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Stephanie Bschorr Kämpferin für die Frauenquote

Eine gesetzliche Regelung zur Frauenquote wird weiter hinausgeschoben. Doch Stephanie Bschorr, Präsidentin des Verbands deutscher Unternehmerinnen sieht sich in der Debatte trotzdem einen Schritt weiter. Ein Porträt.

© dapd Vergrößern „Bei den Leuten ist angekommen, dass sich die Bundeskanzlerin erstmals zur Notwendigkeit einer Quote bekannt hat“, sagt Stephanie Bschorr.

Ein Gutes hat der Kompromiss der CDU und CSU zur Frauenquote, findet Stephanie Bschorr: „Bei den Leuten ist angekommen, dass sich die Bundeskanzlerin erstmals zur Notwendigkeit einer Quote bekannt hat.“ Zwar wird eine gesetzliche Regelung nun weiter hinausgeschoben, als die Bundesratsinitiative von Hamburg, die der Bundestag am Donnerstag ablehnte. Dennoch sieht sich die Präsidentin des Verbands deutscher Unternehmerinnen (VdU) in der Debatte ein Stück weiter. Als freiheitlich denkende Betriebsmitinhaberin hat sie sich lange selbst gegen eine Regulierung gewehrt. „Wir brauchen aber ein so wesentliches Umdenken in der Gesellschaft, dass ein massiver Eingriff gerechtfertigt ist“, sagt sie.

Bschorr ist seit einem Jahr Verbandspräsidentin. Sie vertritt 1200 Unternehmerinnen und 600, die dem VdU beitreten wollen. Sie beschäftigen 500.000 Mitarbeiter und erzielen einen Jahresumsatz von zusammen 85 Milliarden Euro. In der Verbandslandschaft besitzt der VdU ein Alleinstellungsmerkmal und hat einen eigenen Blick auf frauenspezifische Themen: „Wir haben keine echte Chancengleichheit“, sagt die Juristin, die in Würzburg, München und Berlin studiert hat und 1992 in der Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung HTG als Justiziarin begann. Heute ist sie mit zwei Partnern geschäftsführende Gesellschafterin. „Wenn man als Unternehmer mehr Zeit investieren will, braucht man eine qualifizierte Betreuung. Dazu gehört auch eine Ganztagsschule.“

Es geht vor allem um das Vereinbarkeitsproblem

Vor allem um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf dreht sich ihre Verbandstätigkeit. Dabei verlangt sie beileibe nicht immer nach dem Staat. Nach der Geburt ihres ersten Sohnes teilte sie sich die Betreuung mit vier anderen Frauen und einer Tagesmutter: Jede blieb einen Tag zuhause und wickelte alle fünf Kinder. Als Konsequenz war sie lange Zeit Teilzeitgeschäftsführerin. Entsprechend verdienen ihre beiden Partner mehr Gehalt.

Ohne Druck von Außen teilten Konzernlenker die Unternehmensführung nicht zwischen den Geschlechtern auf, glaubt die VdU-Präsidentin. Solange in den Gremien weiterhin nur zwischen 5 und 15 Prozent Frauen säßen, würden neue Posten seltener mit Frauen besetzt. Dabei fehle es nicht an geeigneten weiblichen Kandidaten. „Wir haben die bestausgebildete Frauengeneration seit dem Zweiten Weltkrieg“, sagt Bschorr. In einer verbandsinternen Datenbank sind 600 Unternehmerinnen gelistet, „die morgen Aufsichtsrat werden könnten.“

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Mit der Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers hat der Verband 150 von ihnen in spezifischen Schulungen auf solche Aufgaben vorbereitet. Das Projekt will der VdU fortführen. Genügend Interessenten gibt es: 470 Unternehmerinnen wollten an dem Workshop teilnehmen. Bschorr selbst hat zwei Aufsichtsratsmandate: im Berliner Technologiepark Wista und in der Außenhandelsförderagentur Germany Trade & Invest. Weitere Posten aber gingen nicht.

Ihr Unternehmen HTG sitzt mit 80 Mitarbeitern in Berlin und Halle (Saale) und hat sich auf dem Markt eine vielversprechende Nischenposition erarbeitet. Für mittelständische Unternehmen bietet es Steuer- und Rechtsberatung sowie Wirtschaftsprüfung aus einer Hand. Die Kunden haben einen festen Ansprechpartner, der das gesamte Dossier kennt. Von Mitbewerbern grenzt sich HTG dadurch ab, dass die Mitarbeiter auch verhandlungssicher auf Englisch beraten können - auch zu internationalen Fragen. Deshalb hat die leidenschaftliche Steuerfachfrau im vergangenen Jahr den Zusatzabschluss als Fachberaterin für internationales Steuerrecht erworben.

„Steuern machen Spaß. Was wir machen, ist hoch kreativ“, sagt die Unternehmerin. Das zählt sie zu den Komponenten ihrer Philosophie. Die zwei anderen: ein kompromissloser Qualitätsanspruch an alles, was ihr Haus verlässt, und institutionalisierte Teamarbeit. Bei HTG hat sie ihre Ansprüche an die Chancengleichheit schon verwirklicht: die Frauenquote erfüllt das Unternehmen auf allen Führungsebenen. Dass Männer nach Eltern- und Teilzeit fragen, sei selbstverständlich. „Gender ist bei uns kein Thema. Das würde ich mir für das ganze Land wünschen.“

Quelle: F.A.Z.

 
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