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Politik in ländlichen Regionen : Mehr Behörden braucht das Land

Paradies für Steuerbeamte? Nach Nidda in der Wetterau werden Stellen der hessischen Finanzbehörden verlagert. Bild: Rainer Wohlfahrt

Die Politik will die ländlichen Regionen beleben. Eine derzeit besonders beliebte Idee: Stellen im öffentlichen Dienst dorthin verlagern. Doch das ist leichter gesagt als getan.

          Markus Söder war der Pionier. Im März 2015 stellte der CSU-Politiker und damalige Finanz- und Heimatminister Bayerns seinen Masterplan für den ländlichen Raum vor. Bayern sollte demnach nicht nur in München und vielleicht noch in Nürnberg oder Ingolstadt glänzen, sondern auch draußen auf dem Land, in jenen Regionen, die Städteforscher gemeinhin als „strukturschwach“ bezeichnen. Also verfügte Söder: Exakt 2225 Stellen in Behörden und 930 Studienplätze sollten binnen zehn Jahren raus aus den Städten aufs Land verlagert werden.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Kürzlich, kurz vor seiner Beförderung zum bayerischen Ministerpräsidenten, zog Söder eine Zwischenbilanz. Die Kurzfassung: läuft. 60 Prozent aller Stellenverlagerungen sind demnach schon in die Tat umgesetzt, elf weitere Behörden sollen in diesem Jahr folgen. Zwangsversetzungen, das war von Anfang an das Versprechen der Landesregierung, soll es dabei nicht geben. Das Interesse an den Stellen auf dem Land sei auch so groß genug: 3000 Interessenten habe es bislang insgesamt gegeben. „Aufgrund des großen Erfolgs“ werde nun die nächste Stufe des Projekts gezündet, frohlockte Söder.

          Mehr Behörden aufs Land – ist das die Zukunftsperspektive für ausblutende Regionen? In einer Zeit, in der die Einwohnerzahl der Großstädte beständig steigt, die auf dem Land dagegen sinkt, hält eine wachsende Zahl von Politikern das zumindest für einen interessanten Gedanken. Schließlich ist nicht jeder Großstadtbewohner auch ein überzeugter Städter. Viele leben nur deshalb dort, weil sie sonst lange Wege zur Arbeit pendeln müssten. Ihnen will die Politik jetzt im wahrsten Sinne des Wortes entgegenkommen und so zugleich für mehr Leben auf dem Land sorgen.

          Niemand muss gegen seinen Willen umziehen

          Auch in Hessen hat Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) Anfang des Jahres die Devise ausgegeben: mehr Beamte aufs Land, „in die Fläche“, wie er es nennt. So soll beispielsweise das Finanzamt des 17.000-Einwohner-Städtchens Nidda von 89 auf 120 Vollzeitstellen erweitert werden. Vor allem Arbeitsplätze der Finanzkasse sollen aus Frankfurt in die Wetterau umgesiedelt werden. Außerdem sollen Fachleute für die Unternehmensbesteuerung und Betriebsprüfer weg aus den großen Städten hin nach Groß-Gerau oder Marburg-Biedenkopf ziehen. Gut 200 dieser Versetzungen sind schon veranlasst, weitere 300 stehen noch bevor. Auch hier betont die Landesregierung: Niemand muss gegen seinen Willen umziehen.

          Längst zieht die Idee auch auf Bundesebene ihre Kreise. Vor allem der Osten Deutschlands soll mit Behörden gestärkt werden. Schließlich gibt es dort zum Leidwesen der Politik nur wenige Konzerne und Mittelständler. Und die wenigen – siehe Opel in Eisenach und Siemens in Görlitz – bauen gerade mehr Arbeitsplätze ab als auf. Schon seit dem Jahr 1992 gibt es die Vorgabe, Behörden vorrangig im Osten anzusiedeln, bis eine annähernd gleiche Verteilung in ganz Deutschland gewährleistet ist. Dass man davon noch weit entfernt ist, mahnte erst kürzlich der neue Ost-Beauftragte der Regierung, Christian Hirte (CDU), an: „Wir haben an dieser Stelle großen Nachholbedarf.“ Das gelte besonders für zwei Bundesländer: Sachsen und Thüringen. Während es bundesweit je 1000 Einwohner im Schnitt 2,3 Stellen in Bundesbehörden gebe, sei es dort weniger als eine Stelle.

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