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Stromversorgung Dem Kollaps knapp entgangen

16.02.2012 ·  Während der Kältewelle ist das deutsche Stromnetz nur knapp einem Kollaps entgangen. In einzelne Netzabschnitte wurde nicht genügend Strom aus regulären Kraftwerken eingespeist. Als Grund vermutet die Aufsichtsbehörde falsche Prognosen.

Von Helmut Bünder und Werner Sturbeck
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© dpa „Der Strombedarf ist in Teilen des Netzes unterschätzt worden“

Das deutsche Stromnetz ist während der kalten Februartage nur knapp einem Kollaps entgangen. Um das Netz zu stabilisieren, haben die Übertragungsnetzbetreiber seit dem 6. Februar wiederholt Regelenergie einsetzen müssen, die sie als letzte „Reserve“ für den Ausgleich von Spannungsschwankungen vorhalten.

Vorübergehend kaum noch Reserveenergie für Störfälle

In Schreiben an mehrere hundert Stromhändler und Kraftwerksmanager schlägt die Bundesnetzagentur Alarm. „Die Lage war sehr angespannt“, sagte Netzagenturpräsident Matthias Kurth der F.A.Z. Durch den Rückgriff auf die Regelenergie seien „kurzfristige Reserven für unvorhergesehene Ereignisse“ knapp geworden. Damit war die Netzsicherheit akut bedroht: Bei Störfällen wären die Lichter möglicherweise ausgegangen.

Die Aufsichtsbehörde hat eine Untersuchung eingeleitet, warum nicht genügend Strom aus regulären Kraftwerken in die einzelnen Netzabschnitte eingespeist worden ist.

„Es wurde nicht genug Leistung aus den Kraftwerken abgerufen“

Als Grund vermutet sie Prognosefehler der „Bilanzkreisverantwortlichen“. Das können Händler, Kraftwerksbetreiber, Stadtwerke oder Regionalversorger sein. Sie sind dazu verpflichtet, stets so viel Strom vorzuhalten wie voraussichtlich benötigt wird. „Ganz offensichtlich ist der Strombedarf in Teilen des Netzes unterschätzt worden. Es wurde deshalb nicht genug Leistung aus den Kraftwerken abgerufen“, sagte Kurth.

Nach Angaben von Marktbeobachtern ist das ein seit Jahren bekanntes Phänomen: Händler spekulieren auf Arbitrageschäfte zu Lasten der Verbrauchergemeinschaft. Die vier deutschen Transportnetzbetreiber erhalten für ihr jeweiliges Netz am Vorabend alle geplanten Stromflüsse gemeldet. Es kommt aber vor, dass sie weniger einkaufen und melden, als sie ihren Kunden für den kommenden Tag verkauft haben. Sie setzen auf sinkende Preise. Wenn die Rechnung am nächsten Tag aufgeht, kaufen sie am Spotmarkt rechtzeitig zu. Bei sehr hohen, für sie ungünstigen Preisen überlassen sie es dem zuständigen Transportnetzbetreiber, mit seinen Instrumenten die Mindermengen auszugleichen. Diese Regelenergie wird dem betreffenden Händler mit 100 Euro je Megawattstunde in Rechnung gestellt.

Die Beschaffung von Strom über den Spotmarkt war in den vergangenen Tagen aber teilweise deutlich teurer, so wurden am Abend des 8. Februars 272 Euro je Megawattstunde erreicht. Ingrid Nestlé, energiepolitische Sprecherin der Grünen, warf den Stromhändlern Manipulationen vor. Dagegen sagte Kurth: „Hinweise auf illegales Verhalten von Stromhändlern erscheinen mir verfrüht“. Der Verband der industriellen Energie- und Kraftwirtschaft, der die Stromkunden aus der Industrie vertritt, forderte ein gründliches Durchgreifen der Netzagentur. Die Stromversorgung sei ein äußerst komplexes System, „damit darf nicht gespielt werden“, sagte Geschäftsführerin Birgit Ortlieb dieser Zeitung. Je nach Ausgang ihrer Untersuchung kann die Netzagentur ein behördliches Aufsichtsverfahren einleiten.

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