Home
http://www.faz.net/-gqe-owh1
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Start-up Window-Dressing: Lockmittel für Start-ups und Investoren

06.05.2004 ·  Hübsch erscheinen, wenn andere zuschauen - das ist das Ziel des window dressing auch unter Venture Capital-Gesellschaften. Bei der Beurteilung der Qualität ihrer Porfolios müssen Start-ups und Investoren vorsichtig sein.

Von Carola Jungwirth
Artikel Lesermeinungen (0)

Ein Venture Capitalisten (VC) muß Erfolg signalisieren, auch wenn er ihn gar nicht hat. Mit Hilfe des „window dressing“ kann er das eigene Portfolio gut aussehen lassen, auch wenn er gar nicht erfolgreich war. Aber kann ein Start-up, das einen erstklassigen Investor sucht, dann noch vom Portfolio auf die Qualität des VC schließen?

Erfolg ist das beste Mittel, um Investorengelder oder aussichtsreiche Unternehmensgründer anzulocken. Allerdings wollen Investoren wie Gründer diesen Erfolg auch sehen. Da Renditen in Venture Capital-Fonds mit langen zeitlichen Verzögerungen anfallen, überprüfen sie in der Regel vierteljährlich die Qualität des Portfolios. Dazu gibt der VC eine Liste mit allen im Portfolio gehaltenen Unternehmen sowie deren Performance-Daten heraus. Für den VC ist es entscheidend, bei diesen Reportings zumindest genauso gut abzuschneiden, wie seine Konkurrenten. Das sichert ihm das Wohlwollen seiner Investoren und signalisiert einem Start-up auf der Suche nach Förderung, daß er sein Handwerk versteht.

Auch ein geschöntes Portfolio hat Aussagekraft

Daher schönt der VC mitunter sein Portfolio: Er verkauft vor einem Report Unternehmensanteile, die sich als Flops erwiesen haben, und kauft dafür sehr teure Anteile von sogenannten High Flyern ein. High Flyer sind Unternehmen, die die Einlagen der Investoren bisher um das mindestens zehnfache vervielfacht haben. Im Portfolio machen sich solche Anteile gut. Zwar treibt das „window dressing“ die Renditen eines VC langfristig nicht in die Höhe. Dennoch kann der VC zumindest aktuell so tun, als habe er „den richtigen Riecher“ gehabt. Die Frage ist, ob man aus einem geschönten Portfolio trotzdem auf die Qualität eines VC schließen kann?

Man kann! Denn VC sind Netzwerker und verhalten sich reziprok. Denn welches Interesse sollte die „Spürnase“, die den High Flyer entdeckt und großgemacht hat, am Verkauf der Anteile vor dem lukrativen Börsengang haben? - Auch er muss unter Umständen in einer späteren Periode sein Portfolio schönen und braucht dafür ein paar Aushängeschilder. Deshalb erwartet er denselben Gefallen im Gegenzug von seinem Kollegen.

Portfolio auf strategische Konsistenz hin überprüfen

Damit läßt sich aber durchaus etwas zur Qualität eines VC sagen, der „window dressing“ betreibt, nämlich: Seine Kollegen trauen ihm zu, daß auch er High Flyer an Land ziehen kann. Und das ist ein sehr gutes Signal.

Dennoch sollten Start-ups und Investoren gleichermaßen neben der Portfolioqualität mindestens ein weiteres Signal überprüfen, nämlich die "strategische Konsistenz" des VC. Bei der strategischen Konsistenz geht es um die Frage, ob der VC auch über das Wissen, die Fähigkeiten und die Kenntnisse verfügt, Projekte sachgerecht zu beurteilen und in wertsteigernder Weise zu betreuen.

Nicht nur für den Moment - auch langfristig gut aussehen

Es ist leicht nachvollziehbar, daß eine Unternehmensgründung im Biotechbereich nur von einem Biotechnologen adäquat eingeschätzt werden kann, während die Idee zu einem innovativen Fast-Food-Lieferservice auch einem Diplomkaufmann schnell plausibel sein wird. Betreut nun ein VC mit Schwerpunkt Biotechnologie Gastronomieprojekte, sollte das stutzig machen, weil er sein teuer erworbenes Fachwissen verschwendet. Betreuen wiederum Diplom-Kaufleute und Juristen Biotechnologie-Projekte, ist daran zu zweifeln, daß sie das Projekt überhaupt verstehen.

Die meisten Venture Capitalisten veröffentlichen die Art ihrer Projekte und die Ausbildung ihrer Portfoliomanager auf ihren Homepages. Diese Information sollten sich die Investoren zunutze machen. Denn nicht nur, ob das Portfolio aktuell gut aussieht, ist wichtig, sondern auch, ob es die Chance hat, langfristig gut auszusehen.

Dr. Carola Jungwirth ist Habilitandin an der Universität Zürich, Fakultät für Wirtschaftswissenschaften, Lehrstuhl für Unternehmensführung und -politik. Für ihre Arbeiten zu Venture Capital wurde sie mehrfach ausgezeichnet und ihre Projekte werden mit Mitteln aus der Zürcher Richard-Büchner-Stiftung unterstützt.

http://www.isu.unizh.ch/fuehrung/

Quelle: @rwi
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Die Förderlücke

Von Heike Göbel

Der Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld ist ein Ausweis unbelehrbaren Glaubens an die unbegrenzte Leistungsfähigkeit des Sozialstaates. Dass Eltern ihre Kinder, wie seit Menschengedenken, unbezahlt hüten, ist in Deutschland offenbar nicht mehr denkbar. Mehr 8 7

29.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.396,84 +1,16%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.394,15 +1,26%
Dow Jones 12.580,70 +1,01%
EUR/USD 1,2465 −0,19%
Rohöl Brent Crude 106,29 $ −0,52%
Gold 1.579,50 $ +0,31%
Umfrage

Anonym bewerben? Ist das gut?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.