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Statistik Verdammte Prognosen

 ·  Ob Wetter oder Wirtschaftswachstum: Die Kunst der Vorhersage ist arg in Verruf gekommen. Schade. Denn wir brauchen sie dringend, um die Zukunft zu meistern. Was läuft falsch bei den Prognosemodellen?

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© dpa Vergrößern Wenn die Sonne einmal aufgeht, kann das Zufall sein. Mit jedem weiterem Sonnenaufgang steigt die Wahrscheinlichkeit, dass wir Zeuge eines Naturgesetzes sind

Mathematik ist ein prima Gesprächsthema, wenn man die Party-Stimmung versauen will. Doch ausgerechnet ein Buch, in dem es um Statistik geht, hat es jetzt in die amerikanischen Bestsellerlisten gebracht. „The Signal and the Noise“ (Das Signal und das Rauschen) vom Statistiker und Blogger Nate Silver preschte im Herbst dieses Jahres in die amerikanischen Bestsellerlisten. Es geht darum, warum statistische Prognosemodelle versagen und wie sie besser werden können.

Der Verkaufserfolg dieses Buches ist Ausdruck eines großen Hungers auf Erklärungen für gravierende Fehlprognosen. Wie konnte es geschehen, dass historisch einschneidende Ereignisse - 9/11, die Finanzkrise - nicht vorgesagt wurden? Wie kann es sein, dass die gut bezahlten Wissenschaftler gerade dann versagen, wenn man sie am nötigsten braucht?

Augenfällig und reichlich debattiert ist das Versagen der Ökonomen. Die Finanzkrise haben wenige vorhergesehen, die nachfolgende Weltwirtschaftskrise noch weniger. Noch im Juni 2008 prognostizierte die OECD mit ihrem geballten Sachverstand ihren Mitgliedsländern (Ausnahme Island) positive Wachstumsraten für 2008 und 2009. Tatsächlich folgten die zwei schwersten Krisenjahre seit den dreißiger Jahren.

Die fehlprognostizierenden Ökonomen sind in bester Gesellschaft. Wissenschaftler anderer Disziplinen versäumten die richtigen Vorhersagen bei terroristischen Attentaten, technologischen Durchbrüchen oder Erdbeben. Offenkundig ist, dass die Öffentlichkeit Fehlprognosen immer weniger toleriert. So wurden dieses Jahr sechs italienische Wissenschaftler und ein Beamter zu Gefängnisstrafen verurteilt, weil sie nach Auffassung des Gerichts die Gefahr eines drohenden schweren Erdbebens heruntergespielt haben. Das Beben tötete vor drei Jahren 309 Menschen in der zentralitalienischen Stadt L’Aquila.

Was läuft falsch bei den Prognosemodellen? Eine Antwort lautet: Die Welt ist einfach zu kompliziert, die Wirtschaft ohnehin. Der Basler Ökonomie-Professor Yvan Langwiler sagt, die Wirtschaftswissenschaft sei für die Prognose kaum zu gebrauchen. „Das liegt daran, dass unser Studienobjekt außerordentlich komplex ist - viel komplexer beispielsweise als das physische Universum. Planetenbahnen zu prognostizieren ist ein Kinderspiel im Vergleich zur Prognose des Wechselkurses oder des Bankrotts einer Firma.“

Der skandinavische Ökonom Knut Wicksell konnte vor rund 90 Jahren das Wirtschaftssystem mit einem Schaukelpferd erklären: Es wird mit einem Stock kräftig geschlagen, und das Pferd beginnt in abnehmender Intensität zu schaukeln. Das Resultat erscheint berechenbar. Was ist aber, wie der britische Ökonom Andrew Haldane fragte, wenn wir statt des Schaukelpferdes ein Wildpferd innerhalb einer kleinen Herde schlagen? Das getroffene Tier brennt durch und schreckt andere Pferde der Herde auf, die ihrerseits losrennen und andere animieren. Es gibt ein kaum berechenbares wildes Galoppieren, bis sich die Herde wieder beruhigt. Es spricht einiges dafür, dass die heutige Wirtschaft eher einer Wildtierherde als einem Schaukelpferd ähnelt.

Die Wetter-Vorhersagen sind zehnmal zuverlässiger geworden

Vor diesem Hintergrund propagiert Nassim Nicholas Taleb die Unmöglichkeit von Prognosen in einer verrückten Welt. Sein 2007 erschienenes grundpessimistisches Buch „Schwarzer Schwan“ eroberte ebenfalls obere Ränge auf der Liste der Verkaufsschlager trotz der ganzen Statistik darin. Aber hat Taleb recht?

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