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Steigende Wasserpreise Wasser marsch

Die Deutschen sparen Wasser - weil sie Geld sparen wollen. Dabei treibt ihr ökologisches Gewissen nur die Preise in die Höhe. Auf die Dauer könnte sich Verschwendung auszahlen.

© AP Vergrößern Nichts wie unter die Dusche, wenn der Sommer zu heiß wird

Eines Tages wird man vielleicht sagen, dass die deutsche Wasserrevolution in Mühlheim an der Ruhr begonnen hat. Dort hat der Wasserversorger RWW, eine Beteiligung des Energieriesen RWE, im Januar sein Tarifsystem geändert.

Wie viel die Kunden für ihr Wasser bezahlen müssen, hängt nun je zur Hälfte von zwei Faktoren ab: Erstens davon, wie viel Wasser sie tatsächlich verduschen, vertrinken oder verkochen. Und zweitens davon, wie teuer der Betrieb des Wasserversorgungssystems an sich ist, also wie viele Rohre neu verlegt werden müssen und wie teuer oder billig die Wartung der Leitungen ist.

Entgegen allen marktwirtschaftlichen Regeln

Diese Teilung der Rechnung ist an sich nichts Besonderes. Ungewöhnlich ist, dass die neuen Preise die Kunden in Mühlheim, Gladbeck, Oberhausen oder Recklinghausen davon abhalten sollen, Wasser zu sparen. Die Stadtwerke haben nämlich die Tarife für jeden verbrauchten Kubikmeter deutlich gesenkt - das senkt auch den Anreiz für die Kunden, sich zu mäßigen. Im Gegenzug steigt der Grundpreis, an dem die Bürger durch Auf- und Zudrehen des Wasserhahns nichts ändern können.

Infografik / Kleine Ökonomie des Wassers © F.A.Z. Bilderstrecke 

Seit Jahren versuchen die Wasserversorger, die Deutschen davon abzuhalten, Wasser zu sparen. Denn im Bereich der Trinkwasserversorgung funktioniert die Preisbildung mitunter entgegen allen marktwirtschaftlichen Regeln: Die geringere Nachfrage eines Gutes treibt den Preis in die Höhe.

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„Weniger Wasser in den Leitungen kann dazu führen, dass sie korrodieren oder verkeimen“, sagt Jörg Rechenberg, Wasserexperte des Umweltbundesamtes. Das treibt die Wartungskosten. Aber nicht wegen der Sparsamkeit der Endkunden fließt weniger Wasser durch die deutschen Leitungen - noch mehr schlägt die demographische Entwicklung zu: Es gibt weniger Wasserverbraucher. So wird die Wartung teurer, die Versorger können bei ihren sparsamen Kunden aber immer weniger Geld eintreiben. Und da sie kostendeckend arbeiten müssen - so schreibt es das kommunale Abgabenrecht vor (auch für Versorger, die privatisiert wurden) -, erhöhen die Versorger die Wasserpreise. Und was tun die Verbraucher, wenn das Wasser teurer wird? Sie sparen. Also wird es noch teurer. Diese Spirale will der Mühlheimer Versorger RWW bremsen, ein bisschen wenigstens.

Die meisten wissen nicht, wie teuer oder billig ihr Wasser ist

Viel ist umstritten in der Wasserfrage, nur eine Tatsache nicht: Deutschland hat genug davon. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes fließen noch nicht einmal drei Prozent des verfügbaren Trinkwassers in die Badezimmer, Toiletten und Küchen der Bürger. Aus dieser Öko-Perspektive ist das Wassersparen an sich also nicht nötig - allenfalls das Sparen von warmem Wasser schützt die Umwelt. Denn dafür wird Energie verbraucht, was die Klimabilanz der Wasserversorgung trifft.

Aber den Opfern afrikanischer Dürrekatastrophen hilft es gewiss nicht, wenn der Bamberger oder die Kölnerin ihre WC-Spülstopp-Taste betätigen. Und nicht einmal sich selbst hilft der sparsame Verbraucher - da eben unter dem Strich gerade seine Sparsamkeit dazu beitragen kann, dass die Wasserleitung gammelt und die Rechnung unter dem Strich teurer wird. Und Mieter eines Mehrfamilienhauses können noch so sparsam sein, wenn ihre Nachbarn fröhlich Wasser verprassen - der Vermieter legt am Ende des Monats die Kosten auf alle gleichmäßig um.

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