklagt. Die Behörde wirft der Bank vor, ihren Investoren wichtige Informationen über ein komplexes Produkt in Zusammenhang mit zweitklassigen, sogenannten Subprime-Hypotheken vorenthalten zu haben, als der amerikanische Häusermarkt zu wanken begann.

Berichte über mögliche Interessenkonflikte der Bank waren bereits in den vergangenen Monaten zirkuliert. Dem Institut wurde vorgeworfen, auf fallende Häuserpreise spekuliert zu haben, während Kunden mit den vom Häusermarkt abhängenden Finanzprodukten der Bank hohe Verluste machten. Die Klage der SEC gegen die führende und einflussreichste Bank der Wall Street ist der erste Vorstoß der Behörde gegen Methoden bei der Vermarktung derartiger Produkte.

Unter den Opfern ist der Anklageschrift zufolge auch die gestrauchelte deutsche Mittelstandsbank IKB. Alleine sie soll fast 150 Millionen Dollar verloren haben.

Goldman Sachs widerspricht den Vorwürfen

In der Klage wird auch der Goldman-Manager Fabrice Tourre genannt, der für die Konstruktion und den Vertrieb des Produkts verantwortlich war. Goldman Sachs wies die Klage der SEC in einer knappen Stellungnahme zurück. Die Vorwürfe entsprächen nicht den Tatsachen. Die Bank werde sich vehement dagegen wehren, um ihren Ruf zu verteidigen.

Der Vorstandschef von Goldman Sachs, Lloyd Blankfein, hatte erst Anfang April in einem Brief an die Aktionäre diese Vorwürfe zurückgewiesen. Der Aktienkurs von Goldman Sachs brach am Freitag nach Bekanntwerden der Klage um zeitweise bis zu 15 Prozent ein; die Kosten für Kreditversicherungen (CDS) auf Papiere der Bank verteuerten sich deutlich.

Hedge-Fonds Paulson & Co profitierte von dem Konstrukt

Nach Angaben der SEC hatte Goldman eine komplexe Anleihe, eine sogenannte Collateralized Debt Obligation (CDO), konstruiert und vertrieben, deren Entwicklung von zweitklassigen Hypothekenanleihen abhing. Die SEC wirft Goldman nun vor, Anlegern vorenthalten zu haben, dass der einflussreiche Hedge-Fonds Paulson & Co. Goldman mit der Konstruktion des CDO mit dem Namen Abacus 2007-AC1 beauftragt hatte und bei der Auswahl der Anleihen involviert war. Paulson & Co. profitierte vom Wertverlust bestimmter Anleihen in dem komplexen Produkt, weil er gleichzeitig darauf Kreditversicherungen abgeschlossen hatte. Der Wert der Versicherungen steigt, wenn Ausfälle drohen. Daher habe Paulson nach Einschätzung der Behörden ein Interesse daran gehabt, besonders gefährdete Hypothekenanleihen auszuwählen. Diese Informationen habe Goldman Sachs allerdings nicht veröffentlicht. Anlegern sei nur mitgeteilt worden, dass eine unabhängige Analysegesellschaft mit dem Namen ACA Management für die Auswahl der Anleihen verantwortlich war.

Der Gründer von Paulson & Co., John Paulson, war von zwei Jahren mit den Wetten auf fallende Häuserpreise bekannt geworden. Er hatte damit 3,7 Milliarden Dollar verdient. Auch Goldman hatte früh auf fallende Häuserpreise gesetzt und damit die Verluste von Konkurrenten während der Finanzkrise vermieden. Kunden von Goldman, die sich nicht abgesichert hatten, verloren jedoch Milliardensummen. „Das Produkt war neu und komplex, aber der Betrug und die Konflikte sind alt und einfach“, sagte der Chef der Strafverfolgungsabteilung der SEC, Robert Khuzami.

Der amerikanische Häusermarkt, Subprime-Hypotheken und die von Investmentbanken aufgelegten komplexen CDO-Papiere standen im Zentrum der jüngsten Finanzkrise. Nach Angaben der SEC laufen auch Ermittlungen gegen andere Investmentbanken, die bei der Verbriefung von Hypotheken engagiert waren. Goldman Sachs hatte in den vergangenen Monaten auch wegen anderer Geschäfte in der Kritik gestanden. Die Bank wurde unter anderem wegen ihrer engen Verbindungen in die Politik kritisiert. Es wurde unterstellt, dass Goldman, deren früherer Vorstandschef Henry Paulson Finanzminister war, die Bank bei den Rettungsaktionen während der Krise bevorzugt hat.

Bankaktien geraten weltweit unter Druck

Auf die Nachricht von der Anklage gaben vor allem die Kurse von Aktien und Rohstoffen nach. Besonders betroffen waren amerikanische und europäische Bankaktien. Deutsche Bank waren mit einer Einbuße von 7,3 Prozent auf 55,97 Euro Tagesverlierer im Dax, der 1,8 Prozent auf 6180,90 Punkte nachgab. In den Kursrückgängen der Banken spiegelt sich die Furcht der Börse vor weiteren Anklagen. Außerdem vermutet man an den Märkten, dass die Anklage gegen Goldman Sachs die Bestrebungen der Politik nach einer stärkeren Regulierung der Finanzbranche unterstützen könnte.

Goldman Sachs zählt daneben zu den wichtigsten Finanzinvestoren in der Rohstoffbranche. Der Preis für eine Unze Gold (31 Gramm) ermäßigte sich um 1,9 Prozent auf 1137,10 Dollar. Ein Barrel (159 Liter) texanisches Leichtöl der Marke WTI kostete mit 83,26 Dollar immerhin 2,6 Prozent weniger als am Vortag.

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