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Start zum 1. August : Das neue Aufstiegs-Bafög soll Lehrberufe aufwerten

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Gute Zukunft als Handwerksmeister? Das neue Aufstiegs-Bafög soll Lust darauf wecken. Bild: dpa

Ab diesem Montag gibt es das neue „Aufstiegs-Bafög“. Es soll ein Signal für junge Leute sein, dafür dass es auch in Lehrberufen Aufstiegschancen gibt. Denn immer mehr wollen lieber studieren als eine Ausbildung machen.

          Die Fakten sind ernüchternd: Während die Universitäten in Deutschland bei rund 2,8 Millionen Studenten aus allen Nähten platzen, ist das Interesse an der beruflichen Bildung im stetigen Sinkflug. Ein reformiertes, finanziell verbessertes „Meister-Bafög“ soll für junge Menschen ein Signal sein, dass es auch in Lehrberufen reichlich Aufstiegschancen gibt. Daher heißt das an diesem Montag startende Angebot nun „Aufstiegs-Bafög“

          Das „Aufstiegs-Bafög“ soll Aufstiegswilligen die Entscheidung für eine Weiterbildung gerade auch finanziell erleichtern und Familienfreundlichkeit in den Mittelpunkt stellen. Also steigen ab 1. August die Förderbeiträge für Lebensunterhalt und Lehrgangskosten, Zuschläge für Kinderbetreuung sowie der sogenannte Erfolgsbonus. Die Erhöhung der maximalen Unterhaltsbeiträge wirkt sich so aus: für Alleinstehende ein Zuwachs von 697 auf 768 Euro im Monat, für Alleinerziehende von 907 auf 1003 Euro, für Verheiratete mit einem Kind von 1122 auf 1238 Euro, für Verheiratete mit zwei Kindern von 1332 auf 1473 Euro.

          Das reformierte Angebot zielt nicht nur auf junge Aufsteiger in spe - eine Altersgrenze für die Förderung gibt es nämlich nicht. Aber in manchen Äußerungen von Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) ist durchaus der Wunsch spürbar, den ohnehin überfüllten Hochschulen zugunsten der beruflichen Bildung Bewerber abzujagen. Wanka avisiert für angehende Handwerksmeister und hoch qualifizierte Fachkräfte "ein ähnlich geringes Risiko, erwerbslos zu werden wie bei Akademikern, die schnelle Chance auf Verantwortung sowie attraktive Verdienst- und Karriereperspektiven". Ihr Credo: Die duale Ausbildung ist entgegen manchen Befürchtungen keine Sackgasse.

          Viele finden duale Ausbildung nicht mehr attraktiv

          Denn es steht nicht gut um die duale Ausbildung in Deutschland. Das ist der Grund für diverse Initiativen, die bewährte Kombination aus betrieblicher Lehre und Berufsschule wieder aufzupäppeln. Nach dem jüngsten Berufsbildungsbericht sank die Zahl der neuen Ausbildungsverträge 2015 abermals leicht auf etwa 520.000. Nur jede fünfte Firma in Deutschland bildet noch aus - zugleich klagen die Unternehmen, dass ihnen gute Bewerber fehlen. „Der Anteil derer, die ins duale System gegangen sind, ist in den vergangenen 15 Jahren um 100.000 Personen gefallen„, sagt Professor Kai Maaz vom Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF).

          Wanka möchte die Attraktivität der dualen Ausbildung einerseits durch Programme stärken, mit denen junge Menschen schon in der 7. und 8. Klasse über die Vorteile eines Lehrberufs informiert werden. Andererseits will sie im Bildungssystem die „Durchlässigkeit“ verbessern - daher die Idee eines möglichst attraktiven "Meister-Bafögs", das mehr Anreize zur beruflichen Weiterbildung oder gar zu einem späteren Studium geben soll. Denn: „Auch der Wechsel an eine Hochschule ist möglich“, betont Wanka.

          Die Bilanz aus 20 Jahren Meister-Bafög  ist gemischt. Es wurden bislang etwa 1,7 Millionen Aufstiege zu Führungskräften, Mittelständlern und Ausbildern für Fachkräfte von morgen mit einer Förderleistung von insgesamt rund 6,9 Milliarden Euro ermöglicht. Allerdings ging das Interesse zuletzt zurück: Erstmals seit sieben Jahren ließen sich 2015 weniger Berufstätige (minus 5,7 Prozent) durch ein Meister-Bafög unterstützen, wie Mitte Juli das Statistische Bundesamt bilanzierte. Wanka nahm dies gelassen zur Kenntnis: Weil sich der Rückgang abzeichnete, hätten Bundestag und Bundesrat rechtzeitig eine Reform des „Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetzes“ (AFBG) verabschiedet.

          Und gibt es auch mal was Neues beim Studenten-Bafög? Ja. Nach sechsjährigem Stillstand ist es ebenfalls zum 1. August soweit: Die Bafög-Sätze steigen um sieben Prozent, Studierende mit eigener Wohnung können dann bis zu 735 Euro monatlich erhalten (plus 9,7 Prozent). Um 7 Prozent erhöhen sich die Einkommensfreibeträge der Eltern, so können etwa 110.000 Studierende und Schüler mehr Bafög erhalten.

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