Home
http://www.faz.net/-gqe-77een
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Steuerrecht Die Union denkt über ein Familiensplitting nach

Die CDU will Kinder im Steuerrecht stärker berücksichtigen. Die Erweiterung des bisher üblichen Ehegattensplittings um Kinder wäre nicht besonders schwierig.

© ZB Vergrößern Eheleute mit Kindern sollen Vorteil haben.

In der Union konkretisieren sich die Pläne für ein Familiensplitting in der Einkommensteuer. Grund ist die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts. Wenn das Gericht seiner Linie treu bleibt, dürften Homosexuelle in einer eingetragenen Partnerschaft bald wie Eheleute vom Splitting profitieren. Die Berücksichtigung von Kindern würde Familien wieder einen Vorteil sichern. „Wir müssen sehen, wie wir den besonderen Wert der Ehe als Keimzelle der Familie auch angesichts der Rechtsprechung aus Karlsruhe noch deutlich machen können“, sagte Volker Kauder, Vorsitzender der Unionsfraktion, dem Magazin „Der Spiegel“. Zugleich bestätigte er die Überlegung, das Ehegattensplitting um ein Familiensplitting zu ergänzen. „Ein solcher Weg wäre mir lieber, als lediglich das Ehegattensplitting auf die gleichgeschlechtlichen Partnerschaften zu übertragen.“

Manfred Schäfers Folgen:    

Technisch ist die Erweiterung des Ehegattensplittings nicht besonders schwierig. Derzeit wird das Gesamteinkommen der Eheleute gedanklich durch zwei geteilt und darauf der Tarif angelegt. Der so gefundene Steuerbetrag wird anschließend wieder mal zwei genommen. Davon profitieren Eheleute, die unterschiedlich viel verdienen. Beim Familiensplitting werden nicht nur die Eheleute, sondern auch die Kinder berücksichtigt. Ob Kinder wie Erwachsene bewertet werden sollten, wäre politisch zu klären. Denkbar ist vieles, so könnten zwei Kinder wie ein Ehepartner zählen. In dem Fall wäre der Splittingfaktor für den Nachwuchs mit 0,5 anzusetzen. In einer Familie mit zwei Kindern würde das Einkommen durch drei geteilt, darauf der Tarif angelegt und anschließend der Steuerbetrag wieder mit drei multipliziert.

Wie beim normalen Splitting auch würden nur die Ehen profitieren, die überhaupt Steuern zahlen. Zudem stiege wie bisher die Entlastung mit der Kluft zwischen den jeweiligen Einkommen. Zusätzlich, das wäre neu, würde die Zahl der Kinder sich spürbar auswirken. Wenn man das Einkommen auf die Gesamtzahl der Köpfe einer Familie verteilte, würde es für den Staat teuer. Allerdings ist damit zu rechnen, dass in dem Fall der Kinderfreibetrag entfiele.

Mehr zum Thema

Ob ein Familiensplitting angemessen ist, darüber gehen die Meinungen auseinander. Bei Ehepaaren unterstellt der Gesetzgeber, dass beide gleichermaßen zum Erwirtschafteten beitragen, unabhängig davon, wie sie die Arbeit intern verteilen. Ihren Kindern gegenüber haben Eltern nur die Verpflichtung, sie mit dem Lebensnotwendigen auszustatten und für ihre Bildung zu sorgen. Das bildet der Kinderfreibetrag in der Einkommensteuer ab. Wer zu wenig verdient, um davon profitieren zu können, erhält Kindergeld. Ein Familiensplitting gibt es in Frankreich, doch auch dort nicht in Reinform. So wird dieses gedeckelt. Damit ist der Unterschied zum deutschen System letztlich gering.

Die Überlegungen innerhalb der Union sind nicht neu. Vor fünf Jahren hieß es schon einmal, man wolle das Ehegattensplitting zu einem Familiensplitting weiterentwickeln. Volker Kauder warnt davor, zu große Erwartungen in die Pläne zu setzen: „Wir müssen sehen, was finanziell machbar ist.“

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Generaldebatte im Bundestag Dann muss es auch gut sein

Bei der Aussprache im Bundestag findet Unions-Fraktionschef Kauder klare Worte. Die Kanzlerin preist den Haushalt, und Oppositionsführer Gysi erlaubt sich ein Späßchen. Nur Bildungsministerin Wanka mag nicht lachen. Mehr

10.09.2014, 17:15 Uhr | Politik
Vertrieben und allein: Kinder leiden am meisten im Nordirak

Vor den Dschihadisten im Irak suchen nach UN-Angaben bereits rund eine halbe Million Menschen Zuflucht in der autonomen Kurdenregion im Norden des Landes. Am schlimmsten leiden die Kinder, die neben ihrer Heimat auch ihre Familien verloren haben. Mehr

20.08.2014, 15:50 Uhr | Politik
TV-Kritik: Menschen bei Maischberger Narzissmus und Egozentrik

Das Kindeswohl steht im Mittelpunkt des Familienrechts. Dummerweise scheitert es bisweilen an den Eltern, wie in der Sendung Menschen bei Maischberger deutlich wurde. Mehr

10.09.2014, 05:51 Uhr | Feuilleton
Bessere Bildung durch Crowdfunding in Amerika

Schwarmfinanzierung über das Internet, hat hilft sogenannten Start-Ups aus den Startlöchern. In Amerika sammeln nun Lehrer und Eltern über diese Art der Finanzierung Gelder für Vorschulen. Damit wollen sie dafür sorgen, dass auch Kinder aus einkommensschwachen Familien schon früh gefördert werden. Mehr

19.07.2014, 15:04 Uhr | Wirtschaft
Wuppertaler Salafisten Merkel fordert, entschieden gegen Scharia-Polizei vorzugehen

Geht es nach Bundeskanzlerin Angela Merkel, war der erste Auftritt einer Scharia-Polizei in Deutschland auch der letzte. Niemand dürfe sich in die Rolle der Polizei hineinschleichen. Andere Unionspolitiker fordern, Gesetze zu verschärfen. Mehr

08.09.2014, 19:39 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 04.03.2013, 16:07 Uhr

Lufthansas Nagelprobe

Von Ulrich Friese

Die Lufthansa reagiert mit einem Reformkurs auf die Veränderungen im internationalen Luftverkehr. Dafür sind Zugeständnisse notwendig - auch der Piloten. Der Tarifstreit ist Sinnbild des Machtkampfes zwischen Führung und Cockpit-Führern. Mehr 2


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages In deutsche Hotels kommen viele deutsche Gäste

Als klassische Reiseländer verzeichnen Spanien und Österreich im Winter viele ausländische Übernachtungsgäste. In Deutschland sieht die Situation ganz anders aus. Mehr

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden