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Ladendiebstahl : Wenn der Mitarbeiter klaut

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In Drogeriemärkten wird besonders viel geklaut. Bild: Frank Röth

Die Kriminellen sehen es auf Parfüm, Kosmetik oder teure Smartphones ab: Die Zahl der schweren Ladendiebstähle hat deutlich zugenommen. Der Handel klagt über Milliardenverluste. Und oftmals führt die Spur ins eigene Haus.

          Verlängerte Öffnungszeiten und dadurch immer weniger Personal in den Läden - der deutsche Einzelhandel macht es Ladendieben oft nicht allzu schwer. „Obwohl die Ladenöffnungszeiten stark erweitert wurden, sind die Detektiveinsatzstunden nicht erhöht worden“, heißt es in einer am Mittwoch vorgelegten Studie des Kölner Handelsforschungsinstituts EHI.

          Mehr als 98 Prozent der Ladendiebstähle bleiben demnach derzeit nach Einschätzung der Experten unentdeckt. Jährlich komme es bundesweit zu 26 Millionen Delikte, der Handel leide unter Milliardenschäden. Während die Zahl einfacher Ladendiebstähle eher konstant bleibe, hätten schwere Ladendiebstähle deutlich zugenommen.

          Für das vergangene Jahr beziffert das EHI die sogenannten Inventurdifferenzen in Deutschland unverändert auf rund 3,9 Milliarden Euro. Diebische Kunden haben daran nach den Berechnungen mit geklauten Waren für 2,1 Milliarden Euro den größten Anteil.

          Weitere Diebstähle im Wert von 900 Millionen Euro gingen auf das Konto unehrlicher Mitarbeiter. 300 Millionen Euro werden Lieferanten und Servicekräften zugerechnet. Die verbleibenden rund 600 Millionen Euro Inventurschwund entstünden durch organisatorische Mängel wie Fehlbuchungen, verlegte Ware oder Fehletikettierungen.

          Parfüm und Rasierklingen werden oft geklaut

          Beliebt bei Dieben seien erfahrungsgemäß kleine, teure Waren wie Parfüm, Rasierklingen, Brillen oder Smartphones. Bei Bekleidung zeigten Diebe eine Vorliebe für hochwertige Marken und modische Accessoires. „Was sich gut verkauft, wird auch oft geklaut“, so der EHI-Experte Frank Horst.

          Insgesamt sind die Inventurdifferenzen besonders hoch bei Drogeriemärkten, gefolgt von Textilfachgeschäften und Baumärkten. Auch im Lebensmittelhandel wird viel entwendet, eine Ausnahme dabei sind lediglich Getränkefachmärkte.

          Rund 1,3 Milliarden Euro investiert der deutsche Einzelhandel jährlich in Technik und Personal zum Diebstahlsschutz, doch es ist bislang offenbar nicht gelungen, das Problem einzudämmen. Mehr Technik zur Vorbeugung stehe dabei weniger Personal zur Beaufsichtigung gegenüber, heißt es in der Studie.

          „Die Waren werden frei zugänglich präsentiert, und das Personal wird radikal abgebaut“, sagt Stephan Hegger, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Nordrhein-Westfalen, das Dilemma. Doch die Polizei sieht sich an den Grenzen ihrer Belastbarkeit angelangt.

          Um die Beamten zu entlasten, hat die Gewerkschaft vorgeschlagen, bei einfachen Ladendiebstählen auf aufwendige Ermittlungen zu verzichten und nur noch Bußgelder zu verhängen. Damit sieht sich die GdP in NRW als bundesweiter Vorreiter. Mit Ermittlungsverfahren geahndet werden sollten nur schwere Vergehen wie etwa Bandendiebstähle. „Diese Leute müssen wir anders behandeln als die Oma, die vergessen hat, die Butter zu bezahlen“, sagt Hegger.

          „Ladendiebstahl ist kein Kavaliersdelikt“

          Der Hauptverband des deutschen Einzelhandels (HDE) fordert dagegen eine konsequente Bestrafung. „Ladendiebstahl ist kein Kavaliersdelikt“, sagt HDE-Sprecher Stefan Hertel. Der Handel leide derzeit vor allem unter einer Zunahme von organisierten Bandendiebstählen. „Zwei Mann stürmen in den Laden und räumen das Regal aus“, beschreibt er die oft drastische Vorgehensweise.

          Die Branche will als Gegenmittel die Videoüberwachung ausbauen und Mitarbeiter verstärkt schulen. Fast jedes dritte Unternehmen plant, künftig das Kassenpersonal oder auch Verkäufer und Führungskräfte besser auszubilden, 70 Prozent der Unternehmen setzen zudem auf Kamera- und Videotechnik.

          Neben den Verbrauchern wird auch der Staat geschädigt. Ihm entgingen 2014 rund 450 Millionen Euro an Mehrwertsteuer. Für die Studie wurden 110 Unternehmen mit fast 21.000 Standorten befragt - vom Möbelhaus über den Baumarkt bis zum großen Warenhaus.

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