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Studenten Ohne Job in die Semesterferien

20.07.2007 ·  Ferienjobs sterben aus - diesen Trend beobachtet das Deutsche Studentenwerk. Der Grund: Die Unternehmen setzen auf längerfristige Beschäftigung.

Von Thomas Jansen
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Vielleicht droht ihm schon bald das gleiche Schicksal wie dem Pandabär und dem Flachlandgorilla: Der klassische Ferienjob ist vom Aussterben bedroht. Das befürchtet zumindest das Deutsche Studentenwerk (DSW). „Das Angebot an klassischen Ferienjobs ist rückläufig“, konstatiert Achim Meyer auf der Heyde, der Generalsekretär des DSW. Einen maßgeblichen Grund für diesen Trend sieht er in der zunehmenden Bevorzugung längerfristiger Arbeitsverhältnisse auf Unternehmerseite. Schon vor zwei Jahren hatte das Studentenwerk erstmals auf diese Entwicklung hingewiesen.

Warum die vorübergehenden Beschäftigungen für Nachwuchsakademiker attraktiv sind, bedarf keiner langen Erklärung: Viele Studenten sind chronisch klamm, dabei brauchen sie mittlerweile im Durchschnitt ungefähr 750 Euro monatlich allein für elementare Ausgaben wie Miete, Nebenkosten, Nahrung, Bücher und Ähnliches. Dieser Betrag ergibt sich aus den Berechnungen des Hochschulinformationssystems (HIS) für die 18. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks im Jahr 2006. Hinzu kommen neuerdings noch die Studiengebühren. Mehr als 650.000 der insgesamt zwei Millionen Studierenden sind auf Nebenjobs angewiesen, um ihr Studium zu finanzieren. Warum Unternehmen Ferienjobs anbieten, liegt ebenfalls auf der Hand: Sie brauchen Aushilfskräfte, um personelle Engpässe in der Urlaubszeit zu überbrücken.

Auf der Suche nach den Besten

Diese grundlegenden Zusammenhänge gelten zwar nach wie vor, sie erfassen die Wirklichkeit studentischer Arbeitsverhältnisse allerdings nicht mehr vollständig. Sowohl auf unternehmerischer als auch auf studentischer Seite haben sich die Rahmenbedingungen in den letzten Jahrzehnten teilweise erheblich gewandelt. Für einige große Konzerne hat sich der studentische Sommerausflug vom unternehmerischen Notbehelf zum professionellen Rekrutierungsinstrument entwickelt. Siemens ist ein Beispiel für diese veränderte Sichtweise. „Wir machen das letztendlich unter Recruiting-Gesichtspunkten. Wir wollen schließlich die besten Leute“, erläutert ein Unternehmenssprecher die Strategie. Den Löwenanteil der Ferienjobs übernehmen bei Siemens die 12.000 Werkstudenten, die der Elektrokonzern in Deutschland auch außerhalb der Semesterferien beschäftigt.

Dabei handelt es sich meistens um Naturwissenschaftler oder Ingenieure. Wenn deren Kapazitäten nicht ausreichen, kommen auch andere zum Zug, allerdings nur, wenn sie sich rechtzeitig - das heißt am Anfang des Jahres - um einen Job bemühen. Wer sich erst im April oder Mai auf die Suche begebe, gehe in der Regel leer aus. Auch eine frühzeitige Bewerbung und gute Referenzen sind jedoch angesichts des großen Andrangs noch keine Erfolgsgarantie. Fünf Bewerber kommen auf eine Stelle. Neben diesem offiziellen Weg gibt es allerdings auch weiterhin die Möglichkeit, einen Ferienjob von einem Freund oder Bekannten zu „erben“. Das gehe manchmal schon über ganze Generationen so, heißt es bei Siemens.

Mandarin mit Kusshand

Auch Sozial- und Geisteswissenschaftler sind als Aushilfen willkommen, vor allem wenn sie gute Fremdsprachenkenntnisse mitbringen. Exotische Sprachen sind besonders gefragt. "Wenn sie Mandarin oder Hindu sprechen, dann werden sie mit Kusshand genommen", sagt der Sprecher.

Der klassische Ferienjob am Fließband oder als Handlanger in der Produktion macht dagegen bei Siemens nur noch einen Bruchteil der angebotenen Studentenjobs aus. Das hänge auch damit zusammen, dass große Teile der Produktion ins Ausland verlagert worden seien. Dennoch könne es gelegentlich passieren, dass man bei einem Rundgang im Turbinenwerk studentische Aushilfen antreffe.

Auch beim Baukonzern Hochtief treten Studenten längst nicht mehr mit Schaufel und Schubkarre auf der Baustelle an, sondern unterstützen Planung und Kommunikation im Büro. Eine vorübergehende Tätigkeit ist für Studenten in der Regel nur im Rahmen eines Praktikantenprogramms möglich. Auch für Hochtief steht hierbei die frühzeitige Mitarbeiterrekrutierung im Vordergrund. Die Teilnehmer, die sich bewährt hätten, könnten während des Studiums regelmäßig wieder einsteigen, so eine Pressereferentin des Konzerns.

Wer nicht gerade Hindi spricht, keine Praktikumserfahrung vorweisen kann, sich im Januar noch nicht für den Sommer festlegen möchte oder einfach ein Kontrastprogramm zum intellektuellen Universitätsalltag sucht, der ist bei Volkswagen richtig aufgehoben. Erstmals seit mehreren Jahren bietet das Wolfsburger Unternehmen in diesem Sommer wieder 800 Stellen für Werkstudenten und erwachsene Schüler an. Diese Aktion ist nach den Worten einer Unternehmenssprecherin „rein urlaubstechnisch“ motiviert, an eine mögliche Mitarbeitergewinnung ist in Wolfsburg nicht gedacht. Die Bezahlung liegt bei 11 Euro pro Stunde. Auch beim Elektrokonzern Bosch kommen in diesem Jahr in den beiden Werken im Großraum Stuttgart 1000 Ferienaushilfen unter, die meisten davon Studenten. Hierbei handelt es sich ebenfalls noch überwiegend um Ferienjobs in der Produktion. Das Heranziehen von Nachwuchskräften läuft bei Bosch über andere Kanäle, vorwiegend über Praktika sowie Diplom- und Doktorarbeiten im Unternehmen.

Zwei Drittel jobben während des Semesters

Aus studentischer Sicht spielt die Kontaktaufnahme zu potentiellen späteren Arbeitgebern ohnehin nur eine untergeordnete Rolle bei der Suche nach Ferienjobs. Lediglich 16 Prozent der Studenten gaben dieses Motiv bei der Sozialerhebung an. Die Mehrheit - 42 Prozent - arbeitet, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Dafür aber reichen die Semesterferien allein offenbar nicht mehr aus. Studentische Saisonarbeiter sind zu ganzjährig Beschäftigten geworden, zwischen Semesterbetrieb und vorlesungsfreier Zeit besteht im Hinblick auf die Erwerbstätigkeit kaum noch ein Unterschied.

Die Zahl der erwerbstätigen Studenten ist inzwischen in der vorlesungsfreien Zeit sogar geringfügig niedriger als während des Semesterbetriebs. 63 Prozent der Studenten „jobben“ während der Vorlesungszeit nebenbei, in den Semesterferien sind es 62 Prozent. Sieben Stunden beträgt die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit bei durchgehend Beschäftigten. Bei der ersten Sozialerhebung 1951 lag der Schwerpunkt der Erwerbstätigkeit von Studenten noch eindeutig in der vorlesungsfreien Zeit. Damals waren lediglich 11,7 Prozent während des Studiums erwerbstätig, während es in den Semesterferien 49 Prozent waren.

Auch wenn die Zahlen am Klischeebild vom schmächtigen Philosophiestudenten rütteln, der bei glühender Sommerhitze wochenlang für seine Platon-Ausgabe auf dem Bau schuftet, in einem Punkt spiegelt es die Realität immerhin noch wieder: Geistes- und Kulturwissenschaftler haben neben Sozialwissenschaftlern und Psychologen mit 43 Prozent die höchste Erwerbstätigenquote unter allen Fachrichtungen.

Quelle: F.A.Z., 20.07.2007, Nr. 166 / Seite 20
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