24.07.2010 · Jetzt ist es offiziell: Die deutschen Banken haben den Stresstest der Bankenaufseher bestanden - allein die mit Steuermilliarden vor der Pleite gerettete Hypo Real Estate fiel wie erwartet durch. Insgesamt sind europaweit 7 der 91 überprüften Banken durchgefallen: 5 aus Spanien, eine aus Griechenland und eben die deutsche HRE.
Unter den sieben beim EU-Stresstest durchgefallenen Banken sind allein fünf spanische Institute. Es sind die Sparkassen Diada, Cajasur, Unnim, Banca Civica und Espiga. Außer ihnen bestanden die griechische Atebank und die deutsche Hypo Real Estate die Belastungsprobe im strengsten Szenario nicht. Die Probleme der HRE und der Atebank sind seit langem bekannt. Auch die betroffenen spanischen Sparkassen wurden in den vergangenen Monaten schon mit Milliardenbeträgen staatlich unterstützt.
Insgesamt benötigen die durchgefallenen Institute laut Aufsichtsbehörde CEBS 3,8 Milliarden Euro an frischem Geld, damit sie die von der EU verordneten
Stresstestkriterien erfüllen. Die griechische Atebank teilte noch am Abend mit, sie werde am Markt neues Kapital aufnehmen. Das griechische Finanzministerium kündigte an, sich an einer Kapitalerhöhung per Aktien zu beteiligen. Bei der Athener Bank ist der Staat schon jetzt Mehrheitseigentümer.
Seit Wochen wurde in Europa mit Spannung auf die Ergebnisse der Stresststests gewartet. Geprüft wurde, ob die Banken noch genug Kapitalpuffer haben, wenn sich die Lage der Wirtschaft wieder deutlich verschlechtern sollte und auch die Finanzmärkte wieder auf Talfahrt gehen. Dabei untersuchten die Bankenaufseher die sogenannte Kernkapitalquote der Banken. Die Kennziffer besagt, inwieweit die Risikopositionen einer Bank durch eigene Mittel gedeckt sind, sprich: wie dick der Risikopuffer der Bank ist. Bestanden haben alle Banken, deren Kernkapitalquote auch im härtesten Szenario 6,0 Prozent übersteigt
Postbank und Nord LB haben nur knapp bestanden
Der Münchner Immobilienfinanzierer HRE würde sowohl im Falle des im Test angenommenen Konjunktureinbruchs als auch bei einem Wertverfall von Staatsanleihen die erforderliche Kernkapitalquote erheblich unterschreiten, teilten die Bundesbank und die Finanzaufsicht Bafin am Freitag in Frankfurt mit. Die HRE sei jedoch ein Sonderfall, betonte Bafin-Präsident Jochen Sanio. Die Bank konnte nur mit staatlicher Hilfe vor der Pleite bewahrt werden und wird in ihrer derzeitigen Form nicht mehr lange bestehen.
Die Kapitaldecke der übrigen 13 deutschen Instituten erwies sich auch bei den im Test angenommenen Krisen als dick genug. Getestet wurden die Deutsche Bank, die Commerzbank, die Postbank, der Sparkassen-Fondsdienstleister Dekabank, sieben Landesbanken sowie die genossenschaftlichen Zentralinstitute DZ Bank und WGZ Bank.
Im Schnitt würden die 14 Institute im schlimmsten Fall noch über eine Kernkapitalquote von 8,5 Prozent verfügen. Dabei würden neun Institute einen Wert über acht Prozent erreichen. Mit 6,2 Prozent knapp über dem maßgeblichen Wert liegt die Nord LB. „Die Deutschen Banken erweisen sich als robust und widerstandsfähig“, bilanzierten die Aufseher und wiesen einstimmig die Kritik an dem Test zurück.
Mit der Veröffentlichung der Testergebnisse sollte das Vertrauen in die Banken gestärkt werden, so das Kalkül der Politik, die die Milliardenhilfen für die Banken aus Steuergeldern verteidigen muss. Ob das aufgeht ist allerdings offen. In einer ersten Reaktion zeigten sich Analysten kritisch. Es habe zu wenig Transparenz und eine zu laxe Bewertung der Risiken gegeben, lautete die Kritik nach Bekanntgabe der Details.
Tatsächlich geht der Test auch in seinem härtesten Szenario nicht von einem Totalausfall von europäischen Staatsanleihen aus. Die Aufseher ziehen einen solchen Ausfall von Mitgliedern der EU oder der Eurozone gar nicht erst in Betracht. Nach Ansicht des Ifo-Forschers Klaus Abberger greift der Stresstest daher zu kurz: „Leider wurde das Szenario eines staatlichen Zahlungsausfalls nicht durchgespielt“, sagte Abberger. Der Test sei keine Prognose. Daher dürfe auch eine Staatspleite kein tabu für die Gestaltung einer solchen Prüfung sein. Das Beispiel Argentiniens zeige, dass ein staatlicher Zahlungsausfall nach schweren Krisen kein ungewöhnliches Ereignis sei.
Schweiz hat eigenen Test durchgeführt
Parallel zum Stresstest der EU hat die Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma einen eigenen Test für die Schweizer Banken vorgenommen. Die Behörde erklärte, dass die beiden Schweizer Großbanken UBS und Credit Suisse bestanden haben.
Die Finma prüfte die Banken dabei nach anderen Kriterien als die CEBS. Beispielsweise forderte die Finma zum Bestehen der Stresstests eine Kernkapitalquote von mindestens 8,0 Prozent, während nach den CEBS-Kriterien eine Kernkapitalquote von 6,0 Prozent ausreichte. Laut der getesteten Großbank Credit Suisse war der schweizerische Stresstest gegenüber dem der CEBS „doppelt so schwer“.
Was ist eine Kernkapitalquote?
Die Stresstests haben einen finanztechnischen Begriff in die Schlagzeilen gebracht, die Kernkapitalquote. Gefordert waren sechs Prozent, sieben Banken scheiterten daran. Doch was ist eine Kernkapitalquote, englisch auch „Tier“ genannt?
Man berechnet diese Kennzahl, indem man das Kernkapital (damit ist das unmittelbar haftende Eigenkapital gemeint) der Bank durch die Summe der Risikoposten (etwa Kredite und Wertpapiere) teilt. Die Kernkapitalquote sagt also aus, inwieweit die Risikopositionen durch eigene Mittel gedeckt sind, sprich wie dick der Risikopuffer der Bank ist. „Tier 1“ gilt darum als magische Zahl, um die Stabilität und Stärke einer Bank zu beurteilen.
Nach internationalen Bilanzvorschriften muss die Kernkapitalquote mindestens vier Prozent betragen. Werte von unter sechs Prozent gelten als bedenklich. Sieben Prozent gelten gemeinhin als Richtwert für eine gesunde Bankbilanz. Beim Stresstest für Europas Banken wurde - wie im amerikanischen Test - als Untergrenze für „Tier 1“ die Marke von sechs Prozent festgelegt. Wer diesen Wert auch im schlimmsten Szenario nicht halten kann, ist durchgefallen.
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