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Veröffentlicht: 10.12.2012, 14:25 Uhr

Studie Spekulation erhöht die Agrarpreise nicht

Spekulationen um Getreide oder Reis sind laut einer aktuellen Studie kaum schuld an steigenden Lebensmittelpreisen. Frühere Veröffentlichungen sahen einen Zusammenhang.

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© ZB Harte Arbeit, teurer Rohstoff: Mähdrescher in der Nähe von Leipzig

Spekulationen auf steigende Weizen- oder Reispreise sind laut einer Mehrzahl der ökonomischen Studien nicht die Ursache für die hohen Lebensmittelpreise. Dieses überraschende Ergebnis einer Studie hat die Universität Halle an diesem Sonntag veröffentlicht. Anderslautende Einschätzungen seien ein „Fehlalarm“, lautet das Fazit der Hallenser Wissenschaftler um den Wirtschaftsethiker Ingo Pies. Spekulationsgeschäfte hätten laut einer Mehrzahl der seriösen empirischen Untersuchungen weder die Agrarrohstoffpreise selbst noch deren Schwankungen erhöht, heißt es in der Studie des Leibniz-Instituts für Agrarentwicklung.

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Die Ökonomen Ingo Pies, Georg Will, Sören Prehn und Thomas Glauben haben die Ergebnisse von 35 in den vergangenen drei Jahren veröffentlichten Studien zusammengeführt. Relativ wenige davon wiesen demnach einen signifikanten Zusammenhang von Spekulation und steigenden Preisen nach. Für einen Zusammenhang sprächen „wenige und zudem schwache Befunde“. Die Schlussfolgerung: Der Großteil der Literatur lege nicht nahe, dass ein Verbot oder eine Eingrenzung der Spekulation die Preise senken könnte.

Kein Einfluss durch Spekulation

Das sehen viele Organisationen anders. In diesem Jahr hatten etwa Nichtregierungsorganisationen wie Oxfam oder Foodwatch für eine scharfe Regulierung dieses Marktes geworben. Banken wie die Deutsche Bank oder LBB Invest gaben einen Ausstieg aus dem Neugeschäft mit Agrar-Indexfonds bekannt. Anlass der seit Jahren andauernden Diskussion ist, dass in den vergangenen Jahren der Handel an Rohstoffterminmärkten stark zugenommen hat. Viele Händler sind institutionelle Investoren. Die spekulieren zum Beispiel auf steigende Preise. Aber sie kaufen nicht die realen Rohstoffe, sondern nur Terminkontrakte. Die Vereinigten Staaten hatten vor wenigen Jahren trotzdem gesetzliche Obergrenzen für Termingeschäfte auf Lebensmittel durchgesetzt, Weltbank oder Vereinte Nationen hatten dies mehrfach nahegelegt. Die OECD hingegen war schon im Jahr 2007 gegenteiliger Auffassung.

Empirische Studien von einer Mehrheit der Ökonomen teilen nun offenbar deren Einschätzung. Die Forscher aus Halle berücksichtigten für ihren Vergleich nur empirische Studien, die mit neuesten Methoden der statistischen Zeitreihenanalyse durchgeführt wurden. Zehn der Studien seien in renommierten wissenschaftlichen Journalen veröffentlicht worden („peer reviewed“), 25 noch nicht („graue Studien“). Von den veröffentlichten Studien fanden zwei von vier einen Einfluss der Spekulation auf Preisschwankungen, in keiner von acht auf diese Frage fokussierten Erhebungen wurde ein Einfluss der Spekulation auf die Höhe der Preise nachgewiesen.

Große Unsicherheit

Etwas ambivalenter waren die Ergebnisse der „grauen Studien“. Etwa die Hälfte fand einen Einfluss auf die Preise, etwa ein Drittel auf deren Volatilität. Doch auch deren Autoren hätten meist auf die große Unsicherheit ihrer Befunde hingewiesen, resümmieren die Hallenser Ökonomen. Fünf von zehn Artikeln hätten sogar positive Effekte nachgewiesen.

Es ist umstritten, wie genau der Zusammenhang von Termin- und Spotmärkten ist. Während Agrarökonomen wie Harald von Witzke der Auffassung sind, nur Angebot und Nachfrage nach realem Getreide bestimme etwa dessen Preis, sind Kritiker wie Thilo Bode von Foodwatch der Ansicht, die Spekulation könne die Preise zwar nicht langfristig, aber über viele Monete anheben. Von Witzke sagt, die Daten zeigten nur, dass Spekulation die Preise sehr kurzfristig, etwa auf Tagesbasis, beeinflusse. Erst vor wenigen Wochen hatten sich daher zwölf deutsche Nichtregierungsorganisationen, darunter auch die Welthungerhilfe, Oxfam oder Attac, zusammengetan und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) zu einem „entschlossenen Handeln“ aufgefordert. Die Ökonomen der Universität Halle machen einen anderen Vorschlag: „Wer den Hunger in der Welt wirksam bekämpfen will, muss realwirtschaftlich dafür Sorge tragen, dass das Angebot an Nahrungsmitteln mit der auf absehbare Zeit steigenden Nachfrage Schritt halten kann.“

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Quelle: F.A.Z.

 

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