Home
http://www.faz.net/-gqe-nys1
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Start-up Due Diligence: (K)ein Stolperstein bei Kapitalbeschaffung

07.08.2003 ·  Infolge der erschwerten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ist eine Kapitalaufnahme ohne vorherige Due Diligence fast unmöglich. Für Start-ups ist die Vorbereitung auf diese Untersuchung ein wesentlicher Erfolgsfaktor.

Von Stefan Frühauf
Artikel Lesermeinungen (0)

Das Ende der Internet-Euphorie und die allgemein schlechte Wirtschaftslage wirken sich negativ auf die Kapitalbeschaffung der Start-up-Unternehmen aus. Neue Regelungen der Banken für die Kreditvergabe (Basel II) erschweren auch die Aufnahme von Fremdkapital. Insbesondere für Start-ups ist die Kapitalbeschaffung somit deutlich schwieriger geworden. Sofern das Unternehmen überhaupt in der Lage ist, Investoren zu gewinnen, wird die Mittelvergabe regelmäßig erst nach einer gründlichen Untersuchung des Unternehmens (Due Diligence) und des Business Plans erfolgen.

Kritischer Blick von Banken und Investoren

Noch vor wenigen Jahren war es möglich, nahezu nur auf Basis einer guten Geschäftsidee finanzielle Mittel zu erhalten. Heute sind die Investoren oder finanzierenden Banken wesentlich kritischer geworden. Was zählt, sind neben der Geschäftsidee auch die Geschäftsaussichten sowie die Faktoren, die das Unternehmen und den Erfolg beeinflussen. Diese müssen untersucht, plausibel dargestellt und überzeugend präsentiert werden. Für die meist branchenfremden Investoren ist insbesondere bei Start-up-Unternehmen eine Plausibilisierung der Zukunftsaussichten auf der Basis der vorhandenen Informationen höchst problematisch. Aus diesem Grund wird in aller Regel vor der Mittelvergabe eine sorgfältige Due Diligence-Untersuchung durchgeführt.

Informationen und Annahmen auf dem Prüfstand

Die Due Diligence-Untersuchungen stellen die gegebenen Informationen auf den Prüfstand und kontrollieren die getroffenen Annahmen auf ihre Stichhaltigkeit. In Abhängigkeit von den Untersuchungszielen kann zwischen einer Vielzahl verschiedener Due Diligence-Formen unterschieden werden. Neben der Financial Due Diligence, die sich auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage und den Business Plan des Unternehmens konzentriert, ist speziell im Start-up-Umfeld die Market oder treffender: die Commercial Due Diligence erforderlich.

Financial Due Diligence

Die Financial Due Diligence durchleuchtet die Geschäftszahlen des Unternehmens genau. Aufbauend auf der detaillierten Analyse der historischen Daten wird der vorliegende Business Plan hinterfragt und plausibilisiert. Bei Start-ups ergibt sich das Problem, daß der Business Plan ein Gebilde beschreibt, welches in der Historie so noch nicht existierte. Schließlich handelt es sich bei den Start-up-Finanzierungen in aller Regel um Gründungs- beziehungsweise Expansionsfinanzierungen. Die Due Diligence untersucht daher genau, inwieweit die Annahmen in dem Business Plan umgesetzt sind und erstellt vergleichende Analysen zu ähnlichen Unternehmen - falls vorhanden. In einem nächsten Schritt werden dann die dem Business Plan zugrunde liegenden Annahmen (zum Beispiel erwartete Marktentwicklung, Gehaltsniveau oder Mietkosten) detailliert überprüft. Zu den wesentlichen Annahmen zählen in der Regel der Markt für das Produkt oder die Dienstleistung des Unternehmens. Hier setzt die Commercial Due Diligence an.

Commercial Due Diligence

Besonders die Marktfähigkeit und Nachhaltigkeit der Geschäftsidee entscheiden heute über den Erfolg oder Mißerfolg des Unternehmens und damit über die Mittelvergabe. Marktexperten und Branchenspezialisten untersuchen in der Commercial Due Diligence die der Geschäftsidee zugrunde liegenden Marktannahmen. Dabei stehen die allgemeine Attraktivität des Marktes, seine Größe, das erwartete Wachstumspotential sowie die Kunden- und Mitbewerberstrukturen im Fokus der Untersuchung. Zudem werden die Wettbewerbsposition und die möglichen Entwicklungschancen des Unternehmens in diesem Markt analysiert.

Eine Chance: Zwang zur Klarheit und Struktur

Eine Due Diligence sollte von dem Zielunternehmen, beziehungsweise von der kapitalsuchenden Gesellschaft, als Chance zur Bestätigung der eigenen Überlegungen und Planungen verstanden werden. Bereits die Vorbereitung auf eine solche Untersuchung zwingt das Management, die eigenen Ideen strukturiert und nachvollziehbar darzustellen. Im Gespräch mit den Spezialisten, die eine kritischere Sichtweise vertreten, werden die getroffenen Annahmen hinterfragt und die gesamte Geschäftsidee bewertet. Für die Unternehmen bietet sich die Chance, das eigene Geschäft mit anderen Augen zu sehen und dadurch Chancen und Risiken noch besser kennenzulernen. Wichtig ist dabei die Vorbereitung auf eine solche Untersuchung. Nur wenn das Management selbst von der Geschäftsidee überzeugt ist, den Business Plan plausibel und nachvollziehbar erstellt hat und die ihm zugrunde liegenden Informationen und Annahmen einer externen Durchsicht standhalten, wird die Due Diligence kein Hindernis bei der Kapitalbeschaffung sein.

Stefan Frühauf, Senior Manager bei PricewaterhouseCoopers im Bereich Transaction Services
E-Mail: stefan.fruehauf@de.pwc.com
www.pwc.com/de

Quelle:
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Die Förderlücke

Von Heike Göbel

Der Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld ist ein Ausweis unbelehrbaren Glaubens an die unbegrenzte Leistungsfähigkeit des Sozialstaates. Dass Eltern ihre Kinder, wie seit Menschengedenken, unbezahlt hüten, ist in Deutschland offenbar nicht mehr denkbar. Mehr 8 7

29.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.396,84 +1,16%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.394,15 +1,26%
Dow Jones 12.580,70 +1,01%
EUR/USD 1,2465 −0,19%
Rohöl Brent Crude 106,29 $ −0,52%
Gold 1.579,50 $ +0,31%
Umfrage

Anonym bewerben? Ist das gut?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.