http://www.faz.net/-gqe-758iy
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 22.12.2012, 07:00 Uhr

Statistisches Bundesamt Geringfügig Beschäftigte bekommen nur geringfügige Lohnerhöhungen

Während selbst ungelernte Arbeiter zwischen 2007 und 2011 die Inflation durch Lohnerhöhungen ausgleichen konnten, gelang das geringfügig Beschäftigten nicht. Das besagen neue Daten des Statistischen Bundesamts.

© dpa Je kleiner der Job, desto kleiner das Gehaltsplus.

Geringfügig Beschäftigte haben in Deutschland auch die geringsten Aussichten auf Gehaltssteigerungen. Das geht aus einem am Freitag vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten
Langzeitvergleich der Entgelte verschiedener Berufsgruppen hervor.

Als einziger Gruppe ist es den geringfügig Beschäftigten von 2007 bis 2011 nicht gelungen, die Teuerung von 6,6 Prozent durch höhere Löhne komplett auszugleichen. Sie hatten laut Statistik nur 6,0 mehr Geld in der Tasche, verloren also real Kaufkraft.

Selbst ungelernte Kräfte konnten Inflation ausgleichen

Ganz anders sieht das bei den Voll- und Teilzeitbeschäftigten aus, die nominal Steigerungen um 9,2 beziehungsweise 10,3 Prozent und damit Zuwächse bei den Reallöhnen erreichten. Im Schnitt stiegen die Arbeitsentgelte um 9,4 Prozent. Weit darüber lagen die Steigerungen für leitende Arbeitnehmer (+12,4 Prozent) und herausgehobene Fachkräfte (+9,8 Prozent). Selbst angelernte und ungelernte Arbeiter konnten die Inflation noch ausgleichen, sofern sie nicht geringfügig beschäftigt waren.

Alle profitierten von der seit Jahresbeginn 2010 stetig steigenden Lohnentwicklung. Die Reallöhne sind im Jahresvergleich seit elf Quartalen nicht mehr gesunken, teilten die Statistiker mit. Die
nominalen Löhne stiegen im Osten (+ 10,7 Prozent) etwas mehr als im Westen (+9,2). Die im Schnitt schlechter bezahlten Frauen holten mit 9,6 Prozent gegenüber den Männern leicht auf, die auf ein Plus von 9,3 Prozent kamen.

Ein vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmer verdiente den Angaben des Statistischen Bundesamts zufolge im dritten Quartal im Durchschnitt 3404 Euro brutto im Monat - ohne Berücksichtigung von Sonderzahlungen. Die beste Bezahlung erhielten demnach die Beschäftigte von Banken und Versicherungen mit im Durchschnitt 4495 Euro, in der Energieversorgung mit 4494 Euro und im
Bereich Information und Kommunikation (4395 Euro). Am wenigsten verdienten Beschäftigte im Gastgewerbe mit einem durchschnittlichen Bruttomonatsverdienst von 1987 Euro.

Mehr zum Thema

Quelle: DPA/AFP

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Soziale Ungleichheit In der Abstiegsgesellschaft

Aus der Gesellschaft des sozialen Aufstiegs ist eine Gesellschaft des Abstiegs, der Prekarität und Polarisierung geworden. Wie konnte das passieren? Mehr Von Oliver Nachtwey

15.06.2016, 21:22 Uhr | Wirtschaft
Brexit Briten profitieren von EU-Arbeitsgesetzen

Die Briten verdanken es der EU, dass sie es als Arbeitnehmer heute besser haben als noch vor Jahren. Die Rechte der Arbeiter wurden gestärkt, die Arbeitsbedingungen wurden familienfreundlicher. Ein möglicher Brexit würde Vieles aufs Spiel setzen. Mehr

23.06.2016, 02:00 Uhr | Wirtschaft
Kontroverse Debatte Die Regelstudienzeit - Fluch oder Segen?

Kritiker sprechen von einem Beschleuniger für Studienabbrüche, Befürworter von einer wichtigen Hilfe zur Orientierung: Die Regelstudienzeit ist höchst umstritten. Zeit, sie abzuschaffen? Mehr Von Hannah Bethke

23.06.2016, 05:38 Uhr | Beruf-Chance
Tomball in Texas Ohnmächtiger Mann von 20 Meter hohem Schild gerettet

Im texanischen Tomball mussten Rettungskräfte einen Mann von einer 20 Meter hohen Werbetafel retten. Laut Rettungskräften war der Arbeiter in dem Werbepanel ohnmächtig geworden. Mehr

15.06.2016, 08:33 Uhr | Gesellschaft
Tarifeinigung Chemie-Beschäftigte erhalten in zwei Stufen mehr Geld

Ohne großen Theaterdonner haben sich die Tarifpartner in der Chemie-Industrie auf eine neue Gehaltsstruktur geeinigt. Innerhalb von zwei Jahren gibt es zwei Mal mehr Geld. Mehr

23.06.2016, 16:53 Uhr | Wirtschaft

Das Unverständnis der EU-Freunde

Von Patrick Bernau

Das Brexit-Votum gefällt uns nicht, stimmen wir doch einfach noch mal ab! Was ist das für ein Verständnis von Demokratie? Mehr 67 274

Kommentar Ein Sieg des Misstrauens

Es geht nicht nur um die EU. Hinter der Brexit-Entscheidung steht ein drängendes Problem, das auch viele andere Länder betrifft. Mehr Von Patrick Bernau 307 303

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden