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Start-up Sanierungsberater zeigen Auswege aus der Krise

04.09.2003 ·  Die Anzahl der Unternehmenspleiten in Deutschland erreicht neue Rekordstände. Worauf sind die Unternehmenskrisen zurückführen? Welche Wege führen aus der Krise?

Von Roland Pruss und Melanie Senczek
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Die euphorische Aufbruchstimmung in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre ist längst einer lang anhaltenden Katerstimmung gewichen. Seit dem Platzen der Internet-Blase an den internationalen Kapitalmärkten sehen sich viele Start-ups eher dem Insolvenzverwalter als interessierten Investoren gegenüber.

Die Anzahl der Unternehmenspleiten hat in den letzten Jahren dramatisch zugenommen. Nach Angaben der Wirtschaftsauskunftei Creditreform verzeichnete Deutschland mit 19.200 Insolvenzen im ersten Halbjahr 2003 einen neuen Höchststand - dies entspricht einer Steigerung von 4,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der entstandene volkswirtschaftliche Gesamtschaden ist groß. Er beschränkt sich nicht allein auf Forderungsausfälle, Folgeinsolvenzen sowie Ausfälle bei Steuern und Sozialabgaben sind ebenfalls zu berücksichtigen. Laut Creditreform entstanden in Deutschland im Jahr 2002 Schäden von insgesamt 45 Milliarden Euro.

Häufige Ursache: Fehleinschätzungen in der Unternehmensstrategie

Zu einem Insolvenzantrag kommt es jedoch nicht von heute auf morgen. In der Regel sammeln sich kleinere und größere Probleme über einen längeren Zeitraum an, bevor der Gang zum Insolvenzrichter unvermeidlich wird.

Krisen sind häufig auf Fehler in der Unternehmensstrategie zurückzuführen - zum Beispiel wenn die Marktentwicklung oder der Technologiefortschritt falsch einschätzt werden. Des weiteren sind es Ursachen wie fehlerhafte Investitionsplanungen oder ungünstige Liefer- und Leistungsbeziehungen, die eine Krise hervorrufen können. Organisatorische Fehler verstärken problematische Unternehmenssituationen meist noch weiter, bevor es letztlich finanzwirtschaftliche Ursachen wie Zahlungsmittelengpässe sind, die eine Unternehmenskrise soweit verschärfen, daß das Überleben des Unternehmens gefährdet ist.

Frühzeitiges Gegensteuern notwendig

Häufig führt die angespannte Unternehmenssituation dazu, daß die Kommunikation der Krisensituation aus Imagegründen so lange unterdrückt wird, daß eine adäquate Gesundung des Unternehmens kaum noch möglich ist. Marktanteile sind dann häufig erodiert, das Eigenkapital verbraucht und wichtige Mitarbeiter haben das Unternehmen verlassen. Frisches Kapital für eine Sanierung und Fortführung des Unternehmens wird sich in solchen Fällen nur selten finden.

Um die Erfolgschancen für einen Turnaround zu erhöhen, sollten Unternehmen Krisen möglichst frühzeitig entgegenwirken. Bei der Erarbeitung eines Sanierungskonzeptes leisten externe Berater wertvolle Hilfe. Zum einen stellen sie die notwendige Neutralität und Objektivität sicher und können als Mittler zwischen Gläubigern und Schuldner fungieren. Zum anderen ist es für ein externes Beraterteam leichter als für die Geschäftsführung auch unpopuläre Sanierungsmaßnahmen anzuregen und umzusetzen.

Einsatz eines Interim-Managers

Ist eine Krise erkannt, ist es zunächst wichtig, kurzfristiges Krisenmanagement zu betreiben, indem beispielsweise eine drohende Zahlungsunfähigkeit durch rasch wirksame liquiditätsfördernde Aktionen abwendet wird. Für die Sicherung des langfristigen Überlebens spielen hingegen strategische und ertragswirtschaftliche Überlegungen die dominante Rolle. Häufig bietet es sich an, für den Zeitraum der Unternehmenssanierung einen erfahrenen Interim-Manager hinzuzuziehen.

Vergleich zu Wettbewerbern herstellen

Zur Ausarbeitung der Sanierungsmaßnahmen ist neben der unternehmensindividuellen Analyse zur Überprüfung der Leistungskraft des Unternehmens ein Benchmarking mit Wettbewerbern zu empfehlen. Durch den Vergleich mit ausgewählten, wirtschaftlich erfolgreichen Wettbewerbern lassen sich Zielwerte für einzelne Kennzahlen definieren, aus denen direkt der Verbesserungsbedarf abgeleitet werden kann. Bei der Entwicklung des Sanierungskonzeptes ist zu beachten, daß sowohl leistungs- als auch finanzwirtschaftliche Maßnahmen berücksichtigt werden.

Eine Unternehmenskrise sollte auch immer als Chance für einen Neuanfang begriffen werden. Durch ein professionelles Sanierungskonzept und die Einschaltung eines erfahrenen Beraterteams kann das Vertrauen alter und neuer Kapitalgeber zurückgewonnen und ein nachhaltiger Turnaround erreicht werden.

Roland Pruss, Partner, und Melanie Senczek, Senior Consultant, sind im Bereich Business Recovery Services von PricewaterhouseCoopers in Frankfurt tätig.

E-mail: roland.pruss@de.pwc.com
E-mail: melanie.senczek@de.pwc.com

www.pwc.com/de

Quelle: @wiz
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