09.02.2005 · Die Arbeitgeber befürworten einen Umbau der Studienfinanzierung. Jeder solle eine staatliche Ausbildungshilfe und ein zinsgünstiges Darlehen erhalten - anstelle von Kindergeld, BaföG und Ausbildungsfreibetrag.
Zur sozialen Abfederung von Studiengebühren haben die Arbeitgeber ein Kombimodell aus Beihilfen und Krediten vorgeschlagen. Es besteht aus einem staatlichen Ausbildungsbudget in Höhe von 15.000 Euro und einem für allen Studierenden zugänglichen Darlehen von maximal 35.600 Euro.
Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt sagte am Mittwoch in Berlin, alle anderen Vorschläge wie höheres Bafög oder mehr Stipendien der Wirtschaft seien zur sozialverträglichen Absicherung ungeeignet. Hundt sagte, das von Studenten nicht zurückzuzahlende Budget solle die bisherigen Transferzahlungen Kindergeld und Ausbildungsfreibeträge ersetzen und zugleich die staatliche Ausbildungsförderung (Bafög) ablösen. Die Finanzierung sei damit für die öffentliche Hand kostenneutral.
Die KfW soll´s stemmen
Das Darlehen könne zur Finanzierung des Lebensunterhalts wie auch der Studienbeiträge in Anspruch genommen werden. „Als Kreditgeber schlage ich die Kreditanstalt für Wiederaufbau vor, die einheitliche Kreditkonditionen ohne Risikoprüfung gewährleisten kann“, sagte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Arbeitgeberverbände. Die KfW hat dafür mittlerweile konkrete Vorstellungen entwickelt und der Öffentlichkeit vorgestellt.
Um den Zinssatz möglichst niedrig zu halten, favorisiert Hundt staatliche Bürgschaften für Ausfall- und Zinsrisiken. Er hält Ausbildungsbudget und Darlehen zur finanziellen Absicherung der Studenten für ausreichend: Wegen der Gebühren und der flächendeckenden Umstellung auf den Bachelor als Regelabschluß würden sich die Studienzeiten deutlich verkürzen. „Konzentriert beispielsweise ein Studierender die Mittel aus Ausbildungsbudget und Darlehen auf ein dreijähriges Bachelor-Studium, dann stehen ihm nach unserem Modell maximal 834 Euro pro Monat allein für den Lebensunterhalt zur Verfügung“, erklärte Hundt. Das sei deutlich mehr als der heutige Bafög-Höchstsatz plus Kindergeld. Realistisch seien Darlehen in Höhe von 15.000 bis 20.000 Euro, die durch variable Tilgungszeiten von bis zu zehn Jahren dem künftigen Einkommen angepaßt werden könnten.
„Ein einziger Ruf nach dem Staat“
SPD-Bildungsexperte Jörg Tauß kritisierte, die Arbeitgeber forderten Hochschulfinanzierung auf Kosten von Familien und bedürftigen Studenten. Das Modell sei unsozial und familienfeindlich. „Es ist ein einziger Ruf nach dem Staat, auf Steuerzahlers Kosten Studiengebühren sozial abzufedern.“ Der Präsident des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft, Mario Ohoven, forderte, das Ausbildungsbudget müsse an regelmäßige Leistungsnachweise gekoppelt werden. Die Umstellung auf den Bachelor nannte Ohoven einen Irrweg. Die Qualität der Abschlüsse dürfe nicht auf „Schmalspurniveau“ reduziert werden.
Die Einführung von Studiengebühren hat nach Ansicht des Gütersloher Centrums für Hochschulentwicklung wesentlich undramatischere Auswirkungen als befürchtet. Bei Gebühren von 500 Euro pro Semester beliefe sich die Summe bei einer Studiendauer von zehn Semestern auf 5.000 Euro - „wahrlich kein Schuldenberg, der Absolventen in Verzweiflung stürzen muß“, schreibt der Leiter Detlef Müller-Böling in der Wochenzeitung „Die Zeit“.
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