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Start-up Sind die Gründerzeiten vorbei?

04.11.2004 ·  Wichtige Indikatoren deuten auf einen Aufwärtstrend bei den Gründeraktivitäten hin. Vor allem gibt es Signale für eine Entspannung bei Gründungshindernis Nummer 1, der Startfinanzierung.

Von Claudia Erben, Geschäftsführerin Forum Kiedrich
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Wenn eines in den letzten fünf Jahren in Deutschland gelernt wurde, dann ist es die Tatsache, daß Firmengründer für die wirtschaftliche Entwicklung mehr bedeuten als alle Fördergelder zusammen, die Vater Staat für die Schaffung von Arbeitsplätzen aufbringt.

Zugegeben, das Interesse an diesem Thema ist nach den Zeiten der New Economy stark gesunken. Die Jungunternehmer, aber auch deren Investoren, mußten viele neue Lektionen lernen. Doch wer auf eine starke Geschäftsidee, Kundennutzen und das gewisse Etwas an Kreativität setzt, hat das Zeug zum Erfolg.

„Die Wende zum Besseren scheint geschafft“

Auch wenn es den Anschein hat: Die Gründerzeiten sind nicht vorbei! Im Gegenteil. Zwar sind die Meldungen über die aktuelle Entwicklung widersprüchlich, doch deuten wichtige Indikatoren auf einen Aufwärtstrend bei den Gründeraktivitäten hin. So investieren private Finanziers deutlich mehr Geld in Start-ups, als in den Jahren zuvor. Das meldet der Venture Capital Panel der deutschen Wagnisfinanzierer für das erste Halbjahr 2004. „Die Wende zum Besseren scheint endlich geschafft“, kommentieren Experten die aktuelle Entwicklung. Auch aus Business-Angel-Kreisen wird ein spürbarer Aufwind vermeldet. Das sind deutliche Anzeichen für Entspannung beim Gründungshindernis Nummer 1, der Startfinanzierung.

Positive Nachrichten kommen auch vom Institut für Mittelstandsforschung Bonn. Danach wurden 2003 mit 507.000 so viele Firmen gegründet, wie seit 1998 nicht mehr. Zum Vergleich: 2002 waren es gerade mal 452.000. Ganz aktuell meldet das Statistische Bundesamt für das erste Halbjahr 2004, daß die Gewerbeanmeldungen gegenüber dem Vorjahr um 16,3 Prozent auf 467.000 gestiegen sind.

Firmengründungen als Jobmotor sind und bleiben wichtig

Allerdings sind diese Zahlen mit Vorsicht zu genießen. Grund sind die häufig diskutierten Ich-AGs, auf die ein Großteil der bemerkenswerten Steigerungen zurückzuführen sind, die aber leicht ein falsches Bild der Gründerszene entstehen lassen. Als sogenannte Necessitiy-Gründungen entlasten sie zwar die Arbeitslosenstatistik, doch ob diese Unternehmen tatsächlich langfristig Bestand haben und sogar zusätzliche Arbeitsplätze schaffen können, ist derzeit noch nicht absehbar.

Wie wichtig gerade die Rolle von Firmengründern als Jobmotor ist, zeigt die Feststellung im Global Entrepreneurship Monitor (GEM), dem internationalen Forschungsbericht über unternehmerische Aktivitäten, daß Firmengründungen zwischen 19 und 22 Prozent aller neuen Arbeitsplätze schaffen. Kritisch muß in diesem Zusammenhang die Tatsache stimmen, daß 50 Prozent der Selbstständigen in Deutschland Einzelkämpfer sind - Tendenz steigend.

Eine gute Idee allein reicht nicht

Anders bei den rund 300 Firmen, die im Gründernetzwerks Forum Kiedrich (www.forum-kiedrich.de) zusammengeschlossen sind. Lediglich 21 Prozent der Gründer sind dort ohne Mitarbeiter tätig, 57 Prozent haben nach der letzten Erhebung des Gründerbarometers im Frühjahr 2004 erfreulicherweise sogar vor, in der nächsten Zeit Personal einzustellen. Hierhin zeigt sich mit Blick auf die Schaffung von Arbeitsplätzen, welch wichtige Rolle innovative Geschäftsideen spielen, die eine Zulassungsvoraussetzung zu den Gründermärkten des Forum Kiedrich sind.

Aber auch eine gute Idee reicht allein nicht aus. Während über Charaktereigenschaften von Firmengründern wie Mut, Kreativität, Ausdauer, Risikobereitschaft viel nachgedacht und geschrieben wird, sind die tatsächlichen Hürden oft ganz pragmatischer Natur. So muß das neue Produkt oder die neue Serviceleistung auch überzeugend präsentiert werden, so daß der Kundennutzen unmittelbar ins Auge springt. Gerade daran fehlt es erstaunlicherweise oftmals, wie die nunmehr achtjährigen Erfahrungen des Forum Kiedrich zeigen.

Dieses Manko ist um so gravierender, weil davon der Erfolg einer Geschäftsidee entscheidend abhängt. Eine simple Checkliste kann hier oftmals Wunder wirken und das „Ich-seh-den Wald-vor-lauter-Bäumen-nicht-Sydrom“ überwinden. Die Fragen darin sind ganz einfach: Was ist es, was ich anbiete? Wer braucht das Produkt und gibt dafür Geld aus? Auf welchen Wegen erreiche ich die Kunden? Die Antworten sind es offenbar nicht! Immerhin: Firmengründer, die diese Hürde schaffen, sind ihrem Ziel ein gutes Stück näher gekommen. Bleibt zu hoffen, daß das Gros der Gründer tragfähige Antworten gefunden hat und daß der Gründerboom zu einem spürbaren Wirtschaftsaufschwung führt.

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