04.04.2009 · Im Geschichtsbuch sehen sich die Gipfelteilnehmer von London schon. Ob sich später mancher wundert, wie es den Gipfelstrategen gelungen ist, den Kampf gegen Steuerhinterziehung ins Zentrum eines Treffens zu rücken, das die Lösung einer Weltfinanzkrise zum Ziel hat?
Von Heike GöbelIm Geschichtsbuch sehen sich die Gipfelteilnehmer von London schon. Was wird dort über ihren heroischen Sieg über die Steueroasen stehen? Ob sich später mancher wundert, wie es den Gipfelstrategen gelungen ist, den Kampf gegen Steuerhinterziehung ins Zentrum eines Treffens zu rücken, das die Lösung einer Weltfinanzkrise zum Ziel hat? Das eine hat mit dem anderen jedenfalls weniger zu tun, als die Staats- und Regierungschefs glauben machen wollen, die sich den Steuerfragen teils mit größerer Inbrunst widmeten als sperrigen Systemreformen.
So sind nun wie durch Zauberhand fast alle Länder, die eben noch als unkooperative Fluchtburgen für Steuerhinterzieher am Pranger standen, von der schwarzen Liste der OECD verschwunden – wie die chinesischen Hoheitsgebiete Hongkong und Macao – oder blütenweiß wieder aufgetaucht wie die Kanalinsel Guernsey. Nur Costa Rica, Malaysia, Philippinen und Uruguay sperren sich noch gegen jede Hilfe in Steuerverfahren. Wer hier sein Geld vor dem Fiskus „in Sicherheit“ wähnt, muss schon ziemlich verzweifelt sein. Glaubt man der Liste, hat sich das Steueroasenproblem also erledigt. Womit will der Bundesfinanzminister jetzt Wahlkampf machen?
Heike Göbel Jahrgang 1959, verantwortliche Redakteurin für Wirtschaftspolitik, zuständig für „Die Ordnung der Wirtschaft“.
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