http://www.faz.net/-gqe-77een
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 04.03.2013, 16:07 Uhr

Steuerrecht Die Union denkt über ein Familiensplitting nach

Die CDU will Kinder im Steuerrecht stärker berücksichtigen. Die Erweiterung des bisher üblichen Ehegattensplittings um Kinder wäre nicht besonders schwierig.

von , Berlin
© ZB Eheleute mit Kindern sollen Vorteil haben.

In der Union konkretisieren sich die Pläne für ein Familiensplitting in der Einkommensteuer. Grund ist die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts. Wenn das Gericht seiner Linie treu bleibt, dürften Homosexuelle in einer eingetragenen Partnerschaft bald wie Eheleute vom Splitting profitieren. Die Berücksichtigung von Kindern würde Familien wieder einen Vorteil sichern. „Wir müssen sehen, wie wir den besonderen Wert der Ehe als Keimzelle der Familie auch angesichts der Rechtsprechung aus Karlsruhe noch deutlich machen können“, sagte Volker Kauder, Vorsitzender der Unionsfraktion, dem Magazin „Der Spiegel“. Zugleich bestätigte er die Überlegung, das Ehegattensplitting um ein Familiensplitting zu ergänzen. „Ein solcher Weg wäre mir lieber, als lediglich das Ehegattensplitting auf die gleichgeschlechtlichen Partnerschaften zu übertragen.“

Manfred Schäfers Folgen:

Technisch ist die Erweiterung des Ehegattensplittings nicht besonders schwierig. Derzeit wird das Gesamteinkommen der Eheleute gedanklich durch zwei geteilt und darauf der Tarif angelegt. Der so gefundene Steuerbetrag wird anschließend wieder mal zwei genommen. Davon profitieren Eheleute, die unterschiedlich viel verdienen. Beim Familiensplitting werden nicht nur die Eheleute, sondern auch die Kinder berücksichtigt. Ob Kinder wie Erwachsene bewertet werden sollten, wäre politisch zu klären. Denkbar ist vieles, so könnten zwei Kinder wie ein Ehepartner zählen. In dem Fall wäre der Splittingfaktor für den Nachwuchs mit 0,5 anzusetzen. In einer Familie mit zwei Kindern würde das Einkommen durch drei geteilt, darauf der Tarif angelegt und anschließend der Steuerbetrag wieder mit drei multipliziert.

Wie beim normalen Splitting auch würden nur die Ehen profitieren, die überhaupt Steuern zahlen. Zudem stiege wie bisher die Entlastung mit der Kluft zwischen den jeweiligen Einkommen. Zusätzlich, das wäre neu, würde die Zahl der Kinder sich spürbar auswirken. Wenn man das Einkommen auf die Gesamtzahl der Köpfe einer Familie verteilte, würde es für den Staat teuer. Allerdings ist damit zu rechnen, dass in dem Fall der Kinderfreibetrag entfiele.

Mehr zum Thema

Ob ein Familiensplitting angemessen ist, darüber gehen die Meinungen auseinander. Bei Ehepaaren unterstellt der Gesetzgeber, dass beide gleichermaßen zum Erwirtschafteten beitragen, unabhängig davon, wie sie die Arbeit intern verteilen. Ihren Kindern gegenüber haben Eltern nur die Verpflichtung, sie mit dem Lebensnotwendigen auszustatten und für ihre Bildung zu sorgen. Das bildet der Kinderfreibetrag in der Einkommensteuer ab. Wer zu wenig verdient, um davon profitieren zu können, erhält Kindergeld. Ein Familiensplitting gibt es in Frankreich, doch auch dort nicht in Reinform. So wird dieses gedeckelt. Damit ist der Unterschied zum deutschen System letztlich gering.

Die Überlegungen innerhalb der Union sind nicht neu. Vor fünf Jahren hieß es schon einmal, man wolle das Ehegattensplitting zu einem Familiensplitting weiterentwickeln. Volker Kauder warnt davor, zu große Erwartungen in die Pläne zu setzen: „Wir müssen sehen, was finanziell machbar ist.“

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Union Kauder gegen Neuauflage der großen Koalition

Die Union soll laut Fraktionschef Volker Kauder künftig nicht mehr zusammen mit der SPD regieren. Eine Fortsetzung der großen Koalition solle es möglichst nicht geben. Mehr

14.05.2016, 05:36 Uhr | Aktuell
Berlin Vorschläge der Union schüren Ängste unter Muslimen

Forderungen nach einer staatlichen Kontrolle von Moscheen in Deutschland stoßen bei vielen Muslimen auf wenig Verständnis. In einem am Freitag veröffentlichten Zeitungsartikel sagte Unionsfraktionschef Volker Kauder, in einigen Moscheen würden Predigten gehalten, die mit dem deutschen Staatsverständnis nicht in Einklang stünden. Mehr

29.04.2016, 18:14 Uhr | Politik
Konflikt in der CDU Flügel ohne Schlagkraft

Ein konservativer Kreis in der Union kritisiert Angela Merkels Flüchtlingspolitik. Eine Führungsfigur fehlt der Gruppe allerdings noch. Kommt ein Hesse in Frage? Mehr Von Günter Bannas, Berlin

11.05.2016, 21:56 Uhr | Politik
Was sagt uns dieses Bild? Parade der Ungleichheit

In einer phantastischen Erzählung erklären zwei Gastautoren, wie sich Einkommen in Körpergröße umwandeln lässt. Ein Hartz-IV-Empfänger würde so nur 18 Zentimeter groß. Wie steht es mit anderen? Ein Vergleich. Mehr

08.05.2016, 09:25 Uhr | Wirtschaft
Zweite Amtszeit von Gauck Die heikle B-Frage

Alle wollen es wissen, keiner weiß Bescheid: Ob Bundespräsident Joachim Gauck eine zweite Amtszeit anstrebt, will er im Frühsommer bekanntgeben. Sollte er ablehnen, haben Union und SPD ein Problem. Mehr Von Günter Bannas, Berlin

13.05.2016, 20:41 Uhr | Politik

Schweizer Wäsche

Von Johannes Ritter

Eine Tessiner Privatbank wird aufgelöst, weil sie einem korrupten malaysischen Staatsfonds bei der Geldwäsche geholfen hat. Richtig so. Mehr 1 2


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Umfrage Zwei Drittel der Europäer für Grundeinkommen

Gute Idee oder schlicht Schwachsinn? Immer mehr Menschen diskutieren über ein bedingungsloses Grundeinkommen. Die Schweizer stimmen bald ab. Nun kommt eine überraschende Umfrage heraus. Mehr 58

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden