http://www.faz.net/-gqe-93nuw

Kohleausstieg : Versorgungssicherheit laut Studie nicht gefährdet

  • Aktualisiert am

Das Braunkohlekraftwerk Neurath am 06.11.2017 in Hoeningen (Nordrhein-Westfalen) Bild: dpa

Die Grünen wollen das Ende der Braunkohle, Union und FDP warnen vor Energieengpässen. Nun bringt eine Studie Licht ins Dunkle der Auseinandersetzung. Was passiert, wenn die 20 ältesten Braunkohlekraftwerke abgeschaltet werden?

          Das Abschalten der 20 ältesten Braunkohlekraftwerke würde einer Studie zufolge die Stromversorgung in Deutschland nicht gefährden. Das ergibt eine Analyse der Denkfabrik Agora Energiewende. „Mit dem Abschalten der Kohlekraftwerke würde sich Deutschland nicht von Stromimporten abhängig machen. Es müsste lediglich seine Stromexporte reduzieren“, sagte Agora-Direktor Patrick Graichen der „Bild“-Zeitung.

          Graichen reagierte damit auf Kritik von FDP und Union, die in den Sondierungsverhandlungen für eine Jamaika-Koalition vor Stromimporten aus Polen gewarnt hatten.

          „Diese Kritik entbehrt jeder fachlichen Grundlage“, sagte Graichen. Selbst bei Minus-Temperaturen und absoluter Windstille sei „im Januar 2020 oder im Januar 2030 die Versorgungssicherheit gewährleistet“, heißt es dem Bericht zufolge in dem dreiseitigen Papier.

          Tillich: Bei Braunkohleausstieg Milliardenausgleich nötig

          Für den Fall eines vorzeitigen Braunkohle-Ausstiegs hat der scheidende sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) milliardenschwere Ausgleichszahlungen gefordert. Deutschland habe zweieinhalb Jahrzehnte von der subventionsfreien Braunkohleverstromung profitiert. „Nötig ist nun - analog zum Atomausstieg - ein Fonds zur Gestaltung des Strukturwandels, der sich aus einem bundesweiten Kohlepfennig speisen könnte“, sagte Tillich, der dem CDU-Sondierungsteam angehört, dem Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND/Samstag).

          Bei den Sondierungsgesprächen für eine Jamaika-Koalition aus CDU, CSU, FDP und Grünen gehört die Energiepolitik zu den Knackpunkten. Tillich sagte, ein Ausstieg aus der Braunkohle könne allenfalls langfristig erfolgen. Der Bund stehe in der Verantwortung, den Strukturwandel in den betroffenen Ländern zu organisieren. Er nannte dafür einen notwendigen Betrag von mindestens 6,2 Milliarden Euro. Fünf Milliarden davon müssten für die Jahre 2019 bis 2030 fließen. Hinzu kämen zunächst 1,2 Milliarden Euro als Anschubfinanzierung bis 2023.

          WDR: Berlin akzeptiert schärfere EU-Auflagen für Kohlekraftwerke

          Unterdessen kommen einem Medienbericht zufolge auf die deutschen Kohlekraftwerke schärfere Umweltauflagen zu. Wie der Westdeutsche Rundfunk (WDR) unter Berufung auf das Umweltministerium berichtet, verzichtet die Bundesregierung auf eine Klage gegen die Ende Juli von der EU beschlossenen Auflagen. Diese sehen strengere Grenzwerte für Quecksilber, Stickoxid und Feinstaub vor. Die Frist für eine solche Klage ist laut WDR in der Nacht zu diesem Samstag ausgelaufen.

          Deutschland hatte gemeinsam mit anderen Kohle-Ländern wie Polen und Tschechien gegen die neuen Grenzwerte gestimmt. Mitte August hatten die Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg in einem gemeinsamen Brief die Bundesregierung gedrängt, gegen den EU-Beschluss zu klagen.

          Infolge der strengeren Grenzwerte, die von 2021 an gelten sollen, müssten laut einer Studie des amerikanischen „Institute for Energy Economics and Financial Analysis“ (IEEFA) rund ein Drittel aller Kohlekraftwerke in der EU - vor allem Braunkohlekraftwerke - entweder geschlossen oder aufwendig nachgerüstet werden, berichtete der WDR weiter. Besonders betroffen wären demnach unter anderem die Braunkohlekraftwerke Jänschwalde in Brandenburg und Neurath in Nordrhein-Westfalen.

          Quelle: rad./dpa

          Weitere Themen

          Die einzigartige Lichtkunst von Unna Video-Seite öffnen

          Unter der Erde : Die einzigartige Lichtkunst von Unna

          Im nordrhein-westfälischen Unna gibt es das weltweit einzige Museum, das sich ausschließlich der Lichtkunst widmet. In den Gewölben einer alten Brauerei erwarten faszinierende Lichtinstallationen die Besucher.

          Ein Problem namens Schulz

          SPD-Spitze auf Parteitag : Ein Problem namens Schulz

          Die SPD wird mit der Union über eine große Koalition verhandeln – doch nach dem Auftritt des Parteichefs klatschen die Delegierten nur 60 Sekunden. Von Andrea Nahles dagegen sind sie begeistert. Sie hält die Rede, die Schulz hätte halten müssen.

          15-Jähriger soll Mitschüler getötet haben Video-Seite öffnen

          Lünen : 15-Jähriger soll Mitschüler getötet haben

          In einer Gesamtschule im Nordrhein-Westfälischen Lünen soll ein 15-Jähriger einen anderen Schüler getötet haben. Die Ermittler gehen nicht von einem Amoklauf aus.

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Geschickter Händler: AfD-Abgeordneter Peter Boehringer

          Peter Boehringer : Goldjunge der AfD

          Peter Boehringer soll Vorsitzender des Haushaltsausschusses werden. Der Abgeordnete gilt als geschickter Finanzfachmann – besonders wenn es um Gold geht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.