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Studiengebühren Privathochschulen machen gute Erfahrungen mit Studiengebühren

04.08.2004 ·  Während die Debatte über Studiengebühren an öffentlichen Hochschulen andauert, zeigen Erfahrungen privater Anbieter, daß die Beiträge die Studienqualität deutlich steigern.

Von Christian Geinitz, Berlin
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In der Debatte um eine bessere Hochschulfinanzierung sprechen sich auch die privaten Hochschulen für die Einführung von Studiengebühren aus. Die Erfahrung der nichtöffentlichen Anbieter zeige, daß die Beiträge die Studienqualität deutlich steigerten, sagt Professor Richard Merk, Vorstandsmitglied im Verband der Privaten Hochschulen. Das gelte für die Leistungen der Studenten genauso wie für die der Bildungseinrichtungen. "Die Gebühren zwingen die Hochschulen zu Qualität, weil sie in einen Wettbewerb um zahlende Kunden eintreten - ihre Studenten."

Andererseits ermunterten die Gebühren die Studenten zu Leistung und brächten ihnen den Wert von Bildung näher. "Unsere Studenten wissen, daß Studiengebühren nichts anderes sind als eine Investition in ihre eigene Zukunft, die sich doppelt und dreifach auszahlt." In privaten Hochschulen brauchten die Studenten für einen Diplomstudiengang nur drei Jahre, an staatlichen Einrichtungen 5,5 bis sechs Jahre. Die Abbrecherquote betrage bei den Privaten 5 Prozent, bei den Staatlichen mehr als das Dreifache.

Vorbild Amerika

Das Deutsche Studentenwerk (DSW) wies die Forderungen nach Studiengebühren zurück. Junge Absolventen drohten in eine "Schuldenfalle" zu geraten, wenn das von Teilen der CDU vorgeschlagene Modell von 500 Euro Gebühren im Semester verwirklicht würde, sagte DSW-Präsident Hans-Dieter Rinkens. Empfänger der staatlichen Bafög-Zahlungen stünden am Ende ihres Studiums mit einer Darlehensschuld von 21 000 Euro da, seien "bei keiner Bank mehr kreditwürdig" und könnten sich deshalb keine selbständige Existenz aufbauen. Merk konterte, die Absolventen der privaten Hochschulen zahlten bereits nach wenigen Jahren ihre Kredite zurück. Es gebe praktisch keine Zahlungsausfälle oder Karriereverzögerungen.

Auch hätten die bestehende Gebührenfreiheit und das Bafög gerade nicht dazu geführt, daß Kinder aus sozial schwächeren Familien häufiger eine Hochschule besuchten. An den meisten privaten Hochschulen könne hingegen jeder ein Darlehen oder ein Stipendium erhalten. Für die Zulassung seien allein Leistung und Motivation ausschlaggebend, nicht die Herkunft. Nach dem Vorbild Amerika sollte man auch in Deutschland ein derart "sozial gerechtes Finanzierungssystem einführen", sagt Merk, der zugleich Geschäftsführer der Fachhochschule des Mittelstands in Bielefeld ist.

„Gerechte und für jeden Absolventen tragbare Lösung“

Das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) der Hochschulrektorenkonferenz und der Bertelsmann-Stiftung bestätigt diese Einschätzung. Nach der Einführung eines Darlehenssystems sei in Australien die Zahl der "ärmeren Studenten" stark gestiegen, sagt der CHE-Projektleiter für Hochschulfinanzierung, Professor Frank Ziegele. Sollte das Bundesverfassungsgericht das Gebührenverbot aufheben, wäre das einkommensabhängige Rückzahlungsmodell von Studiendarlehen "eine gerechte und für jeden Absolventen tragbare Lösung".

In dem erst zu Jahresbeginn gegründeten Verband der Privaten Hochschulen sind 30 der 60 privaten deutschen Hochschulen organisiert. Sie nehmen Studiengebühren von 1800 Euro an im Semester. An allen Einrichtungen zusammen studieren höchsten 5 Prozent aller deutschen Hochschüler. Unter den Verbandsmitgliedern finden sich namhafte Wirtschaftslehranstalten wie die Europäische Wirtschaftshochschule ESCP-EAP in Berlin, die European Business School EBS in Oestrich-Winkel oder die Hochschule für Bankwirtschaft HfB in Frankfurt. Letztere nimmt 4700 Euro Studiengebühren im Semester.

„Gebühren schrecken niemanden ab“

Ein BWL-Student kann dafür vom HfB-Förderverein ein zinsloses Darlehen bekommen, das sich bis zum Studienabschluß auf etwa 28 000 Euro summiert. "Da unsere Leute in gute Positionen kommen, haben die meisten das nach zwei, drei Jahren zurückgezahlt und sind mit spätestens 27 schuldenfrei", sagt HfB-Sprecherin Angelika Werner. Bei Härtefällen könne die Zurückzahlung gestreckt werden. "Unsere Bewerberzahlen sind gut, offenbar schrecken die Gebühren niemanden ab, solange wir dafür eine exzellente Ausbildung bieten."

Wie gut das Lehrangebot der privaten Wirtschaftsschmieden ist, hat eine Absolventenbefragung des F.A.Z.-Hochschulanzeigers ermittelt. Dafür wurden rund 3700 ehemalige Wirtschaftsstudenten an 21 privaten Hochschulen um Auskunft gebeten. Als Ergebnis zeigt sich, daß die Hochschulen ihre Studenten offenbar marktgerecht ausbilden: Fast jeder fünfte übernimmt schon im ersten Berufsjahr Budget- und Personalverantwortung, vor allem im Bank- und Beraterwesen. Zu den Einkommen schreiben die Autoren Hans-Martin Barthold und Sascha Spoun, die "besten Renditen für die aufzubringenden Studiengebühren" böten unter den privaten Hochschulen die wissenschaftlichen Einrichtungen.

75 Prozent bekommen mit dem Diplom einen Vertrag

Ein Drittel ihrer Absolventen erziele Einstiegsgehälter von 50 000 Euro und mehr im Jahr. An der Handelshochschule Leipzig (HHL) und an der Wissenschaftlichen Hochschule für Unternehmensführung (WHU) in Koblenz sei es sogar mehr als die Hälfte; an den Fachhochschulen hingegen - mit Ausnahme der HfB - nur ein Zehntel. Den Angaben zufolge läuft die "Amortisation des in Form von Studiengebühren eingesetzten Geldes" überdurchschnittlich schnell. Nicht einmal jeder zehnte Absolvent muß länger als drei Monate auf eine Anstellung warten, 75 Prozent bekommen schon mit dem Diplom einen Vertrag, fast immer für eine dauerhafte Vollzeitstelle.

Die Untersuchung leidet darunter, daß sie keinen Vergleich zu Absolventen staatlicher gebührenfreier Universitäten ziehen kann, was mit dem "fehlenden Zugang zu ihren Ehemaligen" erklärt wird. Möglich sei aber die Gegenüberstellung mit der öffentlichen Schweizer Universität St. Gallen, Hochschule für Wirtschafts-, Rechts- und Sozialwissenschaften (HSG), an der mehr als 600 Deutsche studieren. Hier liege die Erwerbsquote wenige Monate nach Studienabschluß ebenfalls bei mehr als 90 Prozent. Das durchschnittliche Einstiegsgehalt betrage 57 000 Euro im Jahr. Doch auch diese lukrativen Aussichten sind nicht zum Nulltarif zu bekommen: Das "Kolleggeld" beträgt 540 Euro im Semester für Einheimische und 640 für Ausländer.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.08.2004, Nr. 180 / Seite 12
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Jahrgang 1968, Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Peking.

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