23.06.2012 · Elf Universitäten haben gerade Exzellenzstatus erhalten, auch die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). Die Studenten lehnen die Exzellenzinitiative dennoch ab. Ein Gespräch mit der Geschäftsführerin der Studierendenvertretung der LMU.
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linke StudentInnenvertretung bemängelt mangelndes Dies oder mangelndes Jenes. Wirklich, wer konnte das nur ahnen?
Mich würden die Kriterien interessieren,....
an welchen die Hochschulen gemessen werden. An den Forschungsergebnissen
oder am Output von berufsfähigen Hochschulabsolventen.
Als einer, der auf seine alten Tage auch Studenten noch Nachhilfe in
Mathe gibt, muß ich feststellen, daß es speziell in den
naturwissenschaftlichen Fächern leider noch viel zu viele
Lehrkörper gibt, deren Lehrprogramme und deren Präsentation
unter aller... ist.
So wurde mir von einer Professorein in Mathematik erzählt, die
besonders stolz ist auf ihre neue Art der Mathepräsentation ist.
Ergebnis: 70% der Studenten bestehen die Klausur nicht.
Es hat schon etwas bizarres: In unserer Obrigkeitsgläubigkeit
versuchen wir, "Eliteuniversitäten" per Gesetz zu
erschaffen, die in der internationalen Realität als solche
keinesfalls wahrgenommen werden. Denn gerade wenn man sich die
anglo-amerikanischen Vorbilder Oxford und Harvard anschaut wird man
erkennen, dass es gerade auch ein besonderer Aufwand in der Lehre ist
(z.B. das Tutoriensystem in Oxford), der die Exzellenz einer Uni
ausmacht, und nicht die Durchführung eines beliebigen aus
Bundesmitteln geförderten Forschungsprojekts.
Hinzu tritt, dass das Konzept von "offiziellen" Eliteunis in
das System des Bildungsföderalismus einfach nicht recht passen
will. Unsere Unis stehen bereits im Wettbewerb um die besten
Abiturienten und haben gewissen Schwerpunkte für bestimmte
Fächer entwickelt. Es hilft auch nichts, das Bildungssystem in eine
gesamteuropäische Schablone zu pressen, die auf keines der 27
Systeme gemünzt ist. Was hier hilft sind allein Mehrinvestitionen
in die Lehre!
Systematische Förderung von Lehrfaulheit
Die Analyse ist im Ergebnis richtig, im Befund allerdings zu einseitig
und streckenweise zu zurückhaltend. Bei den
"Spitzenforschern", die von der Lehre befreit sind, handelt es
sich meist um ganz reguläre Professoren in den Kernbereichen ihrer
Fachgruppe. Und diese Befreiung tritt nicht im Einzelfall ein, sondern
wird systematisch betrieben. Im Ergebnis fällt die notwendige Lehre
entweder aus, oder sie wird von mehr oder weniger qualifizierten
Vertretern getragen, die aber für Abschlussprüfungen nicht zur
Verfügung stehen.
Aus Sicht der Professoren stellt sich die Sache noch dramatischer dar:
An qualitativ hochwertiger Lehre ist an der LMU und andernorts niemand
mehr ernsthaft interessiert. Renommee bringt das Einwerben von
Drittmitteln, nicht die Ausbildung des Nachwuchses. Wer mit dieser
einseitigen Fokussierung aber Erfolg hat, erhält zum Dank
Freisemester, ist die "lästige" Lehre also endgültig
los. Das System fördert im extremen Maße lehrfaule Professoren.
Selbstbestimmtes Lernen = Studieren im Diplomstudiengang
Die sympathisch wirkende junge Dame hat den Kern des Problems erkannt, aber wegen ihrer Jugend weiß sie vermutlich nicht, daß das Ideal des "selbstbestimmten Lernens" in den Diplomstudiengängen, die von der politischen Leistungselite mit perverser Konsequenz vernichtet wurden, durchaus verwirklicht war. "Bologna" bedeutet Bildungsplanwirtschaft, das ist des Pudels Kern. Modulhandbücher, Akkreditierungen und der ganze restliche Schrott sind für die Apparatschiks gemacht, nicht für die Studenten. Man gönne den Professoren mehr akademische (Lehr-)Freiheit, fertig ist die Laube.
Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 25.06.2012 01:16 Uhrso einfach ist es nicht, Herr Haber.
Das Bachelor-Master-System hat durchaus seine Vorteile. Da ich beides
gemacht habe (Vordiplom dann Wechsel auf Bacherlor/Mater) kenne ich
beides. Der grosse Vorteil des neuen Systems ist die eigene
Zusammenstellung was auf das Studium angerechnet wird und was nicht. Und
Studenten haben ein sehr feines Gespür dafür, wo sie etwas
sinnvolles lernen was ihnen im Leben hilft und wo ein unmotivierter
alter Professor seit 20 Jahren die selbe schlechte Vorlesung hält.
Abstimmung nach Füssen, funktioniert ausgezeichnet und ist
hochnotpeinlich für manch einen als schlechten Dozenten - warum
sollen schliesslich nur die Studenten unter Konkurrenzdruck stehen,
nicht die Lehrenden?
Ohne Masterstudiengang hätte ich als Chemiker nie Medizintechnik
als Nebenfach gemacht - heute arbeite ich bei einem Hersteller von
Hüftgelenken. Selbstbestimmtes Lernen hat mit Diplom oder Master
nichts zu tun sondern mit der richtigen Einstellung.
Bachelor und Master: Lernen nach Stechuhr
Nachdem die Studierenden exakt wissen, wie viele Stunden (besser: wie
wenige) sie pro Semester arbeiten müssen (oder heißt es:
dürfen?), ist es aus mit selbstbestimmtem Lernen und Wahlfreiheit.
Die Autorin malt ein stark idealisiertes Studierendenbild aus der Zeit
des Diploms. Es geht den Studierenden in der Regel nicht um das Erwerben
von Wissen oder Kompetenzen für ihr Berufsleben, sondern um den Weg
des geringsten Widerstandes zur geforderten Kreditpunkt-Zahl. Die
Nachhaltigkeit des Wissenserwerbs ist völlig unwichtig geworden,
das Einfordern von Kreditpunkten für jeden Pups steht im
Vordergrund. Sie bieten einen Gastvortrag an? Schön, aber wieviele
Punkte bekomme ich dafür? Freie Teilnahme an einer Fachtagung haben
Sie organisiert? Toll, aber wieviele Punkte bekomme ich dafür?
Die "Bildungsplanwirtschaft" hat über die deutsche
Interpretation des Bolognaprozesses die Nachhaltigkeit der Lehre
nachhaltig zerstört.
Gentests machen Aussagen über das Risiko künftiger Krankheiten. Wollen Sie Ihr Risiko kennen?
Sollen Ein- und Zwei-Cent-Münzen abgeschafft werden?
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Soll die Selbstanzeige für Steuerhinterzieher abgeschafft werden?