http://www.faz.net/-gqe-754rw
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 17.12.2012, 17:13 Uhr

Steigende Immobilienpreise Reiche Griechen kaufen Wohnungen in Berlin

Wohlhabende Spanier und Griechen reißen sich um Berliner Wohnungen, besonders in Szenevierteln wie Mitte oder Prenzlauer Berg. So wollen sie sich vor den Folgen der Eurokrise  schützen. Viele bezahlen bar.

© dpa Berlin ist unter Immobilienkäufern derzeit besonders beliebt.

Wohnungskauf in Berlin kann frustrieren: „Da kommen Käufer aus Polen und legen die Kaufsumme einfach bar auf den Tisch“, berichtet ein genervter Interessent. Die Konkurrenz aus dem Ausland sei gerade in den Szenevierteln Kreuzberg, Mitte oder Prenzlauer Berg stark. „Und Makler konfrontieren einen nicht selten mit Sprüchen wie „Stellen Sie sich nicht so an, andere fragen auch nicht so viel nach.“ Manche nähmen die Objekte sogar ungesehen.

Berliner Immobilien sind schon länger gefragt. Seit Beginn der Eurokrise aber drängen noch mehr ausländische Investoren auf den Hauptstadtmarkt, viele aus den finanziell angeschlagenen Ländern Spanien und Italien. Gut ein Drittel der Käufer komme aus dem Ausland, berichtet der Geschäftsführer des Immobiliendienstleisters Accentro, Jacopo Mingazzini. Fast alle zahlten - anders als deutsche Interessenten - in bar. Tetzlaff-Immobilien hat ebenfalls viele Kunden aus Spanien, zu Engel&Völkers kommen Griechen und Italiener. Auch das Internetportal Immobilienscout24 zählte einen deutlichen Anstieg von Kaufgesuchen aus Griechenland.

Neben der Schweiz der letzte Rettungsanker

„Wir sind international neben der Schweiz oft der letzte Rettungsanker“, begründet Analyst Thomas Beyerle vom Immobilieninvestor IVG das Interesse für Deutschland. Griechen und Spanier wollten ihr Geld in Sicherheit bringen. „Sie kaufen sich das Versprechen von Stabilität und sind dafür oft bereit, höhere Preise zu akzeptieren.“

Mehr zum Thema

Das treibt nicht nur für deutsche Immobilienkäufer den Preis kräftig in die Höhe. „Mittelfristig wird es auch den Mieten nicht guttun“, sagt Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund voraus. Vor allem in Berlin ziehen die Mieten bereits kräftig an - für neue Verträge in den vergangenen fünf Jahren um fast ein Fünftel.

Auch Hamburg, München und Frankfurt begehrt

Spürbar ist der Einfluss ausländischer Investoren Beyerle zufolge nicht nur in Berlin, sondern auch in Hamburg, München und Frankfurt. Anders als beim letzten Immobilienboom 2004 interessierten sie sich dagegen weniger für idyllische Häuschen auf dem Land. In der Großstadt seien sich Käufer einfach sicherer, ihre Wohnungen später zu guten Preisen wieder loszuwerden.

Die größte Anziehungskraft hat Berlin - nicht nur wegen des Hauptstadtflairs. „Berlin ist im europäischen und auch innerdeutschen Vergleich weiterhin sehr günstig“, erläutert Mingazzini. Trotz zuletzt deutlich anziehender Preise finde man hier auch in guten Lagen immer noch Wohnungen zum Quadratmeterpreis von 1400 bis 1500 Euro. „Das ist in Metropolen wie Paris, Bologna oder Mailand undenkbar.“

Das gute Image hilft Berlin

Hinzu komme das extrem gute Image der Stadt: Berlin ist im Ausland angesagt, die Übernachtungszahlen steigen kontinuierlich. Investoren könnten wegen der vergleichsweise günstigen Mieten weiterhin mit vernünftigen Renditen rechnen. „Und ein Ende ist nicht abzusehen, denn der Zuzug nach Berlin hält an“, betont Mingazzini.

Der hohe Anteil an Single-Haushalten fördere zudem die Nachfrage nach Mietwohnungen enorm, sagt Einar Skjerven von der Skjerven Group. „Wer in Berlin kauft, kauft Wohnungen mit viel Potential zur Wertsteigerung.“ In München oder Hamburg gebe es solche Entwicklungschancen nicht.

Dabei geht es oft nicht einmal um Luxuslofts mit Dachgarten, nicht nur um den Prenzlauer Berg, sondern auch um die Mittelklasse-Wohnung im alten Westen. Nicht nur reiche Griechen kaufen in Berlin, berichten die Makler, sondern viele Familienväter, die ihren studierenden Kindern in der Boomstadt eine Wohnung sichern wollen.

Quelle: DPA

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Ferienhäuser Rügen kann so teuer sein wie München

Seit Ferienhäuser als Kapitalanlage geschätzt werden, steigen die Preise. Doch die größten Sprünge verzeichnen nicht mehr die Top-Standorte. Mehr Von Judith Lembke

05.05.2016, 18:59 Uhr | Finanzen
Kreuzberger Craftbier Braukunst aus Berlin

Kleinstbrauereien haben alle Freiheiten und schießen wie Pilze aus dem Boden. Die Hauptstädter lieben junge, hippe Biere. Johannes Heidenpeters war Künstler und wurde zum Bierbrauer. Er produziert Craftbier im Szeneviertel Kreuzberg. Das Reinheitsgebot muss er nicht beachten – und das findet er gut so. Mehr

13.04.2016, 15:38 Uhr | Wirtschaft
Wohnhochhaus Grand Tower Luxuswohnungen bei Ausländern beliebt

Das Wohnhochhaus Grand Tower im Europaviertel ist bereits zu 25 Prozent vermarktet. Makler sehen Chancen für weitere Türme, andere sprechen von einer drohenden Immobilienblase. Mehr Von Rainer Schulze, Frankfurt

28.04.2016, 11:01 Uhr | Rhein-Main
Video Wie stehen die Deutschen zur Debatte um Plastiktüten?

Seit Kurzem vergeben viele Händler keine kostenlosen Plastiktüten mehr. Die Initiative des Handelsverbands Deutschland hat eine Debatte ausgelöst. Umweltschützern geht die Initiative nicht weit genug. Käuferinnen und Käufer in Berlin hingegen finden die Idee gut. Mehr

27.04.2016, 16:59 Uhr | Wirtschaft
Bürgermeisterwahl London zerstört dich

Das viele Geld, das aus aller Welt nach London geflossen ist, hat die Stadt internationalisiert, aber auch steril gemacht. An diesem Donnerstag wählen die Bewohner ihren Bürgermeister und können zwischen einem Milliardenerben und dem Sohn eines pakistanischen Einwanderers entscheiden. Mehr Von Jochen Buchsteiner, London

04.05.2016, 11:30 Uhr | Politik

Euro-Alchemisten

Von Holger Steltzner

Nachdem die EZB das Aus für den 500-Euro-Schein beschlossen hat, versucht der für Bargeld zuständige EZB-Direktor die Kritiker zu beruhigen. Was er sagt, ist redlich. Aber leider stieß er innerhalb der EZB bislang auf taube Ohren. Mehr 19 90


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Staatsfinanzen Was tun mit noch mehr Steuer-Milliarden?

Deutschland wird wegen der guten Wirtschaftslage wohl noch viel mehr Steuern einnehmen als gedacht. Schon beginnt der Streit, was damit geschehen soll. Mehr 17

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden