Home
http://www.faz.net/-gqe-754rw
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
CIO View

Steigende Immobilienpreise Reiche Griechen kaufen Wohnungen in Berlin

Wohlhabende Spanier und Griechen reißen sich um Berliner Wohnungen, besonders in Szenevierteln wie Mitte oder Prenzlauer Berg. So wollen sie sich vor den Folgen der Eurokrise  schützen. Viele bezahlen bar.

© dpa Berlin ist unter Immobilienkäufern derzeit besonders beliebt.

Wohnungskauf in Berlin kann frustrieren: „Da kommen Käufer aus Polen und legen die Kaufsumme einfach bar auf den Tisch“, berichtet ein genervter Interessent. Die Konkurrenz aus dem Ausland sei gerade in den Szenevierteln Kreuzberg, Mitte oder Prenzlauer Berg stark. „Und Makler konfrontieren einen nicht selten mit Sprüchen wie „Stellen Sie sich nicht so an, andere fragen auch nicht so viel nach.“ Manche nähmen die Objekte sogar ungesehen.

Berliner Immobilien sind schon länger gefragt. Seit Beginn der Eurokrise aber drängen noch mehr ausländische Investoren auf den Hauptstadtmarkt, viele aus den finanziell angeschlagenen Ländern Spanien und Italien. Gut ein Drittel der Käufer komme aus dem Ausland, berichtet der Geschäftsführer des Immobiliendienstleisters Accentro, Jacopo Mingazzini. Fast alle zahlten - anders als deutsche Interessenten - in bar. Tetzlaff-Immobilien hat ebenfalls viele Kunden aus Spanien, zu Engel&Völkers kommen Griechen und Italiener. Auch das Internetportal Immobilienscout24 zählte einen deutlichen Anstieg von Kaufgesuchen aus Griechenland.

Neben der Schweiz der letzte Rettungsanker

„Wir sind international neben der Schweiz oft der letzte Rettungsanker“, begründet Analyst Thomas Beyerle vom Immobilieninvestor IVG das Interesse für Deutschland. Griechen und Spanier wollten ihr Geld in Sicherheit bringen. „Sie kaufen sich das Versprechen von Stabilität und sind dafür oft bereit, höhere Preise zu akzeptieren.“

Mehr zum Thema

Das treibt nicht nur für deutsche Immobilienkäufer den Preis kräftig in die Höhe. „Mittelfristig wird es auch den Mieten nicht guttun“, sagt Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund voraus. Vor allem in Berlin ziehen die Mieten bereits kräftig an - für neue Verträge in den vergangenen fünf Jahren um fast ein Fünftel.

Auch Hamburg, München und Frankfurt begehrt

Spürbar ist der Einfluss ausländischer Investoren Beyerle zufolge nicht nur in Berlin, sondern auch in Hamburg, München und Frankfurt. Anders als beim letzten Immobilienboom 2004 interessierten sie sich dagegen weniger für idyllische Häuschen auf dem Land. In der Großstadt seien sich Käufer einfach sicherer, ihre Wohnungen später zu guten Preisen wieder loszuwerden.

Die größte Anziehungskraft hat Berlin - nicht nur wegen des Hauptstadtflairs. „Berlin ist im europäischen und auch innerdeutschen Vergleich weiterhin sehr günstig“, erläutert Mingazzini. Trotz zuletzt deutlich anziehender Preise finde man hier auch in guten Lagen immer noch Wohnungen zum Quadratmeterpreis von 1400 bis 1500 Euro. „Das ist in Metropolen wie Paris, Bologna oder Mailand undenkbar.“

Das gute Image hilft Berlin

Hinzu komme das extrem gute Image der Stadt: Berlin ist im Ausland angesagt, die Übernachtungszahlen steigen kontinuierlich. Investoren könnten wegen der vergleichsweise günstigen Mieten weiterhin mit vernünftigen Renditen rechnen. „Und ein Ende ist nicht abzusehen, denn der Zuzug nach Berlin hält an“, betont Mingazzini.

Der hohe Anteil an Single-Haushalten fördere zudem die Nachfrage nach Mietwohnungen enorm, sagt Einar Skjerven von der Skjerven Group. „Wer in Berlin kauft, kauft Wohnungen mit viel Potential zur Wertsteigerung.“ In München oder Hamburg gebe es solche Entwicklungschancen nicht.

Dabei geht es oft nicht einmal um Luxuslofts mit Dachgarten, nicht nur um den Prenzlauer Berg, sondern auch um die Mittelklasse-Wohnung im alten Westen. Nicht nur reiche Griechen kaufen in Berlin, berichten die Makler, sondern viele Familienväter, die ihren studierenden Kindern in der Boomstadt eine Wohnung sichern wollen.

Quelle: DPA

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Bedarf bis 2020 In Berlin fehlen Zehntausende Wohnungen

Wohnungen sind in den Großstädten zunehmend Mangelware. Doch während in Berlin, München und Hamburg zu wenig Immobilien entstehen, wird auf dem Land sogar zu viel gebaut. Mehr Von Anne-Christin Sievers

19.08.2015, 10:31 Uhr | Finanzen
Franken-Freigabe Schwere Verluste für polnische Kreditnehmer

2008 war ein Schweizer Franken gerade mal 2 Polnische Zloty wert. Viele Polen nahmen für Immobilien daraufhin Kredite in der Schweiz auf. Doch der Kurs hat sich dramatisch geändert. Viele Polen befürchten, ihre Kredite nicht mehr bedienen zu können. Mehr

24.08.2015, 12:05 Uhr | Wirtschaft
Geldpolitik und Immobilien Glücklich, wer in solchen Zeiten ein Häuschen besitzt

Die Bundesbank hat untersuchen lassen, wie sich die lockere Geldpolitik auf die Ungleichheit auswirkt. Von steigenden Hauspreisen profitieren auch Ärmere – außer in Deutschland. Mehr Von Christian Siedenbiedel

27.08.2015, 10:29 Uhr | Finanzen
Bauboom durch Niedrigzins Immobilien – Boom oder Blase?

Die Epoche des billigen Geldes hat gerade erst richtig begonnen. Besonders Deutschland steckt im Bauboom, an der Spitze steht Berlin. Experten sehen einen langen andauernden Immobilienboom voraus. Und schon warnen die ersten vor einer Blase. Mehr

13.08.2015, 12:18 Uhr | Wirtschaft
Dax-Neuling Willkommen, Deutsche Annington!

Der Dax bekommt ein neues Mitglied: ein Wohnungsunternehmen. Die Deutsche Annington wird in den Kreis der 30 größten deutschen Unternehmen aufgenommen. Was taugt die Aktie? Mehr Von Dyrk Scherff

30.08.2015, 14:07 Uhr | Finanzen

Veröffentlicht: 17.12.2012, 17:13 Uhr

Wettstreit der Ideen

Von Johannes Pennekamp

Nur wer dem Mainstream nach dem Mund redet, bringt es in den Wirtschaftswissenschaften zu Anerkennung. Das bemängeln Kritiker. Sie könnten das ändern - wenn sie wollen. Mehr 0


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden

Grafik des Tages Die Zukunft der Social-Media-Werbung ist mobil

Facebook, Twitter und Co. werden vor allem auf dem Smartphone genutzt. Das zieht die Werbeindustrie an. Mehr 0