04.10.2006 · Die Beziehung zwischen Hamburg und Airbus ist von Aufs und Abs geprägt. Doch so kritisch wie jetzt war die Lage nie. Die Stadt hat enorme Vorleistungen dafür gebracht, daß der A380 dort gebaut wird. Nicht auszudenken, wenn das alles umsonst gewesen sein sollte.
Ende August des vergangenen Jahres überflog erstmals der neue riesige Airbus Hamburg. Zweihundert Meter hoch flog er mit einer Geschwindigkeit von 260 Kilometern in der Stunde über die Elbe, das Airbus-Gelände und die werkseigene Start-und-Lande-Bahn. Es war die erste Vorführung außerhalb von Frankreich.
Am Boden feierten die Hamburger das 73 Meter lange, größte Flugzeug der Welt. Und wenn die Hamburger Superlative feiern wie dieses Flugzeug oder auch die größten Kreuzfahrtschiffe der Welt, die regelmäßig in die Elbe einfahren, dann feiern sie immer auch sich selbst und ihre Erfolge.
Hamburg verbindet viel mit dem A380. Zu einem großen Teil wurde das Flugzeug in Hamburg entwickelt. In Hamburg soll der neue Airbus auch zu einem Teil zusammengebaut werden. In Hamburg soll er seine Innenausstattung bekommen, in Hamburg wird er lackiert. Und schließlich soll Hamburg auch zu einem der Auslieferungszentren für den A380 an die Kunden werden. In jenem Moment, da das Flugzeug am Hamburger Himmel erschien, war vergessen, daß es seit einem Jahrzehnt immer wieder ein Auf und Ab in den Beziehungen zwischen Airbus Deutschland und der Stadt Hamburg gegeben hat. Derzeit ist die Lage wieder einmal kritisch, vielleicht so kritisch wie noch nie zuvor. Denn Hamburg hat enorme Vorleistungen dafür gebracht, daß der A380 in der Stadt gebaut wird. Nicht auszudenken, wenn das alles umsonst gewesen sein sollte.
Harter Kampf um Airbus
Es begann Ende der neunziger Jahre mit dem hart geführten Kampf, an welchem deutschen Standort das europäische Unternehmen EADS den neuen Airbus bauen würde. Hamburg gewann. Das mecklenburgische Rostock, das einen Standort anbot, an dem früher sowjetische Maschinen gewartet wurden, verlor. Hamburg bekam den Zuschlag unter der Bedingung, daß das alte Airbus-Gelände in Finkenwerder am Südufer der Elbe erweitert würde. Erweitert wurde es, indem das Naturschutzgebiet Mühlenberger Loch zu einem Teil zugeschüttet wurde, 140 Hektar zwischen Finkenwerder im Süden und Blankenese am Nordufer der Elbe. Zwölf Millionen Kubikmeter Sand wurden verrieselt und aufgespült. Das Mühlenberger Loch war ursprünglich künstlich geschaffen worden, um Wasserflugzeugen bessere Start- und Landemöglichkeiten zu bieten. Naturgemäß fand das Vorhaben, dieses Loch wieder zuzuschütten, viele Gegner.
Aber im August 2004 war aus dem Loch ein Plateau geworden – die größte und erfolgreichste Industrieerweiterung der Nachkriegsgeschichte in Hamburg, wie es damals hieß. 700 Millionen Euro hatte die Stadt Hamburg dafür ausgegeben. Auch die Start-und-Lande-Bahn am Airbus-Werk wurde bei dieser Gelegenheit um dreißig Meter in Richtung Elbe verlängert. Damit konnte das Airbus-Werk in Finkenwerder endgültig zum größten industriellen Arbeitgeber Hamburgs aufsteigen mit etwa 11.000 Arbeitsplätzen. 2.000 Neueinstellungen sollte es außerdem im Zusammenhang mit dem A380 geben.
Streit zwischen Obstbauern und der Stadt eskalierte
Airbus hatte aber noch eine Bedingung gestellt: Die 2684 Meter lange Landebahn muß auch in die andere Richtung, nach Neuenfelde zu, verlängert werden – um knapp 600 Meter. Nur so könne der Riesenairbus dort starten und landen. Nur so könne es auch irgendwann eine Endfertigung in Hamburg und ein Auslieferungszentrum geben. Zehn Obstbauern und Siedler in Neuenfelde sollten dafür enteignet werden, auch ein Grundstück, das der Kirchengemeinde gehörte. Die Obstbauern klagten und bekamen schließlich vor dem Hamburgischen Oberlandesgericht recht. Ein Baustopp wurde ausgesprochen. 2004 eskalierte der Streit, weil Airbus den Druck auf Hamburg erhöhte, endlich die Startbahnverlängerung in die Wege zu leiten. Einmal mußte sogar Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) nach Neuenfelde zum Bürgerforum fahren, um die Wogen zu glätten.
Zugleich wurde mit den Grundstückseigentümern weiter verhandelt. Am Schluß hatten nur noch drei Eigentümer und die Kirchengemeinde das Vorhaben blockiert. Im November 2004 endlich konnte weitergebaut werden, indem die Planungen etwas verändert wurden. Weitere 80 Millionen Euro hat das den Senat gekostet. Die Hälfte der Summe wurde für Entschädigungen der Grundstückseigentümer gezahlt. Die Erleichterung war dennoch groß. Hamburg habe sich nun endgültig nach Toulouse und Seattle als drittgrößter Luftfahrtstandort der Welt etabliert.
Die schlechten Nachrichten reißen nicht ab
Aber im Juni dieses Jahres begannen die nächsten Turbulenzen, als der damalige Vorstandsvorsitzende der EADS, der Muttergesellschaft von Airbus, Noel Forgeard, Hamburg die Schuld gab, daß es zu Verzögerungen bei der Auslieferung des A380 kommt. Seitdem reißen die schlechten Nachrichten für Airbus in Hamburg nicht ab. Zuerst hieß es, Hamburg bekomme nicht das Auslieferungszentrum – und hätte dann auch nicht die Startbahn verlängern müssen. Jetzt kam sogar das Gerücht auf, die ganze Fertigung des A380 könne aus Hamburg weg nach Toulouse verlagert werden. Gleichwohl ist das Werk nicht in Gefahr. Hier werden auch die Modelle A 318, 319 und 321 endmontiert und ausgeliefert.
| Name | Kurs | Prozent |
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| Rohöl Brent Crude | 106,29 $ | −0,52% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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