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Steigender Konsum Hopfen für China

18.07.2007 ·  Die Pflanzer in der Hallertau hoffen auf eine gute Ernte. Entscheidend ist das Wetter im August. Die sinkende Anbaufläche und der steigende Konsum treiben die Preise für den Biergrundstoff. Von Joachim Herr.

Von Joachim Herr, München
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Warmes und feuchtes Wetter im August ist den Hopfenbauern am liebsten. Solches Klima lässt eine gute Ernte der Dolden erwarten, aus denen Aroma- und Bitterstoffe für Bier gewonnen werden. „Der Hopfen steht nicht schlecht draußen“, sagt Josef Wittmann. Jetzt hofft der Mann, der mit seiner Frau, seinem Sohn und angeheuerten Saisonkräften 40 Hektar bewirtschaftet, auf Regen am kommenden Wochenende. „Dann könnte es immerhin eine durchschnittliche Ernte in diesem Jahr geben.“ Wittmann wohnt und arbeitet in Steinbach in der Hallertau. Die Region nördlich von München ist mit mehr als 14.000 Hektar das größte Hopfenanbaugebiet der Welt.

„Bei unterdurchschnittlichen Ernten wie im Jahr 2003 kann es durchaus zu Versorgungsengpässen kommen“, berichtet Stephan Barth. Er ist geschäftsführender Gesellschafter von Joh. Barth & Sohn in Nürnberg, des größten Hopfenverarbeiters und -händlers der Welt.

Deutschland als wichtigste Anbauregion

Kritisch für die Versorgung könnte es künftig werden, weil die Anbaufläche für Hopfen in der Welt in den vergangenen zehn Jahren um rund ein Drittel auf knapp 50.000 Hektar verringert wurde. In Deutschland, der wichtigsten Anbauregion, sank sie um mehr als 20 Prozent auf 17.200 Hektar. Barth erklärt die Entwicklung mit einem blauäugigen Vertrauen der Brauindustrie auf genügend Hopfen: „Lange Jahre hat sie eher kurzfristig auf dem Spotmarkt eingekauft, anstatt sich langfristig Hopfen über Vorverträge zu sichern.“ Pflanzer und Händler hatten darunter zu leiden. Die Preise fielen von einem Tiefstand auf den nächsten, viele Hopfenbauer zogen es nach Barths Worten vor, Prämien für die Stilllegung ihrer Felder mit den Kletterpflanzen zu kassieren.

Hopfenbauer Wittmann, der Vorsitzender des Pflanzerverbands in der Hallertau ist, begründet die Aufgabe von Betrieben vor allem mit dem Generationswechsel. „Viele Söhne lernen einen anderen Beruf, weil sie von ihren Vätern hören, dass mit Hopfen für viel Arbeit nicht viel zu verdienen ist.“ Zwar sei die aktuelle Lage ganz gut. „Aber man weiß nicht, wie es in zehn Jahren ausschaut.“ Wittmann verteidigt aber die deutschen Brauereien. Sie hätten auch in den schwierigen vergangenen Jahren Vorverträge abgeschlossen.

„Seit 2003 eine Wachstumsturbophase“

Die Nachfrage nach dem wichtigsten Produkt für Hopfen, der unter anderem auch in Arzneien Verwendung findet, wächst seit einiger Zeit kräftig. Im vergangenen Jahr wurden in der Welt 1,7 Milliarden Hektoliter Bier gebraut, rund 100 Millionen Hektoliter oder 6 Prozent mehr als im Jahr zuvor. „Seit 2003 erlebt der Weltbiermarkt eine Wachstumsturbophase“, sagt Stephan Barth. Zuvor habe die Steigerung jahrzehntelang 1 bis 2 Prozent nicht überschritten. Die Hälfte des rasanten Wachstums stammt aus China. Dort sehen die Brauer und Hopfenhändler noch große Chancen. Jeder Chinese hat im Durchschnitt 25 Liter Bier im vergangenen Jahr getrunken, der Deutsche trotz des Rückgangs in den vergangenen Jahrzehnten immerhin 116 Liter. Stark nimmt der Bierdurst unter anderem auch in Vietnam und Thailand, in Mexiko und Brasilien, Russland und Rumänien sowie in Nigeria und Südafrika zu.

Die Hopfenbauer und -händler freut es nach den flauen Jahren von 1992 bis 2006. „Die Preise am Spotmarkt haben sich in der Spitze verachtfacht“, sagt Barth. Das Gros der Ernte werde für 80 bis 100 Euro je Kilogramm Alphasäure verkauft, 2006 seien es 30 bis 35 Euro gewesen. Auf einem Hektar Anbaufläche erzielt ein Hopfenpflanzer im Durchschnitt 400 Kilogramm des in den Dolden enthaltenen Bitterstoffs, der Alphasäuren.

Höhere Preise, gestiegener Ertrag

Auf die wachsende Nachfrage und das - auch wegen der Erzeugung nachwachsender Rohstoffe in der Landwirtschaft - geschrumpfte Angebot haben die Brauereien mit dem Abschluss von mehr Vorverträgen reagiert. In den Hauptanbaugebieten der Welt seien die Ernten 2007 und 2008 weitgehend schon verkauft, berichtet Barth. Die Vorvertragsquote in Deutschland beziffert er auf 95 Prozent. Zweit- und drittgrößte Anbauländer sind die Vereinigten Staaten und Tschechien. Dank des Preisanstiegs wird Joh. Barth & Sohn den Umsatz im Geschäftsjahr 2006/07, das noch bis Ende dieses Monats dauert, um fast 30 Prozent auf rund 100 Millionen Euro steigern. Für die Barth-Haas-Gruppe, zu der auch Unternehmen in den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Australien gehören, werden 180 nach 150 Millionen Euro erwartet.

Wegen der höheren Preise ist auch der Ertrag gestiegen. Zahlen verschweigt Stephan Barth aber. Er sagt nur, in den schwierigen vergangenen Jahren habe die Umsatzrendite vor Steuern 1 bis 2 Prozent erreicht. Barth bezeichnet das von ihm in achter Generation geführte Familienunternehmen als Weltmarktführer mit einem Anteil von etwa einem Drittel. An zweiter Stelle steht die amerikanische Steiner-Gruppe, die auch in der Hallertau eine große Anbaufläche besitzt.

Die Biertrinker müssen mehr zahlen

In den Kassen der Hopfenpflanzer machen sich die gestiegenen Preise aber noch nicht richtig bemerkbar. Die Vorverträge für 2007 und 2008 seien überwiegend im vergangenen Jahr abgeschlossen worden, berichtet Josef Wittmann. Vor einigen Monaten seien die Konditionen allerdings noch nicht so günstig gewesen.

Üblich sei, Verträge drei bis fünf Jahre im Voraus abzuschließen, berichtet Michael Doetsch, der technische Geschäftsführer der Münchner Paulaner Brauerei. „Wir haben schon Teile der Ernte 2011 gekauft.“ 25 Prozent der erwarteten Hopfenmenge in vier Jahren seien somit bereits gesichert. An dieser Einkaufspolitik habe sich auch in den vergangenen Jahren, als die Preise immer weiter sanken, nichts geändert. Mehr als der höhere Hopfenpreis macht den Brauereien jetzt die teurer gewordene Gerste zu schaffen. „Innerhalb eines Jahres hat sich ihr Preis verdoppelt“, klagt Doetsch. „Hopfen hat dagegen nicht so einen großen Anteil an den Produktionskosten.“ Die Biertrinker müssen auf jeden Fall mehr zahlen.

Quelle: F.A.Z., 19.07.2007, Nr. 165 / Seite 18
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