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Start-up Reifezeugnis für Businesspläne

Hochbetrieb ist angesagt bei den quer über die Republik verteilten Veranstaltern von Businessplan Wettbewerben. Der Countdown für die erste Runde läuft.

Zahllose Kickoff-Veranstaltungen, verteilt über die ganze Region, hat Carsten Rudolph, Geschäftsführer des Businessplan Wettbewerbs Nordbayern in den letzten Wochen hinter sich gebracht. „Die Veranstaltungen sind hervorragend besucht“, lautet sein Resümee von der Gründerfront.

Auch seine Kollegen vom Verband Neues Unternehmertum Rheinland (NUK) rühmen die ungebrochene „Unternehmenslust“, so das Motto des aktuellen sechsten Wettbewerbs. Es gibt sie also noch, die gründungswilligen Unternehmer in spe, mit und ohne Berufserfahrung. „Es tut sich wieder etwas, auch bei den Leuten zwischen 35 und 45 Jahren“, beobachtet Pascal Ledune, Pressesprecher des Dortmunder Wettbewerbs Start2grow.

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Konzentration auf IT lohnt nicht mehr

„The same procedure as every year“ ist bei den Veranstaltern dennoch nicht angesagt. Aus den Erfahrungen der Vorjahre lernen, auf wirtschaftliche Veränderungen reagieren, das eigene Profil schärfen und optimieren, Angebote feinjustieren lautet der Grundsatz. So steht etwa der sächsische Gründungswettbewerb „FutureSax 2003“ jetzt für Teilnehmer aus allen Branchen und Bereichen offen. Bislang war der Wettbewerb nur IT-Gründern vorbehalten. „Der IT-Boom ist vorbei. Es lohnt nicht, sich nur darauf zu konzentrieren,“ begründet Sprecherin Beate Bartsch die Kehrtwende.

Verstärkt auf „junge Unternehmen mit innovativen Technologien“ setzt hingegen der Münchner Businessplan Wettbewerb, der im siebten Jahr seines Bestehens die bislang wohl schwierigste Phase durchmacht. Nicht zuletzt das mit einem Minus von 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr deutlich knapper bemessene Budget zwang zu einer Reihe organisatorischer und inhaltlicher Veränderungen.

Staubsaugerfunktion der Wettbewerbe

So wurde die Teilnahme an Wettbewerbsstufe Eins, die so genannte Ideas Creation, auf Gründerteams aus Hochschulen beschränkt und die Organisation selbst in die beteiligten Universitäten und Hochschulen zurückverlagert. „Damit verbreitern wir die Basis des Wettbewerbs und stärken das Wir-Gefühl an den Hochschulen“, ist Geschäftsführer Werner Arndt von der positiven Wirkung der Sparmaßnahme überzeugt. Nur mehr eingeschränkt zugänglich ist auch Stufe drei, die Excellence Stage. Wer hier teilnehmen will, muss bereits die Stufe zwei erfolgreich absolviert haben. „Wir wollen wirklich hochkarätige Teams haben“, begründet Arndt den neuen Zuschnitt.

Andreas Bissendorf, Projektleiter des Businessplan Wettbewerbs Berlin-Brandenburg hat hier gut lachen. Der überwiegend aus Finanzinstituten bestehende Sponsorenkreis ist dem Wettbewerb treu geblieben, der für Geschäftsideen aus allen Branchen inklusive Konzepten zur Unternehmensnachfolge offen steht. Schließlich rechnet sich deren Engagement auch, ist Bissendorf überzeugt. „Unsere Sponsoren wollen näher an das Geschäft ran und offensiver auf die Gründer zugehen. Wir übernehmen nur die Staubsaugerfunktion.“

Preisgelder als Marketing-Mittel

Beim organisierten Schaulauf vor Kapitalgebern, dem so genannten Gründercasting, können daher in diesem Jahr erstmals auch Gründer mit konventionellen Geschäftsideen teilnehmen. Einzige Bedingung: Sie müssen aus der Region Berlin-Brandenburg kommen oder hier zumindest eine Ansiedlung planen. „Wir hatten einen hohen Anteil an zum Teil hochkarätigen Wettbewerbsideen aus anderen Bundesländern, die es darauf anlegten, die Preisgelder abzusahnen. Das ist nicht der Sinn des Ganzen“, erklärt Bissendorf.

Immerhin werden bei den Wettbewerben zum Teil stattliche Summen ausgeschüttet. 40.000 Euro winken dem Sieger beim Dortmunder Start2grow-Wettbewerb, der zweite darf sich auf 30.000 Euro freuen. In voller Höhe werden die nur vom Wettbewerbs-Klassiker „StartUp“ , überbotenen Preisgelder allerdings erst dann ausgezahlt, wenn tatsächlich eine Ansiedlung in Dortmund erfolgt. Ansonsten müssen sich die Preisträger mit der Hälfte begnügen. „Wir setzen bewusst auf diesen Marketinganreiz“, sagt Start2grow-Sprecher Ledune. So werden die zeitlich versetzt ablaufenden Wettbewerbe für die Bereiche IT und Mikrotechnik bundesweit durch Versandaktionen und Messepräsenz beworben.

Wissensvermittlung in den Vordergrund rücken

Dennoch: Die Prämien sind allenfalls das Sahnehäubchen, der eigentliche Anreiz, an diesen Wettbewerben teilzunehmen, liegt im Zugewinn an Wissen, an Erfahrung und vor allem an Kontakten. „Es nützt nichts, Gelder zu verteilen, wenn kein Unternehmerwissen vorhanden ist,“ spottet Uwe Harder, Teammitglied bei Promotion, der Gründungsinitiative des Volkswagenwerks und des Landes Niedersachsen in Emden, mit Blick auf die bei „StartUp“ ausgeübte Einsende-Praxis. Für Harder sind hohe Wettbewerbsteilnahmen nachrangige Erfolgskriterien. „Wir drehen das Rad lieber verstärkt in Richtung Wissensvermittlung.“ Rund 90 Gründungen schreiben sich die Emdener seit Februar 2000 auf die Fahne. Harder: „Von denen hat nur ein Teil an den Wettbewerben teilgenommen. Manchen ist einfach die Zeit dafür zu schade.“

Quelle: @wiz

 
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Veröffentlicht: 02.01.2003, 00:00 Uhr

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