Home
http://www.faz.net/-gqe-3xgi
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 02.01.2003, 00:00 Uhr

Start-up Reifezeugnis für Businesspläne

Hochbetrieb ist angesagt bei den quer über die Republik verteilten Veranstaltern von Businessplan Wettbewerben. Der Countdown für die erste Runde läuft.

Zahllose Kickoff-Veranstaltungen, verteilt über die ganze Region, hat Carsten Rudolph, Geschäftsführer des Businessplan Wettbewerbs Nordbayern in den letzten Wochen hinter sich gebracht. „Die Veranstaltungen sind hervorragend besucht“, lautet sein Resümee von der Gründerfront.

Auch seine Kollegen vom Verband Neues Unternehmertum Rheinland (NUK) rühmen die ungebrochene „Unternehmenslust“, so das Motto des aktuellen sechsten Wettbewerbs. Es gibt sie also noch, die gründungswilligen Unternehmer in spe, mit und ohne Berufserfahrung. „Es tut sich wieder etwas, auch bei den Leuten zwischen 35 und 45 Jahren“, beobachtet Pascal Ledune, Pressesprecher des Dortmunder Wettbewerbs Start2grow.

Mehr zum Thema

Konzentration auf IT lohnt nicht mehr

„The same procedure as every year“ ist bei den Veranstaltern dennoch nicht angesagt. Aus den Erfahrungen der Vorjahre lernen, auf wirtschaftliche Veränderungen reagieren, das eigene Profil schärfen und optimieren, Angebote feinjustieren lautet der Grundsatz. So steht etwa der sächsische Gründungswettbewerb „FutureSax 2003“ jetzt für Teilnehmer aus allen Branchen und Bereichen offen. Bislang war der Wettbewerb nur IT-Gründern vorbehalten. „Der IT-Boom ist vorbei. Es lohnt nicht, sich nur darauf zu konzentrieren,“ begründet Sprecherin Beate Bartsch die Kehrtwende.

Verstärkt auf „junge Unternehmen mit innovativen Technologien“ setzt hingegen der Münchner Businessplan Wettbewerb, der im siebten Jahr seines Bestehens die bislang wohl schwierigste Phase durchmacht. Nicht zuletzt das mit einem Minus von 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr deutlich knapper bemessene Budget zwang zu einer Reihe organisatorischer und inhaltlicher Veränderungen.

Staubsaugerfunktion der Wettbewerbe

So wurde die Teilnahme an Wettbewerbsstufe Eins, die so genannte Ideas Creation, auf Gründerteams aus Hochschulen beschränkt und die Organisation selbst in die beteiligten Universitäten und Hochschulen zurückverlagert. „Damit verbreitern wir die Basis des Wettbewerbs und stärken das Wir-Gefühl an den Hochschulen“, ist Geschäftsführer Werner Arndt von der positiven Wirkung der Sparmaßnahme überzeugt. Nur mehr eingeschränkt zugänglich ist auch Stufe drei, die Excellence Stage. Wer hier teilnehmen will, muss bereits die Stufe zwei erfolgreich absolviert haben. „Wir wollen wirklich hochkarätige Teams haben“, begründet Arndt den neuen Zuschnitt.

Andreas Bissendorf, Projektleiter des Businessplan Wettbewerbs Berlin-Brandenburg hat hier gut lachen. Der überwiegend aus Finanzinstituten bestehende Sponsorenkreis ist dem Wettbewerb treu geblieben, der für Geschäftsideen aus allen Branchen inklusive Konzepten zur Unternehmensnachfolge offen steht. Schließlich rechnet sich deren Engagement auch, ist Bissendorf überzeugt. „Unsere Sponsoren wollen näher an das Geschäft ran und offensiver auf die Gründer zugehen. Wir übernehmen nur die Staubsaugerfunktion.“

Preisgelder als Marketing-Mittel

Beim organisierten Schaulauf vor Kapitalgebern, dem so genannten Gründercasting, können daher in diesem Jahr erstmals auch Gründer mit konventionellen Geschäftsideen teilnehmen. Einzige Bedingung: Sie müssen aus der Region Berlin-Brandenburg kommen oder hier zumindest eine Ansiedlung planen. „Wir hatten einen hohen Anteil an zum Teil hochkarätigen Wettbewerbsideen aus anderen Bundesländern, die es darauf anlegten, die Preisgelder abzusahnen. Das ist nicht der Sinn des Ganzen“, erklärt Bissendorf.

Immerhin werden bei den Wettbewerben zum Teil stattliche Summen ausgeschüttet. 40.000 Euro winken dem Sieger beim Dortmunder Start2grow-Wettbewerb, der zweite darf sich auf 30.000 Euro freuen. In voller Höhe werden die nur vom Wettbewerbs-Klassiker „StartUp“ , überbotenen Preisgelder allerdings erst dann ausgezahlt, wenn tatsächlich eine Ansiedlung in Dortmund erfolgt. Ansonsten müssen sich die Preisträger mit der Hälfte begnügen. „Wir setzen bewusst auf diesen Marketinganreiz“, sagt Start2grow-Sprecher Ledune. So werden die zeitlich versetzt ablaufenden Wettbewerbe für die Bereiche IT und Mikrotechnik bundesweit durch Versandaktionen und Messepräsenz beworben.

Wissensvermittlung in den Vordergrund rücken

Dennoch: Die Prämien sind allenfalls das Sahnehäubchen, der eigentliche Anreiz, an diesen Wettbewerben teilzunehmen, liegt im Zugewinn an Wissen, an Erfahrung und vor allem an Kontakten. „Es nützt nichts, Gelder zu verteilen, wenn kein Unternehmerwissen vorhanden ist,“ spottet Uwe Harder, Teammitglied bei Promotion, der Gründungsinitiative des Volkswagenwerks und des Landes Niedersachsen in Emden, mit Blick auf die bei „StartUp“ ausgeübte Einsende-Praxis. Für Harder sind hohe Wettbewerbsteilnahmen nachrangige Erfolgskriterien. „Wir drehen das Rad lieber verstärkt in Richtung Wissensvermittlung.“ Rund 90 Gründungen schreiben sich die Emdener seit Februar 2000 auf die Fahne. Harder: „Von denen hat nur ein Teil an den Wettbewerben teilgenommen. Manchen ist einfach die Zeit dafür zu schade.“

Quelle: @wiz

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
NSU-Prozess Beate Zschäpe stellt Befangenheitsantrag gegen ihren Richter

Seit langem streitet sich Beate Zschäpe mit ihren Anwälten. Um die loszuwerden greift sie zu einem Trick: Sie stellt einen Befangenheitsantrag gegen ihren Richter Manfred Götzl. Mehr

01.02.2016, 20:09 Uhr | Politik
Jungunternehmer Thilo Konzok Lust auf mehr Freiheit - der Job als Mission?

Im Job muss man sich wie zuhause fühlen und was man macht, dürfe nur missionsgetrieben sein, sagt Thilo Konzok. Der 23jährige Startup-Gründer aus Berlin spricht über die Karrierevorstellungen einer jungen Generation, die viel individuellere Arbeitsformen einfordert als die Eltern es je gewagt hätten. Mehr

20.01.2016, 12:05 Uhr | Wirtschaft
Neue Tarifrunde IG-Metall peilt fünf Prozent mehr Lohn an

Die IG Metall will für die Beschäftigten in Berlin, Brandenburg und Sachsen bis zu fünf Prozent mehr Geld. Im Frühjahr könnte es Warnstreiks geben. Mehr

28.01.2016, 15:50 Uhr | Wirtschaft
Albanien Startup statt Exodus

Viele junge Albaner wollen ihre Heimat verlassen. Korruption und Kriminalität sind weit verbreitet. Doch einige bleiben oder kehren sogar zurück, um in Albanien ein Unternehmen zu gründen. Die Startup-Generation wächst. Mehr

18.01.2016, 11:02 Uhr | Wirtschaft
Fastnacht in Hessen Polizei an tollen Tagen im Großeinsatz

Paris, Istanbul, Köln - kein gutes Klima für unbeschwerte tolle Tage, sollte man meinen. Doch Hessens Fastnachter lassen sich die Laune nicht vermiesen. Sie verlassen sich auf die Polizei, die mehr Beamte als sonst einsetzt. Mehr

29.01.2016, 16:23 Uhr | Rhein-Main

Kein Vertrauen in die Porsches und Piëchs

Von Carsten Knop

Im Strafverfahren gegen Wendelin Wiedeking und Holger Härter stehen die Zeichen wohl auf Freispruch. Doch Gerichtsurteile sagen nicht alles: Die Familien haben mit Porsche und VW ihren Ruf verzockt. Mehr 6 16


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden

Grafik des Tages Misstrauische Europäer

Vertrauen Mitarbeiter ihrem Arbeitgeber, steigt die Arbeitsmoral. In China, Indien und Mittelamerika ist das Vertrauen hoch. In Europa und Ostasien sieht es anders aus. Mehr 0