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GDL-Chef Weselsky : Separatist mit Spaß an der Macht

Alle Räder stehen still, wenn sein starker es will: Claus Weselsky inmitten seiner Lieben Bild: dpa

Lokführer sind Einzelgänger. Claus Weselsky, Chef der Gewerkschaft GDL, ist ihr Anführer. Kooperation ist nicht seine Sache. Er ist ein Separatist mit Zugkraft und Spaß an der Macht.

          Ein Lokomotivführer muss kein soziales Wesen sein. Im Führerstand sitzt er allein, den Blick starr auf die Strecke gerichtet. Er kennt den Weg, die Weichen, die Signale. Die Menschen und die Güter, die er transportiert, kennt er nicht. Aber er trägt für sie Verantwortung.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Die Arbeit ist ein wenig monoton, reden muss er nicht viel. Eigentlich nur, wenn die Leitstelle etwas will. Oder wenn ein Zugbegleiter vorn vorbeischaut. Um ihn wäre es still, wenn es die Fahrgeräusche nicht gäbe. Aber wenn der Zug erst richtig in Fahrt kommt, ist er nur schwer zu bremsen. Schnelle Manöver sind selten gefordert. Wenn doch, muss der Lokführer entscheiden. Einsamkeit und Einfluss bestimmen sein Dasein.

          „Ich bin keiner, der immer im Team spielen muss“

          Das Klischee des Einzelgängers passt zu Claus Weselsky, dem Lokführer-Anführer, dem Chef der Gewerkschaft GDL. Dafür hat er selbst gesorgt. „Ich bin keiner, der immer im Team spielen muss“, sagt er. Ihm fehlt der Hang zur Harmonie. An diesem Wochenende lässt er seine Lokführer 50 Stunden durchstreiken. Das wird ihm keine Freunde bringen. Andere sagen über ihn, er habe und wolle gar keine Freunde.

          Als Beleg dafür ist zu lesen, Weselsky - geschieden und Vater eines erwachsenen Sohnes - habe seinen 50. Geburtstag nach dem Ende der offiziellen Ehrung nur mit der Familie gefeiert, ohne Freunde. Seine Sache. Das war Anfang 2009. Damals war er knapp ein Jahr im Amt als GDL-Vorsitzender, als Nachfolger des schillernden Manfred Schell, der sich mit Bahnchef Hartmut Mehdorn beharkte und der Ferrari fuhr. Weselsky, wie Schell CDU-Mitglied, fährt lieber Motorrad.

          Schell lässt heute kein gutes Haar mehr an Weselsky. Er nimmt dessen Führungsstil aufs Korn, nennt ihn „Mao“ oder „Assad“ und wirft ihm vor, in den „Heiligen Krieg“ ziehen zu wollen. Weselsky wehrt sich gegen Kriegsvokabular. Auch ein „Separatist“ will er nicht sein. Die Worte hält er für eine Strategie, die GDL ins Abseits zu stellen und ihn zum Buhmann zu machen. Arbeitskampf sei nicht der Untergang des Abendlandes, sagt er, sondern legitimes Mittel zur Durchsetzung von Arbeitnehmerinteressen. Das sah auch sein Vorgänger so. Den langen Streik 2007/08 führten sie gemeinsam.

          Die Lokführer folgen dem Leitwolf fast blind

          Dass Schell so schimpft, hat vor allem persönliche Gründe. Im Zuge eines internen Machtkampfs vor eineinhalb Jahren enthob Weselsky seine beiden Stellvertreter ihrer Ämter. Der eine, ein Schell-Vertrauter, hatte zuvor für seinen Hausbau einen höheres Darlehen vom Arbeitgeber verlangt, was Weselsky ablehnte - wohl auch weil die Chemie nicht mehr stimmte. Schell sprach von „Säuberungen“ und trat aus Protest als Ehrenvorsitzender zurück. Die GDL-Delegierten aber bestätigten Weselskys Linie und wählten ihn bis 2017 zum Vorsitzenden. Er hat die Zugkraft, seine neuen Stellvertreter halten ihm den Rücken frei. Seine Lokführer folgen ihm, dem Leitwolf, fast blind.

          Weselsky ist das Gesicht der GDL, eilt in diesen Streikzeiten von Kamera zu Kamera. In eloquentem Sächsisch wagt er sich sogar in Talkrunden, in denen er als Erpresser und Geiselnehmer der Bahnfahrer beschimpft wird. „Das ist nicht unbedingt schmerzfrei“, sagt er über die Konfrontation.

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