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Stresstest : Eine neue Finanzkrise würden die Banken nicht meistern

  • Aktualisiert am

Der Banken-Stresstest kommt an diesem Freitagabend heraus. Bild: dpa

Der aktuelle Banken-Stresstest wird für diesen Freitagabend erwartet. Schon im Vorfeld sagt ein Forschungsinstitut: Mit einer neue Finanzkrise würden Europas Banken nicht klarkommen. Und wie steht es um die Deutsche Bank?

          Eine neue Finanzkrise würden die europäischen Banken nicht überstehen. Zu diesem Ergebnis kommt allerdings nicht der Stresstest der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) und der Europäischen Zentralbank (EZB), dessen Ergebnisse erst später an diesem Freitagabend vorgelegt werden. Das ist das Resultat aus einem Härtetest des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Wenn die Aktienmärkte in den nächsten sechs Monaten um 40 Prozent einbrechen, sind bei den europäischen Banken Verluste von bis zu 882 Milliarden Euro zu erwarten. Nicht nur die Banken aus Italien und Spanien hätten dann einen hohen Kapitalbedarf, sondern auch die Institute aus Deutschland und Frankreich.

          Doch in Deutschland zeigten sich die Vertreter der Kreditwirtschaft vor der Veröffentlichung der Stresstestergebnisse eher gelassen. Das liegt nicht nur daran, dass in den diesjährigen Prüfungen der Widerstandsfähigkeit keine der 51 davon betroffenen Banken durchfallen konnte. „Die Institute sind insgesamt widerstandsfähiger geworden“, sagte Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon am Freitag dem Deutschlandfunk.

          Ähnlich zuversichtlich hatte sich in den vergangenen Tagen auch der Hauptgeschäftsführer des privaten Bankenverbandes, Michael Kemmer, gezeigt. Er hatte keine Verwerfungen bei einer deutschen Bank erwartet. Geprüft wurden insgesamt neun deutsche Institute, darunter Commerzbank, Deutsche Bank und vier Landesbanken. Allerdings wurden die Resultate der Deutschen Bank mit Spannung erwartet. Nach den schwachen Ergebnissen im zweiten Quartal sind die Kapitalschwierigkeiten von Deutschlands größter Bank wieder zu Tage getreten.

          Krisenbank Monte dei Paschi gilt als Wackelkandidat

          Vor größeren Schwierigkeiten stehen die Banken in Italien, die unter faulen Krediten von 360 Milliarden Euro leiden und deren Kapitalbedarf auf 40 Milliarden Euro geschätzt wird. Vor allem die Krisenbank Monte dei Paschi gilt als Wackelkandidat. Dass sie in den Stresstest schlecht abschneiden wird, zeigte sich am Freitag an den Bemühungen um die angeschlagene Bank aus Siena. Dabei ging es um eine Kapitalerhöhung um 5 Milliarden Euro, für die noch Zusagen von Banken eingeholt werden mussten.

          Auch die Großbank Unicredit hat Kapitalbedarf, was sich am Kursverfall der Aktie ablesen lässt. Der Titel der Muttergesellschaft der Hypo-Vereinsbank hat in diesem Jahr fast 57 Prozent verloren, noch mehr als die Aktie der Deutschen Bank, die um 46 Prozent nachgegeben hat. Schließlich kursierten in den vergangenen Wochen noch Analystenschätzungen, die bei Banco Popolare auch nach der Kapitalerhöhung von 1 Milliarde Euro – an der Börse gescheitert und schließlich bezahlt vom staatlichen Rettungsfonds „Atlante“ – weiterhin eine Kapitallücke sehen.

          Wie die F.A.Z. berichtet hatte, ist nach Einschätzung der EU-Kommission eine staatliche Rettung von Krisenbanken in Italien nicht nötig. Sparkassenpräsident Fahrenschon fordert, dass Aktionäre für die Kosten einer Sanierung aufkommen müssten. Die großen italienischen Banken hätten in den letzten sieben Jahren insgesamt mehr Geld ausgeschüttet als sie zur Stärkung der Kapitalbasis einbehalten hätten, sagte er. Nach Einschätzung der EU-Kommission kann die italienische Regierung aber auch Kleinsparer entschädigen, die ausfallgefährdete Nachranganleihen halten. Solche riskanten Papiere hatten die Banken ihren Kunden verkauft. Doch bei einer Entschädigung würde der Staat eine bestimmte Gläubigergruppe retten. Das würde die EU-Abwicklungsrichtlinie untergraben, so Jochen Felsenheimer, Geschäftsführer des Münchner Vermögensverwalters Xaia. Er hält dies für einen fatalen Fehler.

          Auch Alexander Plenk, Leiter Investment Research der Bayern LB, sieht darin eine Staatshilfe und einen Verstoß gegen die EU-Abwicklungsrichtlinie. „Eine bestimmte Gläubigergruppe würde mit staatlichen Mitteln bevorzugt gegenüber anderen.“ Der institutionelle Investor müsste die Verluste tragen, der Privatkunde würde vom Staat entschädigt, obwohl er aufgrund des höheren Risikos dieser Schuldtitel lange Zeit auch höhere Zinsen erhalten habe, so Plenk.

          Bankenvertreter kritisierten Annahmen

          Die diesjährigen Stresstests wurden von Bankenvertretern wegen der Annahmen kritisiert. So fiel der unterstellte Konjunktureinbruch in Italien weniger stark aus als in Deutschland, was italienische Banken begünstigt. Aus allen Lagern der deutschen Kreditwirtschaft wurde das Fehlen negativer Zinsen in den Stresstests kritisiert. Die EZB wollte damit Rückschlüsse auf ihre Geldpolitik vermeiden.

          Zudem wurde den Bankenaufsehern der EZB vorgeworfen, die Schwierigkeiten italienischer Banken nicht rasch angegangen zu sein. Denn deren hohe Lasten aus notleidenden Krediten sind spätestens seit den Stresstests im Herbst 2014 bekannt gewesen.

          Quelle: maf./tp.

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