31.01.2005 · Gebühren, Spenden, Unternehmertum: Wie sich private Hochschulen in Deutschland finanzieren. Hier werden Studiengebühren als „eine Investition in die eigene Zukunft“ gesehen.
Sie wollen es den amerikanischen und britischen Eliteuniversitäten gleichtun. Deutsche Privathochschulen umwerben die Begabtesten, locken mit hervorragenden Studienbedingungen - und verlangen dafür Gebühren.
Trotzdem studieren nicht nur die Kinder der Reichen an den elitären Schulen.
Acht Prozent vom Einkommen
Die Universität Witten/Herdecke nahm 1983 mit 20 Studenten ihren Studienbetrieb auf. Nur ein Fach war im Angebot: Medizin. Heute hat Witten/Herdecke fünf Fakultäten und knapp 1.200 Studenten. Ein Vollstudium kostet rund 15.000 Euro. Die Universität bietet drei Modelle an, wie Studenten ihr Studium finanzieren können.
Wer es sich leisten kann, zahlt monatlich seine Gebühren. Für Medizin wären das 253,09 Euro. Etwa 40 Prozent der Studenten wählen diesen Weg. Noch mal 40 Prozent entscheiden sich für den umgekehrten Generationenvertrag, die einkommensabhängige Späterzahlung. Sobald Absolventen eine bestimmte Einkommensgrenze erreicht haben, zahlen sie acht Jahre lang acht Prozent ihres Einkommens zurück. Wer viel verdient, zahlt also mehr, als die Studiengebühren gekostet hätten. Die Obergrenze liegt aber bei 30.000 Euro. Einen Mittelweg gibt es auch noch: die eine Hälfte der Gebühren gleich zahlen, die andere später. Dann werden acht Jahre lang vier Prozent des Einkommens fällig.
Im Geschäftsjahr 2003/2004 hatte Witten/Herdecke Erträge von 29,3 Millionen Euro. Dem standen Aufwendungen von 28,3 Millionen Euro gegenüber. Das war nicht immer so. Noch im Geschäftsjahr 2002/2003 hatte die Universität ein Haushaltsloch von einer Million Euro. Im jüngsten Haushalt kam ein Drittel der Erträge aus Spenden, Stiftungen und von Sponsoren - nur sieben Prozent aus Studiengebühren. 14 Prozent waren Fördermittel des Landes Nordrhein-Westfalen. 19 Prozent konnte die uni-eigene Zahnklinik beisteuern, Drittmittel machten 12 Prozent des Etats aus, sonstige Erträge, etwa aus Fortbildungsangeboten der Uni, 18 Prozent.
Öffentliche Mittel, Spenden und Studiengebühren
Die International University Bremen (IUB) startete 2001 den Lehrbetrieb. Heute sind 804 Studenten aus 80 Ländern eingeschrieben, knapp 80 Prozent kommen aus dem Ausland. Ein Bachelor-Studium kostet 15.000 Euro im Jahr. Dazu kommen noch 440 Euro im Monat für Unterkunft und Verpflegung auf dem Campus. Studenten, die das nicht bezahlen können, haben verschiedene Möglichkeiten: Teil- oder Vollstipendien, Darlehen oder bezahlte Arbeiten auf dem Campus.
Zwei Drittel der Studenten erhalten Stipendien. „Man kämpft weltweit um die besten Köpfe und macht den jungen Leuten ein Angebot“, sagt Ulf Hansen, Director Resource Development. Die Studiengebühren decken 20 Prozent der laufenden Kosten. „Die Universität ruht auf fünf Säulen“, sagt Hansen. Die wichtigste Säule ist die Rendite aus dem Kapitalstock der Hochschule. Das Land Bremen hatte eine Anschubfinanzierung von 110 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus hat die Universität 60 Millionen an privaten Mitteln eingeworben. Angestrebt wird ein Kapitalstock von 250 Millionen. Die zweite Finanzsäule sind Spenden, die dritte Studiengebühren.
„Eine Investition in die eigene Zukunft“
Ein Jahr vor der IUB nahm die Bucerius Law School in Hamburg ihren Betrieb auf. Rund 480 junge Leute studieren hier Jura. In zwölf Trimestern schaffen sie es zum ersten Staatsexamen. Kostenpunkt: 36.000 Euro. Wer Bafög-berechtigt ist bekommt die Hälfte der Gebühren erlassen. Zusätzlich gibt es zwei Finanzierungsmodelle. Das eine ist der umgekehrte Generationenvertrag aus Witten/Herdecke, das andere ein Darlehen der Hamburger Sparkasse.
Spätestens fünf Jahre nach dem Abschluß müssen die Absolventen mit der Rückzahlung des Kredits beginnen. Die Anschubfinanzierung kam von der Zeit-Stiftung „Ebelin und Gerd Bucerius“. Noch macht das Geld der Stiftung 63 Prozent des Etats aus, der 2004 bei 9,5 Millionen Euro lag. Geschäftsführer Markus Baumanns plant langfristig, den Etat zu je einem Drittel aus Stiftungsgeld, Spenden von Absolventen und Förderern und Gebühren aufzustellen.
Auch die European Business School (EBS) in Oestrich-Winkel ist auf ein Fach spezialisiert, und zwar auf eines, das Sponsoren wie Banken überzeugt: Betriebswirtschaftslehre. Hier decken die Gebühren zwei Drittel des 13-Millionen-Etats. 4.950 Euro kostet das Semester. „Das ist eine Investition in die eigene Zukunft“, sagt Lutz Johanning, Prorektor für die Vollzeitprogramme.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2465 | −0,19% |
| Rohöl Brent Crude | 106,29 $ | −0,52% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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