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Stichwort "Goldene Aktie"

04.06.2002 ·  Inhaber so genannter „goldener Aktien“ haben in einem Unternehmen Rechte, die über die der restlichen Aktionäre weit hinausreichen.

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Inhaber so genannter „goldener Aktien“ haben in einem Unternehmen Rechte, die über die der restlichen Aktionäre weit hinausreichen. Im klassischen Fall besitzt ein Staat diese speziellen Anteilscheine. Dies ist in fast allen europäischen Ländern mit Ausnahme von Deutschland der Fall.

Unter dem Begriff „goldene Aktie“ sind eine ganz Reihe von Sonderrechten zusammengefasst. Die wichtigsten sind das so genannte Mehrfachstimmrechte und das Vetorecht. Diese können ausgeübt werden, wenn beispielsweise wichtige Entscheidungen wie der Eintritt neuer Aktionäre oder Fusionen anstehen.

In Deutschland wurden Mehrfach- und Höchststimmrechte 1998 abgeschafft. Prinzipiell gilt hier zu Lande: „Eine Aktie, eine Stimme“. Die einzige Ausnahme regelt das so genannte VW-Gesetz von 1960. Kein Volkswagen-Aktionär kann mehr als 20 Prozent der Stimmrechte ausüben, auch wenn er mehr besitzt. Das VW-Gesetz gibt damit dem Land Niedersachsen, das mit knapp 20 Prozent größter Anteilseigner des Automobilkonzerns ist, überproportionalen Einfluss.

In Europa besitzt beispielsweise Frankreich „goldene Aktien“ des Energiekonzerns Electricité de France oder der Großbank Credit Lyonnais. Der spanische Staat ist Inhaber „goldener Aktien“ beim Telekomkonzern Telefónica. In Schweden hält die Wallenberg-Familie die speziellen Anteilsscheine unter anderem am Telekom-Ausrüster Ericsson.

In den vergangenen Jahren bissen sich vor allem Chefs europäischer Telekom-Unternehmen an Goldenen Aktien die Zähne aus. An ihr scheiterte etwa im Mai 2000 die Fusion der niederländischen Telefongesellschaft KPN mit der spanischen Konkurrentin Telefónica. Madrid hatte seine Zustimmung davon abhängig gemacht, dass sich der niederländische Staat aus KPN zurückzieht.

Auch Telekom-Chef Ron Sommer musste vor drei Jahren immer wieder bei der italienischen Regierung für einen Einstieg bei Telecom Italia werben, der den Regierenden in Rom wegen des hohen Bundesanteils an dem Bonner Konzern nicht geheuer war. Dass Sommers Prestigeprojekt dann scheiterte, lag allerdings an dem Olivetti-Konzern, der im Übernahmekampf mit den Deutschen die besseren Karten hatte.

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