13.08.2008 · Mehr als 100.000 Haushalte wechseln jeden Monat ihren Stromanbieter - Tendenz steigend. Wichtigstes Kriterium dafür ist der Preis: Ein Wechsel kann die Stromrechnung um bis zu 27 Prozent senken. Wir zeigen, wer wann wechselt und aus welchen Gründen. Mit Strompreistabelle.
Von Holger SchmidtNach mehr als zwei Jahren stetig steigender Strompreise ist rund die Hälfte der Deutschen mit ihrem bisherigen Versorger unzufrieden – und handelt: Mit wachsender Dynamik wechseln schon heute jeden Monat mehr als 100.000 Haushalte ihren Versorger. Konkret planen derzeit 40 Prozent der Haushalte einen Wechsel ihres Stromlieferanten in den kommenden zwölf Monaten, hat eine Umfrage des Beratungsunternehmens Simon – Kucher & Partners ergeben. Besonders alarmierend für die etablierten Regionalversorger: Ihre traditionellen Stärken wie eine persönliche Beratung, Engagement in der Region oder zusätzliche Dienstleistungen wie Kundenkarten spielen für die Anbieterwahl kaum eine Rolle. „Die neuen Anbieter haben in den wichtigsten Entscheidungskriterien aus Sicht der Verbraucher klare Wettbewerbsvorteile“, sagt Harald Schedl, Partner der Beratungsgesellschaft.
Entscheidendes Kriterium für neun von zehn Wechselwilligen ist der Strompreis, hat die Umfrage ergeben. „Im Durchschnitt erwarten die Wechselwilligen 120 Euro Ersprarnis im Jahr“, sagt Thomas Haller, Mitautor der Studie. Neben dem günstigen Preis gehören auch eine verständliche Rechnung, einfache Tarife und ein guter Service zu den wichtigen Kriterien. Auch im weichen Kriterium der Fairness liegen die neuen Anbieter weit vor den etablierten, hat die Studie ergeben. Ist der Kunde einmal verloren, besteht kaum noch eine Chance, ihn später einmal zurückzugewinnen.
Trotz Klimaschutz: Ökostrom kaum Wechselgrund
Die Regionalversorger haben nach Ansicht der Berater Nachholbedarf im Marketing. „Bisher betreiben die Regionalversorger Kundenbindung „mit der Gießkanne“ - ohne Differenzierung nach Kundenwert und Kündigungswahrscheinlichkeit“, kritisiert Haller. „Erst nach einer Einteilung der Kunden in diese Kategorien lassen sie sich gezielt binden. Sinnvoll ist ein nach Kundengruppen differenziertes, aber trotzdem einfaches und transparentes Preis- und Produktportfolio“, sagt Haller. Zudem sollten die Unternehmen Produkte und Services zur Erhöhung der Verbrauchstransparenz und der Energieeffizienz anbieten.
Ökostrom spielt trotz aller Bekenntnisse zum Klimaschutz keine wichtige Rolle in den Überlegungen der Wechselwilligen. Nur 4 Prozent der Befragten sehen ein solches Angebot als Wechselgrund. Mehr als die Hälfte der Befragten lehnt einen höheren Preis für Ökostrom ab. Allerdings sind viele Verbraucher durchaus bereit, Investitionen ihres Versorgers in neue Kraftwerkstechniken wie eine kohlendioxidfreie Produktion und Dienstleistung wie eine Energiesparberatung zu honorieren. Auf die Frage, was helfen würde, den Stromverbrauch zu senken, geben die meisten Befragten einer monatlichen, verbrauchsgenauen Rechnung und Energiespartipps ihres Versorgers eine hohe Bedeutung.
Wechselschwelle sind 100 Euro Ersparnis
Neun von zehn Verbrauchern, die ihren Anbieter in der Vergangenheit gewechselt haben, würden es jederzeit wieder tun, hat eine Internetumfrage des Verbraucherportals Verivox ergeben. Allerdings waren nicht alle Verbraucher mit dem Wechselprozess zufrieden: Zwar bewerteten zwei Drittel der Umfrageteilnehmer den Ablauf mit „sehr gut“ oder „gut“, aber immerhin 11 Prozent bewerteten den Prozess mit der Schulnote „ungenügend“. Ebenfalls 11 Prozent schätzten den Service ihres neuen Lieferanten als „ungenügend“ ein; 65 Prozent fanden den Service aber „gut“ bis „sehr gut“. 20 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, dass ihnen der Wechsel zu unsicher sei. Die Angst vor einer Unterbrechung der Versorgung ist allerdings völlig unbegründet, da die Belieferung mit Strom vom Gesetzgeber vorgeschrieben ist.
Nach einer Studie von Nordlight reseach ist der Anteil wechselwilliger Kunden sei bei den großen Unternehmen Eon, ENBW, RWE und Vattenfall deutlich höher als bei Stadtwerken oder jungen, schnell wachsenden Anbietern wie Lichtblick oder Yello. Die Schwelle, bei der ein Wechsel interessant wird, liege unabhängig von der Haushaltsgröße im Schnitt bei rund 100 Euro Einsparmöglichkeit im Jahr, hieß es. Für einen Teil der Kunden stellten aber auch bereits Einsparbeträge ab 50 Euro einen
bedeutsamen Wechselanreiz dar.
Wahltarif günstiger als Grundversorgung
Der Wechsel des Stromversorgers kann die Stromrechnung für einen Durchschnittshaushalt um bis zu 27 Prozent senken. Statt 960 Euro, die 4000 Kilowattstunden Strom im Jahr in Leipzig im Grundversorgungstarif kosten, könnten Haushalte mit einem Wechsel zum günstigsten Anbieter Flexstrom diese Strommenge auch für 692 Euro kaufen. Auch in Stuttgart, Mannheim, Essen, Karlsruhe, Duisburg, Bonn, Mönchengladbach, Dresden, Düsseldorf und Chemnitz können Verbraucher ihre Rechnung mit einem Wechsel aus dem Grundversorgungstarif zum günstigsten Anbieter mit Vorauskasse um mindestens 20 Prozent senken, hat Verivox für diese Zeitung errechnet. Auf jeden Fall lohnt sich die Nachfrage beim regionalen Versorger, ob es neben dem Grundversorgungstarif auch einen günstigeren Wahltarif gibt. Nicht immer werden die Kunden automatisch in diesen Tarif umgestellt.
In den vergangenen drei Jahren haben die regionalen Versorger die Strompreise im zweistelligen Prozentsatz erhöht. Besonders kräftig fielen die Aufschläge in Mönchengladbach, Gelsenkirchen und Nürnberg aus. Dagegen zeigen die Stadtwerke München, dass es auch anders geht: 6,1 Prozent Aufschlag in den vergangenen Jahren haben die Stromrechnung für einen Durchschnittshaushalt nur moderat auf rund 800 Euro im Jahr wachsen lassen.
Gaspreise kräftig gestiegen
In diesem Sommer sind auch die Gaspreise in Deutschland so kräftig gestiegen wie noch nie. Nach einer Berechnung des Verbraucherportals Toptarif haben 350 Versorger ihre Tarife im Durchschnitt um 11,5 Prozent angehoben. Nun zieht auch der Mannheimer Versorger MVV nach und erhöht die Preise für Erdgas und Fernwärme zum 1. Oktober. Wie das Unternehmen am Montag mitteilte, steigt der Gaspreis für eine Kilowattstunde um netto 1,47 Cent. Für einen Haushalt mit einem durchschnittlichen Jahresverbrauch bedeute dies 26 Euro Mehrkosten im Monat, was einen Anstieg um 27 Prozent entspreche, erklärte der Konzern.
Der Fernwärmepreis klettert zum Oktober um 0,49 Cent je Kilowattstunde. Den Strompreis lässt die MVV vorerst unverändert. Das Unternehmen halte seine bis Jahresende abgegebene Preisgarantie ein, hieß es. MVV Energie verwies darauf, den Erdgas-Preis zwei Jahre lang konstant gehalten zu haben. In dieser Zeit sei es jedoch zu sehr starken Preissteigerungen auf den Energiemärkten gekommen. „Wir können uns davon nicht abkoppeln“, sagte Vorstandsmitglied Matthias Brückmann.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.996,37 | +0,55% |
| EUR/USD | 1,3239 | +0,01% |
| Rohöl Brent Crude | 118,24 $ | +0,29% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |