Home
http://www.faz.net/-gqe-42hd
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Start-up Raus aus der Depression, rein in aktives Krisenmanagement

23.01.2003 ·  Krisenzeiten sind immer auch Zeiten in der die Wettbewerbsvariablen in Bewegung geraten. Flexible Unternehmen können dies nutzen.

Von Carolin Socher
Artikel Lesermeinungen (0)

Seit Monaten füllen sich Zeitungen und Zeitschriften mit Meldungen über die schlechte wirtschaftliche Situation unseres Landes. Allgemein wird von einer Krise gesprochen. Eine Krise schlägt sich auch auf die Gemüter der Unternehmer nieder. Doch gerade jetzt ist aktives Krisenmanagement gefragt.

Durchhalten und überleben ist eine Strategie, die in der heutigen Zeit sowohl bei etablierten als auch bei jungen Unternehmen angesagt ist. Meist führt jedoch ein „Durchhalten“ mit Veränderungsaversion nicht zu dem gewünschten Überlebensziel. Eine solche Krisenzeit kann vielmehr für Unternehmen, die den Mut zur Veränderung haben, die Chance für erfolgreiche strategische Neuausrichtungen bieten.

„Schumpeters“ schöpferische Zerstörung

Der berühmte Ökonom Schumpeter sieht den Entrepreneur als Erfinder und Ausführer neuer Kombinationen von Ressourcen, der in unsicheren Situationen richtig handelt und die Energie hat, neue Wege zu betreten. Nach dieser Definition ist die aktuelle wirtschaftlich und politisch sehr unsichere Zeit ein prädestiniertes Betätigungsfeld für Entrepreneure. Jetzt sind diese Menschen mehr denn je gefragt. Entrepreneure können im Rahmen des so genannten „Prozesses der kreativen Zerstörung“ durch innovative Ideen neue Produkte und Märkte schaffen. Wohingegen der Staat nur Rahmenbedingungen setzen kann, sind es die Entrepreneure, die die Wirtschaftsstruktur von innen heraus revolutionieren, die alten, verkrusteten Strukturen zerstören und eine neue wettbewerbsfähige Struktur schaffen können. So könnte der Wirtschaft wieder der dringend notwendige Aufwind verschafft werden.

Festhalten ist einfacher

Leichter gesagt als getan, denn die Kräfte der Krise wirken sich auch auf die psychologische Stimmung der Unternehmer aus. Festhalten und durchhalten ist in einer depressiven Stimmung einfacher als Chancen zu identifizieren und neue Wege zu beschreiten. Doch eine Krise bringt unbestritten neue Möglichkeiten.

Die Chance: Wettbewerbskräfte ändern sich

Die Wettbewerbsvariablen, die die Grenzen der Unternehmung definieren, wandeln sich in einer Krise. Diese Variablen sind unter anderem der Wettbewerb in der Branche, die Kundenmacht und -bedürfnisse, die Macht der Zulieferer und die organisatorischen Veränderungsfähigkeit des Unternehmens. In Krisenzeiten verändern sich diese Determinanten (zum Beispiel aufgrund von Konkurs und Unternehmenszusammenschlüssen) häufig sehr wesentlich und können, wenn das Unternehmen richtig reagiert, die Wettbewerbsposition des Unternehmens auch erheblich verbessern beziehungsweise Chancen für Neueinsteiger bieten.

Was für die Großen gilt...

Beispielsweise hat die schwere Krise im Jahre 1994 in Brasilien zu einer starken Veränderung in der traditionsreichen Bankenlandschaft geführt. Heute sind mehr als die Hälfte der Top Ten der brasilianischen Banken Neueinsteiger (junge Unternehmen und ausländische Banken).

Auffallend ist auch, dass die Ranglisten der Top Unternehmen eines Landes sich in Krisenzeiten sehr schnell ändern. Die Dynamik rührt zu einem großen Teil aus der unterschiedlichen organisatorischen Veränderungsfähigkeit der Unternehmen. Einige Unternehmen sind agiler als andere und können daher Krisen leichter und besser bestehen.

... gilt für die Jungen um so mehr

Doch was für die großen etablierten Unternehmen gilt, gilt für die jungen Unternehmen um so mehr. Die jungen Unternehmen zeichnen sich typischerweise durch Agilität und Flexibilität aus. Sie müssen sich noch nicht den Beschränkungen durch Bürokratie und Langsamkeit aufgrund der Größe entgegen stellen, um Veränderungen zu bewirken. Sie können Chancen ergreifen, zum Beispiel in dem sie neu entstehende Märkte konzentriert und schnell bearbeiten.

Jeder Tag zählt

In einer Krise zählt jeder Tag. Wohingegen sich in normalen Zeiten anstehende Entscheidungen über Monate hinziehen können, kann in einer Krise jeder Tag kritisch für die Wettbewerbsfähigkeit und damit den Erfolg von Unternehmen sein. Daher der Aufruf: Raus aus der Depression, rein in aktives Krisenmanagement!

Carolin Socher ist wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin am Institut für Innovationsforschung Technologiemanagement und Entrepreneurship und Projektmanagerin am ODEON Center for Entrepreneurship an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). socher@bwl.uni-muenchen.de

Mehr zum Thema Unternehmensgründung finden Sie hier: Das Buch zur Kolumne

Quelle: @wiz
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Die Förderlücke

Von Heike Göbel

Der Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld ist ein Ausweis unbelehrbaren Glaubens an die unbegrenzte Leistungsfähigkeit des Sozialstaates. Dass Eltern ihre Kinder, wie seit Menschengedenken, unbezahlt hüten, ist in Deutschland offenbar nicht mehr denkbar. Mehr 8 7

29.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.396,84 +1,16%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.394,15 +1,26%
Dow Jones 12.580,70 +1,01%
EUR/USD 1,2465 −0,19%
Rohöl Brent Crude 106,29 $ −0,52%
Gold 1.579,50 $ +0,31%
Umfrage

Anonym bewerben? Ist das gut?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.